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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-06-06 · Heft 23 (6.6.1882) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 23 (6.6.1882)
Date
1882-06-06
Page
Seite 378 (sequence 10)
Language
German
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betreten und die vom Comitö gesammelten reichen Erfahrungen zur Verhütung eines großen Unglückes ausnutzen. Bald schon werden alle Mittel und Kräfte nicht mehr ausreichender heutige Stand der Emigranten beziffert sich auf zwölftausend Köpfe. ~ Pest, 23. Mai. (Privatmitth.) Die Petition der Szatmarer Komitats wegen Verhinderung der Einwanderung russischer Juden, welche, wie verlautet, von einem Juden in Szatmar angeregt und von mehreren Komitaten unterstützt worden ist, als man erwartete, wurde in der gestrigen Sitzung des Petittons- Ausschusses berathen. Der Ausschuß stellt den Antrag: Das Haus wolle erklären , daß es im Hinblick auf die Verfügungen der zu Recht bestehenden Gesetze die Notwendigkeit legislatorischer Verfügungen nicht erblicke, gleichwohl aber die Aufmerksamkeit der Regierung auf die vom Gesichtspunkte der öffentlichen Sicherheit und Sanität etwa nothwendig werdenden administrativen Maßnahmen hinlenken wolle.— Die Petition wird im Abgeordnetenhaus wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen zur Berathung gelangen und steht eine fulminante Rede des Herrn Jstoczy in Aussicht. Der Jude muß doch immer und überall angefeindet werden! In der vor einigen Tagen in Wien abgehaltenen General- Versammlung des Deutschen Schulvereins wetterte ein Redner darüber, daß die Juden bisher so wenig für den Deutschen Schulverein gethan und in der gestrigen Sitzung des ungarischen Abgeordnetenhauses erklärte ein Abgeordneter die Juden in Ungarn für „die Apostel der Germanisation." Faktisch stehen die Juden in Ungarn der Germanisation sehr fern. Das zeigte sich deutlich in den jüngsten Wochen. An der Spitze der Volksversammlungen, welche gegen die Enunciationen des Deutschen Schulvereins protestirten, standen fast überall Juden, und Herr Körösi hat erst neulich statistisch nachgewiesen, daß die große Mehrzahl derer, welche ihre Namen magyarisiren, Juden sind. — Auf Bitte der orthodoxen Juden hat der ung. Finanzminister bewilligt, daß die jüdischen Tabakfabrikanten am Samstag und an den jüdischen. Feiertagen ihre Läden geschlossen halten dürfen. Aus Böhmen, 26. Mai. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir, die Namen derjenigen unserer verdienstvollen Glaubensgenossen, welchen wegen hervorragender Tapferkeit bei den Kämpfen in Süddalmatien vom Sr, Majestät dem Kaiser von Oesterreich Ordensdecorationen verliehen wurden, durch Ihre vielgelesene Zeitung bekannt zu geben und zwar: Mit dem Militärverdienstkreuz: Oberlieutenant Emil Winternitz des 14. Infanterieregimentes. Mit der silbernen Tapferkeitsmedaille: der Feldwebel Josef Eckstein des 1. Infanterieregimentes, der Infanterist Nachmann Melzer des 9. Infanterieregimentes, der Infanterist Moritz Popper des 71. Infanterieregimentes, die Gefreiten Moses Methbauer und Marcus Hauser, die Infanteristen Moses Münz und Löb Goldfischer, sämmlich vom 77. Infanterieregimente, der Jäger Herschmann Winternitz vom böhmischen Jägerbataillone Nr. 6, die Vormeister (Gefreite) der Artillerie Gabriel Mandel und Jakob -Basch und der Gensdarm.Eduard Kohn. Dieselben reihen sich würdig den nach vielen Hunderten zählenden decorirten österreichischen Israeliten aus früheren Feldzügen an, und bilden einen erneuerten Beweis, daß der Jude punkto getreuer Pflichterfüllung und. Tapferkeit hinter keinem anderen Glaubensbekenner zurücksteht. Lemberg, 2^. Mai. (Orig.-Telegr.) Der gestrige, achte Emigrantentransport aus Brody betrug 533 Personen, 202 Männer, 158 Frauen, 173 Kinder. In Brody wird die Situation angesichts der sich unablässig mehrenden Zahl der Hilfesuchenden eine immer traurigere. Es wird neuerdings behauptet, die Regierung werde sich zu gewissen Maßnahmen an der Grenze veranlaßt sehen, wenn nicht seitens des Hilfscomitss rechtzeitig eine entsprechende Vermehrung der Hilfsmittel ermöglicht' wird. Serajewo, (Bosnien) 24. Mai. Bei der heute stattgefundenen ersten Assentirung wurde ein Kontingens von 20 Mann assentirt, und zwar 8 Mohamedaner, 5 Orthodoxen, 4 Katholikin und 3 Israeliten. Italien. ' Rom, 10. Mai. Man schreibt von hier: Papst Leo XHI hat anläßlich der Lage der russischen Juden eine Encyklika an jene römisch-katholischen Bischöfe erlassen, welche entweder im Lande der Verfolgten Wohnsitz haben oder den Auswanderern Vorschub leisten können. Die Encyklika fordert die Bischöfe auf, ihren Gemeinden christliche Nächsten-. liebe an's Herz zu legen und besonders dafür zu sorgen, daß kein Katholik an der Judenverfolgung theilnehnie. (Diese Nachricht, die, wenn sie sich bestätigt, von großer Bedeutung wäre, ist bis jetzt nur von Blättern secundärer Art gebracht worden, während die großen Zeitungen darüber schwiegen. Red. d. A. Z. d. Jud.) Portugal. Lissabon, im Mai. (Privatmitth.) Das rituelle Schächten, welches , seit einem Viertel Jahrhundert von Zeit zu Zeit in verschiedenen Staaten Gegenstand öffentlicher Besprechung ist, wird demnächst auch die Cortes beschäftigen. Auf die in Lissabon gegen das Schächten erhobene Anklage sollen die Cortes darüber entscheiden, ob das Schächten Thierquälerei ist. Hoffentlich werden die Gutachten, welche Herr Dr. Kays erlin g eingeholt und in seiner Schrift „Die rituale Schlachtfrage" gesammelt hat, auch die portugiesischen Cortes bestimmen, über die Frage zur Tagesordnung zu gehen.

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