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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-06-13 · Heft 24 (13.6.1882) · p. Seite 391

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 24 (13.6.1882)
Date
1882-06-13
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
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doch nicht so groß, um ernsthafte Besorgnisse einzuflößen.) Selbstverständlich wird dadurch eine Lage herbeigeführt, welche selbst bei der so überaus wohlwollenden österreichischen Regierung Bedenken erregen muß. Die Presse meldet aus Lemberg vom 30. Mai: Hier eingetroffenen Nachrichten zufolge kam es gestern abends in Brody zu bedauerlichen Ausschreitungen. Die ausgewanderten russischen Inden rotteten sich zusammen und verlangten stürmisch Geld zur Weiterreise oder genügende Nahrung. Schließlich blieb nichts übrig, als die Wache zu holen und einige Verhaftungen vyrzunehmem — Die N. Fr. Pr. meldet: Die Vorgänge in Brody veranläßten den Statthalter Grafen Potocki, die Regierung besonders auf die drohende Gefahr aufmerksam zu machen. Graf Potocki betonte die Nothwendigkeit staatlicher Fürsorge, da die Auswanderung einen solchen Umfang angenommen Habe, daß die Privatunterstützung nicht mehr ausreiche. Bon Vorstellungen in Petersburg verspricht sich die Regierung, keinen Erfolg, da Jgnatiew bereits wiederholt erklärte,, alles zum Schutze der Juden Nöthige veranlaßt zu haben und daher die Panik der Juden unbegreiflich finde. Uebrigens stehe es Oesterreich frei, durch einen Cordon den Zuzug zu verhindern. Graf Potocki war bemüht, der Regierung den vollen Ernst der Lage darzustellen. Es finden im Ministerium des Äeußern und im Schoße der österreichischen Regierung diesfalls Berathungen statt, und es ist nicht ausgeschlossen, daß neuerlich in Petersburg Beschwerde erhoben wird. ’. V . lieber den oben bemeldeten Vorgang wird ausführlicher berichtet: Nach einer Meldung aus Lemberg ist die von dem Delegirten des Lemberger Hilfscomites für die aus Rußland emigrirenden Juden am gestrigen Tage in Brody begonnene Reconsignation der Flüchtigen durch das tumultuarische Auftreten der Letzteren gestört worden. Da sich die Organe der lokalen Polizeibehörde zur Herstellung der Ordnung als unzulänglich erwiesen, hat die Bezirkshäuptmannschaft von Brody auf telegraphischem Wege militairische Unterstützung requirirt, welchem Verlangen zufolge 50 Soldaten nach dem Schauplatz der Ruhestörung abgingen. Durch diese Maßregel erscheint die Ordnung wieder gesichert und ist eine weitere Ausschreitung nicht zu besorgen. Es sind deshalb auch Schritte bei der k. k. Regierung geschehen.- Aus Wien vom 1. Juni wird gemeldet: Der Rabbiner Löwenstein von Lemberg wurde gestern von dem Grafen Kalnoky in Audienz empfangen und schilderte demselben die unglückliche Lage der aus Rußland ausgewanderten Inden. Der Minister gab seine große Theilnahme zu erkennen und erklärte, daß alles, was in seinen Kräften-stehe,! geschehen werde, um weiteren Mißständen dieser Art vorzubeugen. — Ferner: Der Kaiser empfing heute den Oberrabbiner von Lemberg , Löwenstein, und gab demselben die Versicherung, daß er den bedrängten, aus Rußland flüchtenden Juden, soweit es ihm möglich sei, seine Hülfe nicht entziehen werde. (Näheres in nächster Nummer.) Deutschland. ' Berlin, 31. Mai. Einer auch in dieses Blatt übergegangenen Angabe gegenüber, äußert sich die „Köln. Ztg. ": „Die Angabe in Betreff Einsetzung einer Ministerialcommission zur Ueberwachung der Durchzüge russischer Juden (der Opfernder russischen Judenverfolgungen) durch Berlin ist ungenau. Es ist für eine derartige Einrichtung hier gar kein. Bedürfniß vorhanden. In Oesterreich mag das eher am Platze sein, wo die Möglichkeit einer Masseneinwanderung naheliegt , und zu Unzuträglichkeiten aller Art führen kann. Hier bei uns handelt es sich nur um Beförderung dieser Unglücklichen von einem Bahnhof zum anderen Und etwa um einen Aufenthalt von einem oder einigen Tagen.- Gänzlich unrichtig ist die Darstellung, daß sich die Züge der Auswanderer zum Theil aus gewerbsmäßigen Bettlern, Arbeitsscheuen u. s. w., welche mit den eigentlichen Judenhetzen gar nichts , zu thun gehabt hätten, zusammensetzen./ Die Comitös achten scharf und streng darauf, daß der Nachweis über wirkliche Noth durch Beraubung u. s. w. geführt werde, und schließen jeden von Unterstützung aus, der diesen Nachweis zu führen außer Stande ist." Berlin, 3. Juni. (Privatmitth.) Zu der von uns gegebenen Notiz über die Kriminalstatistik in Preußen im Jahre 1881 haben wir noch eine andere aus den Arbeiten des statistischen Büreaus hinzuzufügen, welche ebenfalls ein für die Juden sehr günstiges Resultat constatirt und wiederum bezeugt, wie lügenhaft die antisemitische Behauptung von dem großen Procentsatz war, mit welchem die Juden an den Verbrechen betheiligt wären. Nämlich dem Religionsbekenntnisse nach wurden verurtheilt 80,323 Katholiken (0>88 pCt. aller Vorhandenen), 130,056 (0,74pCt.) Evangelische, 2379 (0,g8 pEt.) Juden und 236 (1,08 PCt.) sonstigen Glaubens. — Die Sammlung für die russischen Juden betrugvom 20. bis 27. Mai Mark 47,439, zusammen Mark 361,738, wovon die Börse Mark 100,215 gezeichnet hat. Bonn , 1. Juni. (Privatmitth.) In Nr. 15 der in Löbau erscheinenden „Jsr. Lehrer-Zeitung" hat Herr A. Treu

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