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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-06-20 · Heft 25 (20.6.1882) · p. Seite 407

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 25 (20.6.1882)
Date
1882-06-20
Page
Seite 407 (sequence 7)
Language
German
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Menschen, die flehend an den Grenzen Ungarns erscheinen, mit Kolbenstoßen zurückjagen zu lassen, so erkläre er, daß er dies nicht thun werde, weil er darin eine Befleckung der Ehre Ungarns erblicken würde und er glaube auch nicht, daß sich jemals im. ungarischen Parlament eine Majorität finden ließe, welche der Regierung ein solches Vorgehen zur Pflicht machen würde." Ferner: „Er habe eine gegen die Juden gerichtete Brandschrift in der Tasche, welche in der Erlauer Lyceal- Druckerei gedruckt worden sei. Das ungarische Preßgesetz binde ihm allerdings die Hände und mache es ihm unmöglich, gegen diese. Hetzschrift in gebührender Weise einzuschreiten; allein so viel könne er versichern , daß wenn irgendwo im Lande sich in Folge solcher Hetzereien Jemand zu Thätlichkeiten Hinreißen lassen würde, er den Ersten, der dies thnt, in svlcher Weise niederschmettern würde, daß sich kein Zweiter fände, jenes Beispiel nachzuahmen. Auch der Minister- Präsident sprach mit ganz ungewöhnlicher Energie, und.seine Worte fandeti in der Partei lebhafte Zustimmung." Der oben angeführte Antrag des Ausschusses wurde von der Partei angenommen. — Am 7. Juni fand die Berathung im Abgeordnetenhaus statt.- Der Referent wies darauf hin, daß die Petition nur ganz Ueberflüssiges enthalte, da das bestehende Gesetz ausreicht, daß es sich hier auch um Forderungen der Humanität handele, da es dem Begriffe eines gebildeten und freien Staates unwürdig wäre , unglückliche Flüchtlinge, welche durch die wahrhaft barbarischen Verhältnisse Zeines Nachbarlandes zür Flucht gezwungen wurden, gewaltsam in das Land zurückzutreiben, aus welchem sie sich zu retten trachten. Die ganze Sache sei nur tendenziös aufgeworfen und vergrößert, und da mit ihr in keinem Zusammenhänge stehende Beschuldigungen Und Verdächtigungen gegen eine vaterländische Confession oder Rasse complizirt worden, so gehe daraus -für das Parlament um so mehr die Pflicht hervor, selbst den Schein fernzuhalten, als wäre es solidarisch mit jener Strömung, die den bedauerlichen Glaubens¬ und Rassenhaßderen Folgen wir auch in der in Rede stehenden Einwanderung erblicken, in unser Vaterland überpflanzen will. (Lebhafter Beifall auf der Rechten.) .. , . Indem wir den Bericht über die hierauf folgende Debatte in dieser und der nächsten Sitzung des Hauses für die nächste Nummer Vorbehalten, fügen wir hinzu, daß bei der Abstimmung der Antrag des Petitionsausschusses mit großer Majorität angenommen wurde. Jstoczy sah sich veranlaßt, den Abg. Wahrmann wegen einiger Aeußerungen zu fordern. Da Wahrmann die Forderung ablehnte, beschimpfte ihn Jstoczy im Lesesäale. Wahrmann erwiederte die Beschimpfung, und wurden nur durch das Dazwischentreten der Anwesenden Thätlichkeiten verhindert. Jstoczy - meldete dem Vorstande der liberalen Partei seinen Austritt aus der Fraktion an. In Folge des Zwischenfalles wurde die öffentliche Sitzung Unterbrochen -und' -eine geheime Sitzung abgehalten. Nach Wiederaufnahme derersteren sprach das Haus auf Antrag des Präsidenten eine Rüge -über die stättgehabte thalsächliche Jnsultirung aus: Das Duell zwischen - Jstoczy und Wahrmann wird nunmehr stattfinden, r) ' (Fortsetzung folgt.) Äst der Staat die Bnelle alles Rechtes? HL Wenn wir schließlich den Ausspruch der Sozialdemokraten an sich prüfen wollen, können wir uns ganz kurz fassen. Wenn der Staat die Quelle alles Rechtes'ist, also an gewisse Fundamentalrechte nicht gebunden, so ergiebt sich sofort, daß das Recht gar kein Recht, vielmehr gar nicht vorhanden ist. Wenn der .Staat heute das Eigenthum als ein unantastbares Recht anerkennt, morgen aber es aufhebt imb das Eigenthum für Diebstähl erklärt, weil alles Eigcnthum der Gesammtheit gehöre, so ist eben weder heute noch morgen ein Recht vorhanden/ Wenn der Staat heute die persönliche Freiheit, den Selbstwillen des Individuums als ein unverletzliches Grundrecht proklamirt, morgen jedoch dasselbe vernichtet und aus dem Staate eine Kaserne macht, in welcher jedem Individuum fein Pensum Arbeit vorgeschrieben und sein Stück Brod zugetheilt wird, wo jede Abweichung hiervon ein Staatsverbrechen wäre, weil es sofort eine Desorganisation des Ganzen bewirkte: so ist eben kein Recht vorhanden, und der Staat nicht die Quelle des Rechts, weil i) Das Nähere ist:. Sofort, nach der Rede Wahrmann's frug ihn Jstoczy, wen er mit.der Handbewegüng gemeint habe, als er zum Schlüsse seiner Rede eine beleidigende Wendung gebrauchte. Währmann antwortete, er habe keine Person im Auge gehabt; „übrigens", fügte er bei, „hast du deinen Standpunkt und ich den meinen". Als Wahrmann später in die Couloirs trat, kam ihm Jstoczy in Begleitung der Abgeordneten Onody und Szuhany entgegen und forderte ihn zum Duell. Wahrmann lehnte den Zweikampf lachend ab und sagte, das wäre die Sache des Justiz-Ministers. Hierauf entfernten sich der Herausforderer und die Secundanten. Wenige Stunden später erschien Jstoczy allein, trat ganz nahe an Wahrmann und rief: „Ich habeSie provocirt, Sie jedoch das Duell nicht angenommen, Sie sind ein erbärmlicher (rc>n§^08) Mensch." Wahrmann gab die Beleidigung noch verschärft zurück, wr rauf Jstoczy die Hand erhob und Wahrmann insultirte. Der Schlag traf ihn leicht, weil andere Abgeordnete dazwischen traten. Avgeordneter Wahrmann begab sich sofort zum Club-Präsidenten, erzählte ihm den Vorfall und frug, welche Satisfaction ihm werden solle, forderte aber auch die Ausschließung Jstoczy's aus dem liberalen Club. Der Club-Präsident entgegnete, daß dem Abg. Wahrmann volle Satisfaction werden solle. — Auf den Antrag Csernatony's wird gegen 2 Uhr die öffentliche Sitzung geschlossen und eine geheime eröffnet. In derselben motivirte Csernatony seinen Antrag betreffs der Einberufung der geheimen Sitzung in erster Linie damit, daß die, Immunität eines Abgeordneten verletzt worden sei. Er schilderte den Vorfall in den Couloirs und verlangte, daß zur Wahrung der Würde des Parlaments hier eine Verfügung getroffen und dem beleidigten Theile Satisfaction gegeben werde. Es wurde beschlossen, Jstoczy eine Rügezu ertheilen, und das geschah denn auch nach Wiederaufnahme der öffentlichen Sitzung.. Jstoczy meldete seinen Austritt aus der liberalen Partei an. (Die „liberale" Partei hätte diesen Mann längst -nicht mehr zu den ihrigen zählen sollen!) Nach den letzten. Nachrichten vom ll. d., wurde das Duellals es eben beginnen .sollte, durch das Erscheinen eines Polizisten verhindert, fand aber später statt/ohne blutige Folge. , '

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