Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1882)
- Date
- 1882-06-20
- Page
- Seite 403 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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kommen finden. Dort werden die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft sofort untergebracht. Sodann wird den Arbeitsfähigen unter ihnen Beschäftigung verschafft und die übrigen werden sobald als möglich .nach anderen Städten oder , nach den Kolonien geschickt. Die Gesellschaft ist fortwährend mit dem Empfang und der Beförderung beschäftigt und in den letzten Wochen waren die Schaaren der Ankommenden so zahlreich und folgten, so kurz auf einander, daß. das Comits nicht Zeit hatte, die ersten weiter zu befördern, bevor ein zweiter und ein dritter Transport anlangte. Man sah sich daher genöthigt, in der Stadt- New-Work selbst mehrere Gebäude zu miethen und herzurichten, und da auch dies noch nicht genügte, so wurden in der naheliegenden Stadt Brooklyn ebenfalls eine größere Anzahl untergebracht. Außerdem kamen vor mehreren Wochen etwa 325 Auswanderer direkt von Liverpool in Philadelphia an, für die ebenfalls bestens gesorgt wurde. In letzterer Stadt hat sich, sobald die Abfahrt der Auswanderer telegraphisch gemeldet wurde, ein Extra-Comito gebildet, mit dem Bügermeister an der Spitze, um Vorbereitungen für den Empfang zu treffen. Eine Eisenbahngesellschaft . stellte einen unbenutzten Bahnhof zur Verfügung, Der zu Schlaf-, Eß- und Badezimmern, Küche u. s. w. eingerichtet wurde, und als die Auswanderer ankamen, fanden sie für ihren Empfang alles vollständig bereit. Von den 325 haben binnen kurzer Zeit ungefähr 125 Arbeit bekommen und die übrigen werden wahrscheinlich in nächster Zeit zur Gründung. einer Ackerbau - Colonie nach Florida geschickt werden. Augenblicklich befinden sich in New-Work, in Ward's Island und in 8er Stadt. selbst ungefähr 500 Auswanderer, in Brooklyn 150, für welche die Gesellschaft zu sorgen hat. Was die Colonien anbetrifft, so ist bereits vor einigen Mon aten eine in Sieily Island in Louisiana gegründet worden. Dieselbe befindet sich in einem befriedigenden Zustande. Auch wurde ein Agent der New-Worker Gesellschaft nach Oregon geschickt, um daselbst Land auszusuchen, vor einigen Tagen ~ zogen 100 Auswanderer dorthin. Ferner sind Anordnungen getroffen, um. eine große Anzahl, auf Gütern in Connecticut als Arbeiter unterzubringen. In Texas ist ebenfalls eine Colonie gegründet worden und zwar besteht dieselbe aus Studenten. Aus den Nachrichten, die von dieser. Colonie. eingetroffen sind, ersieht man m.it Freuden, in wie kurzer Zeit sich diese Leute in ihrer neuen Lebensweise eingelebt haben. Vor. wenigen Wochen noch: hinter den Büchern sitzend, haben sie heute den Pflug in der Hand und fühlen sich glücklich. Nach Colorado und New-Jersey sowie nach St. Louis, .Hartford, Chicago, Atlanta und nach anderen Städten wurden gleichfalls ' schon viele geschickt und mit Arbeit versehen. Bis jetzt ist alles in. der wünschenswerthesten Weise verlaufen, aber . die Hauptschwierigkeiten werden erst die nächsten Monate mit sich bringen, wo . die Zahl der zu erwartenden Auswanderer auf 10,000 geschätzt wird. Es herrscht zwischen den. Einwanderern und der New- Worker Gesellschaft das beste Einvernehmen. Bon allen Seiten werden die größten Anstrengungen gemacht für das Wohl, der Einwanderer zu sorgen und man sieht es den Flüchtlingen an, wie dankbar sie. für jedes freundliche Wort, für jede gute That sind. Daß so ein großes Unternehmen mit großen Schwierigkeiten .verbunden. ist,; versteht, sich von selbst. Daß aber diese Schwierigkeiten bestmöglichst gelöst werden, dafür bürgt die. Thätigkeit und Tüchtigkeit der New- Worker Gesellschaft und das allgemeine Interesse, welches den Nothleidenden von allen Seiten entgegengebracht wird. Hier gilt abeu in erster Linie das alte Wort des berühmten Generals; wie für den Krieg, so. auch für das Werk der Auswanderung sind drei Sachen nöthig: „Geld, Geld und abermals Geld!" Ein Zwischenfall. In dem großen tragischen Drama, welches sich für die Hälfte , des ganzen jüdischen Stammes in Rußland abspielt, hat sich ein Zwischenfall ereignet, den zu beachten und die Consequenzen daraus zu ziehen, unsre Pflicht, ist.. Im Laufe der Weltgeschichte wiederholen sich nicht selten Situationen, wenn auch unter verschiedenen Umständen; der darin enthaltene Gedanke aber ist derselbe. Unsre. Leser , müssen es daher, gestatten, wenn wir hierbei , um fast ein halbes Jahrhundert zurückgreifen.; v Als wir im Jahre 1837 den ersten Aufruf zur Gründung einer jüdisch - theologischen Fakultät veröffentlichten, wurde derselbe von den bedeutendsten deutschen und französischen Blättern (z. B. dem Journal des D4bats) in zustimmendster und wohlwollendster Weise begrüßt. Ueberall jedoch wurde die Bemerkung hinzugefügt, daß die Ausführung dieses Planes ja gar, keine. Schwierigkeiten habe, da die Familie v. Rothschild von ihren großen Reichthümern gewiß gern die verlangte Summe von.. 100,000 Thalern beisteuern werde. Wir waren damals genöthigt, dieser Bemerkung öffentlich entgegenzutreten, da auch nicht die geringste Hoffnung vorhanden war, auf diesem Wege.den Plan verwirklicht zu sehen. Es währte noch mehrere Jahrzehnte, his der Gedanke realifirt wurde, so daß wir in Deutschland, jetzt drei solcher Lehranstalten. besitzen, die aber von der Familie Rothschild nicht einen Pfennig zu ihrer Begründung und Erhaltung empfingen, obschon in jenen die verschiedenen. Richtungen der jüdischen Theologie vertreten sind. . Aber es kam noch schlimmer. Wer die damaligen Vorgänge keunt, weiß, wie heftig die Kämpfe um die bürgerliche Gleichstellung in -mehreren europäischen Staaten, besonders aber. iu Preußen und. den übrigen deutschen Ländern waren, . ' - ' . 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