Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1882)
- Date
- 1882-06-13
- Page
- Seite 392 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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392 MDHWWW einen längeren Artikel gegen einen Satz in Nr. 18 dieses Blattes veröffentlicht. Wir sind nicht gesonnen, deshalb in eine Polemik einzutreten, obgleich Herr Treu sich eines Ausdrucks bedient, den zu gebrauchen ihm nicht zusteht. Auf einem Boden, auf welchem gemeinsame Interessen zu verteidigen und zu fördern sind , polemisiren wir nicht- . Genug , wir konnten nicht ganz stillschweigen, wenn ein Lehrer die jüdischen Gemeinden aufs Aeußerste bloßstellt , und mußten daher darauf-Hinweisen, daß es auch Lehrer giebt, welche ihrerseits die Schuld an den Mißständen tragen. Hiermit konnte sicherlich nicht der gaüze Lehrerstand gemeint sein, um Herrn Treu eine wirkliche Veranlassung zu geben, den Lehrerstand uns gegenüber zu vertheidigen. Wer, wie wir, seit 1833 für Schule, Unterricht und Lehrer gearbeitet und gestritten hat, sieht über dergleichen Unzukömmlichkeiten ruhig hinweg. Minden i. W., 28. Mai. (Privatmitth.) Auch hier ist auf Anregung des Herrn Prediger Liepmannssohn ein Aufruf zur Unterstützung unserer verfolgten russischen Glaubensgenossen/unterschrieben von angesehenen Männern christlicher ünd jüdischer Eonfession, in den Lokalblättern veröffentlicht worden. Bis cheule ist eine recht erfreuliche Betheiligung seitens der Bürgerschaft zu verzeichnen. Hamburg, 29. Mai. Die Zahl der aus Rußland vertriebenen Inden nimmtin erschreckender Weise zu und hat allein die neue Linie Morris L Co. in diesem Monat über 2000 Juden befördert. Unter diesen Umständen ist von dem hiesigen Unterützungscymite ein vollständiger Dienst durch Bildung eines „Assistentencomitös" geordnet worden, welches die Vertriebenen am Berliner Bahnhof in Empfang nimmt und sie in die Auswandererhäuser, resp. an's Schiff bringt. Hamburg , 31. Mai. (Privatmitth.) Zu Gunsten der russischen Flüchtlinge sind infolge des erlassenen Aufrufs bis jetzt 91,374 Mark eingegangen. Man sucht auf möglichste Weise der Sammlung förderlich zu werden. So hat man einen Büzar zu errichten empfohlen. Der Redakteur des „Hamb. Fremdenbl.", vr. Arnold Weiße, der schon so oft zu Gunsten unserer Glaubensgenossen eingetxeten ist, hat ein warmgefühltes, zu Gaben aufforderndes Gedicht in der Sonntagsnummer seines Blattes gegeben. Altona', 27. Mai. (Privatmitth.) Auch unsre Stadt hat sich der glänzenden Reihe derer angeschlossen, in welchen ein Eomits aus den hervorragendsten Persönlichkeiten zusammengetreten ist, und in einem „Aufrufe" mit einem Proteste gegen die russischen Greuel die Aufforderung zu Gaben veröffentlicht hat. Die Unterzeichner sind: Bürgermeister Adickes, Etatsrath Dr. G. F. Baur, Franz Beckmann, vr. E. Berlien, Pastor Biernatzki, I. F. Björnsen, F. W. Döbereiner, Johannes Dubbers, vr. C. Erdmann, Commerzienrath B. Geske, Staatsanwalt Groschoff,'Rechtsanwalt I. Heymann, H. W. Lange & Cm, Ad: Lehmkuhl, Oberrabbiner vr. Löb, I. H. Löwenhagen ,- Otto Meyer, Generalarzt a. D. Dr.' Niese, Theodor Reincke, N. Samson, I. D. Schütt, Georg Semper, Rechtsanwalt C. Sieveking, F. H. Schmidt, Sanitätsrath vr. Wallichs, Justizrath M. Marburg, W. S. Marburg, Landgerichts-Präsident' Witt. ' " Bromberg, 31. Mai. Neuerdings hat sich auch hier ein Comitä zur Unterstützung der aus Rußland vertriebenen Juden gebildet. Äußer' mehreren Stadträthen gehört dem Comitö der größte Theil der Stadtverordneten re. an. Äüfgefallen ist es, daß unsere beiden Bürgermeister, die' Herren Bachmann.und Peterson, des an sie gestellten Ersuchens ungeachtet, den Beitritt zu diesem Cornito abgelehnt haben. Königsberg i. Pr., 27. Mai. (Privatmitth.) Auch, hier ist ein Comitö zur Unterstützung der russischen Flüchtlinge zusammengetreten, welches einen energischen „Aufruf" gestern erlassen hat. Da wir hier der russischen Grenze so nahe sind, so möchte eine Stelle dieses Aufrufes hier mitgetheilt werden, da sie ein besonderes Gewicht besitzt: „Ermuthigt durch Maßregeln, welche die Juden von Haus und Herd jagen und sie erwerbsunfähig machen, wird der Pöbel zum Plündern geführt, werden'Raub, Mord, Brandstiftung und' noch gräßlichere Verbrechen vollbracht. Millionen Menschen sind , rechtlos gemacht. Tausende' und Tausende der letzten Habe beraubt, von Haus und Hof vertrieben, suchen in massenhafter Flucht Rettung. Ihnen die helfende Hand zu reichen, rüsten sich in der ganzen civilisirten Welt Alle, die für den Jammer ein Herz und für die Ehre der Menschheit eine Empfindung haben. An dem Hilfswerk für die verfolgten Juden haben alle civilisirten Völker gleiches Interesse; Jedermann, ohne Unterschied des Glaubens, des Standes und Ranges, ist berufen, Hilfe zu bringen. In diesem Sinne, unterstützt durch das Vertrauen vieler angesehener Männer in unserer Stadt und Provinz, erlassen wir unfern Aufruf, zur Rettung der Unglücklichen beizutragen.' — Große Geldmittel sind nöthig, um dem Andrange der Flüchtigen ans jenen Unglücksgegenden auch nur einigermaßen wirsam entgegenzukommen. Aber auch die kleinsten Summen sammeln sich leicht zu einem Betrage zusammen, welcher es ermöglicht, die Existenz ein es Menschen . oder einer Familie zu retten. Drum steuere' ein Jeder nach seinen Kräften bei." Das Eomitö besteht aus folgenden Herren: Oberbürgermeister Selke, Vorsitzender. Stadtverordneten-Vorfteher Commerzienrath Weller, Stellvertreter! vr. Bamberger, Rabbiner. Liedtke, Pediger. v. Saucken-Tarputschen, Landes-Direktor. vr. Simon. Stellter, Juftizratch vr. Albrecht, Direktor der Gewerbeschule. Prof. vr. Bauer, Prorektor der königl. Albertus-Universität. vr: Bender-EatharineNhof. Brauch Bürgermeister. Burdach, Landgerichtsrath. vr. Eynthius, Sanitäts -Rath: Vr. Dahn, Professor.' Dinder, Probst und Dekan, v. Dry» galski. Gymnasial- Direktor. Otto Ehlert, Kaufmann.-' V^.