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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-06-20 · Heft 25 (20.6.1882) · p. Seite 402

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 25 (20.6.1882)
Date
1882-06-20
Page
Seite 402 (sequence 2)
Language
German
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Ländern gastfreundliche Aufnahme/ -Als im Westen - und mittleren Europa die Juden grausam verfolgt wurden, ließen die Polen in ihren ausgedehnten Ländern , sie - sich - ruhig niederlassen. Es gab einzelne Päpste, Bischöfe und Geistliche, welche ihre unduldsamen Zeitgenossen an die Gesetzen der Sittlichkeit und Menschenliebe erinnerten. Als die bigotte Kaiserin Maria Theresia die Juden aus den Erbländern vertreiben wollte, richteten mehrere Herrscher Gegenvorstellungen an sie. Dies aber war Alles. Unsrem Jahrhundert war es Vorbehalten, den erneueten mitttelalterlichen Barbareien entschieden entgegenzutreten und durch kräftiges Wort und Lhün ihnen einen Damm vorzuschieben. Ist es - doch unleugbar, daß die europäische Mißbilligung selbst auf Rußland eingewirkt hat. Allerdings lag es auch tri den obwaltenden Verhältnissen, daß die obersten Lenker der europäischen Staaten bei der russischen Staatsregierung Ginsprache nicht erheben mochten oder konnten. Zwar der Vorwand, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten nicht einmischen zu dürfen, ist durchaus eitel, da man sich niemals zurückhielt underst in diesen Tagen sich nicht zurückhält, in - die inneren Angelegenheiten schwächerer Staaten einzügreisen und selbst Gewaltmittel zu brauchen. Aber man wüßte, daß dWlMifche VvrsteÜringeN in Rußland höflich oder unhöflich abgöwiesen würden, und etwa eine kriegerische Äwn völlig unthünlich sei. Ilm so leuchtender ist ds, bäß durch alle Länder hindurch Üus deN Verschiedensten Kreisen offen, und unumwunden die schändlichen Verfolgungen Hebrandmarkt und mit dem Fluche der Schmach Und der Verschuldung belegt wurden: Dies Machte sich denn selbst in Rußland fühlbar. Die gefammte russische Presse, Nt Ausnahme eines einzigen, Jgnatiew, so länge er am Ruder ist, getreuen Organs , trat gegen die Excesse des Volkes und "gegen das Verfahren der Regierung entschieden auf, so sehr, daß der Minister des Innerensich gedrungen fühlte, dieser Presse in allen die Juden'betreffenden Angelegenheiten Stillschweigen zü gebieten, ein beredtes Zugeständniß der eigenen Schwächen. Aber diese russische Presse hatte, wiederum mit geringer Ausnahme, zu viele Jahre hindurch den Judenhaß gepredigt, und das Unheil angefacht, als daß die Wendung, die sie jetzt eingeschlägen, nicht zu einem großen Theile ihrer Wahrnehmung zuzuschreiben wäre, wie'sehr Rußland iU den Augen der übrigen Welt herabgesetzt, i'solirt und als ein der Zersetzung und dem Verfalle anheimgegebener Staat angesehen würde, und welche Schädigung hieraus Rußland in allen, auch den materiellen Beziehungen zu Europa erleide.; Ja, die. russische Regierung selbst sah sich gedrängt, einen Ukas zu erlassen, der jenen Eckeuten die schärfste Ahndung androhte. Warum that sie dies jetzt nach Jahrelanger Duldung und Nachsicht gegen die Plünderer und Mötder? Doch nur, weil sie sich vor der Stimme Europas und vor dem Wiederhall derselben imeigenenSanbe flfidjtenunb eine Ausrede bei der Hand haben wollte. Thatsächlich scheinen denn auch diese Pöbelaufstände aufgehört zu Haben. Aber man greift zu einem anderen Mittel' der Verheerung, zu den'Feuersbrünsten. Solche sind in Rußland im Sommers jedes Jahr sehr häufig. Gegenwärtig finden sie aber nur in Städten statt, wo viele Juden wohnen, und gerade nur in den Vierteln, wo diese ihre Wohnungen haben. An mehreren Orten kam man auch den Agitatoren auf die Spur, welche-zur Brandstiftung anreizten. In vielen Fällen benahm sich Polizei und Militär in ruchloser Weise gegen die armen jüdischen Abgebrannten. . Man kann also nicht verkennen, daß diese Feuersbrünste eine Fortsetzung jener barbarischen Verfolgungen sind. ' Wir aber können diese Manifestationen Europas und Amerikas als einen Beweis ansehen, daß die Menschenverbrüderung doch kein leerer. Wahn, daß die Solidarität aller Menschen auf dem Boden der Humanität und des Rechtes wirklich vorhanden ist, daß das Gebiet, auf welchem sich Barbarei und Bestialität geltend machen können, immer eingeschränkter und umgrettzter 'werden wird. Wir sind berechtigt, die Hoffnung zu hegen, daß in den Ländern, wo die Menschenliebe und Menschenwürde sich auch" für uns so. schön verlautbar machte, die Gleichberechtigung in -allen Beziehungen des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens aus Rassen- und Confessionshaß niemals gestört und verletzt werden wird. So find durch alle diese Vorgänge'die edleren Empfindungen, und die - höhere Gesittung gestärkt und sicherlich die Gegner derselben zurückgedrängt worden. Die jüdische» Einwanderer in Amerika. Die „V. Z." enthält folgende interessante PrivatMittheilung aus New-Aork vom i5. Mai: Die Hier und in den größten Städten der Vereinigten Staaten veranstalteten Sammlungen für die aus.Rußland vertriebenen Juden haben bis jetzt überall einen glänzenden Erfolg gehabt , doch müssen dieselben' fortgesetzt werden, da die massenhaften Einwanderungen immer neue ungeheuer große Summen erheischen. Die Unterbringung ünd die Beförderung der hiev UnkomNrenden geschieht in einer systematischen und geschäftsmäßigen Weise. Es hat sich zu diesem Zwecke in - New-Aork vor einigen Monaten eine' Gesellschaft gebildet, dieHedretv LmiZräut Aid Society,1 die es sich zur Aufgabe gemacht hat,; für dieEinwanderer zu sorgen. Diese Gesellschaft steht in enger und /beständiger Verbindung mit den Comttcs in den verschiedenen Städten. Siel Hai' für ihre Zwecke ein großes Gebäude auf der 'in unmittelbarer Nähe' von New-Iork gelegenen Insel Wards Island gemiethei, wo ungefähr 350 Personen ein Unter-

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