Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1882)
- Date
- 1882-06-06
- Page
- Seite 377 (sequence 9)
- Language
- German
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Deutschland. Berlin, 23. Mai.- (Privatmitth.) Das hiesige Central- Comitö veröffentlicht die Liste der Beiträge, die vom 9. bis 20. Ma i bei ihm eingelaufen. Es' sind bei Delbrück, Leo & Co. M. 65,746, Frege LCo. M. 4,063, Plathe & Wolff M. 29,420, an der Fondsbörse M. 84,590, an der Produktenbörse M. 45,625, zusammen M. 199,445. Allerdings sind darunter auch die Spenden vieler auswärtigen Gemeinden, z. B. Posen mit M. 22,000. Daß sicher noch viele Gaben einlaufen müssen und werden, ist ersichtlich. — Wie es heißt, soll eine Ministerial-Commission (aus' Vertretern der verschiedenen zuständigen Ministerien) zur etwaigen Wahrnehmung der staatlichen Interessen gegenüber den russischen Flüchtlingen mit der Ermächtigung unmittelbar zu fällender Entscheidungen eingesetzt werden. (Daraus , erhellt, daß sich bis jetzt auf der preußischen Grenze noch nichts belästigendes gezeigt hat.) —Die amtliche Statistik der preußischen Strafanstalten pro 1. April 1880—1881 constatirt: Dem Bekenntnisse nach waren 59,85 Proz. (59,48 Proz. im Vorjahre) evangelisch, 39,03 (39,11) Proz. katholisch, 1,08 Proz. (1,35 Proz.) jüdisch. Auf je 1000 Köpfe kamen bei der evangelischen, Bevölkerung 0,31 (0,28) Zucht-, 2 Hausgefangene in Zugang, bei der katholischen 0,39 (0,35), bei der jüdischen 0,27 (0,31) Proz., so daß also das Verhältniß sich sehr zu Gunsten der jüdischen Bevölkerung geändert hat. Hierbei muß beachtet werden, daß das Verhältniß der jüdischen Bevölkerung 1,33, also das der jüdischen Gefangenen zu 1,08 bedeutend geringer ist. — — Das Berliner Verpflegungs-Comito für die russischjüdischen Flüchtlinge hatte an den Berliner Asyl-Verein für Obdachlose die Bitte gerichtet, ihm für die täglich durchreisenden Flüchtlinge in beiden Asylen eine Anzahl Betten, sowie die Badeanstalt mit Desinfectionsofen des Männer- Asyls zur Verfügung zu stellen. Der Vorstand des Berliner Asyl-Vereins für Obdachlose ist diesem Wunsche bereitwilligst nachgekommen. Hamburg, im Mai. (Privatmitth.) Die hiesige Portugiesisch-Jüdische Gemeinde, eine der ältesten portugiesischen Gemeinden, wird sich demnächst aus Mangel an Mitgliedern auflösen. und beabsichtigt dieselbe^ das nicht unbedeutende Vermögen zu einer wohlthätigen Stiftung zu verwenden. Hamburg, 23. Mai. (Privatmitth.) Auch hier ist ein Comitö zu Sammlungen für die russischen Juden aus allen Consessionen und Ständen zusammengetreten, und hat einen „Aufruf" erlassen. Es heißt in demselben: „Hamburg, das bei jedem Werke der Humanität und der Mildthätigkeit in hervorragender Weise, sich betheiligt hat, wird auch bei diesem Anlasse nicht zurückstehen wollen, zumal unsere Stadt als Hauptdurchgangspunkt der zahlreichen, der neuen Welt zustrebenden Flüchtlinge in der Lage ist, von der herrschenden grenzenlosen Noth aus eigener Anschauung sich zu überzeugen, aber auch im Stande ist, die unmittelbarste und wirksamste Hülfe zu leisten." Die Namen der Unterzeichneten sind: W. Amsinck, L. Behrens L Söhne, Banquier, B. M. Behrendt & Co., Banquier, F. W. Burchard, Consul, Direktor Dr. K. Friedländer, Dir. der Realschule, Friedr. Glitza, Schulvorsteher, Joh. Berenberg Goßler & Co., Direktor A. F. Götting, Dr. Gerhard Hachmann, Präs. der Bürgerschaft, C. Hagenest & Arnold, Hesse, Newman & Co., Banquiers, M. W., Hinrichsen, Bankdirektor, Siegm. Hinrichsen, vr. Ph. Hirsch, vr. M. Jsler, Bibliothekar an Stadtbibl., F. F. Laeisz, Consul, vr. H. B. Levy, Arzt, Sally Lewisohn, Banquier, S. Lewisohn jr., Banquier, Arthur Lutteroth, Mitgl. d. Bürgerschaft, vr. H. May, Rechtsanwalt, H. I. Merck L Co., I. C. Richard Möring, ehem. Reichstagsabg., Rud. H. Möring, Director Ernest Müller, M. Nordheim & Co., Director P. Rauers, I. F. C. Refardt, Rossin & Friedländer, Rosenbacher L Co., Präsident vr. Fr. Sieveking, des Hanseat. Oberlandesgerichts, Philipp Simon, E. G. Vivis, Architekt, M. M. Marburg & Co., Conrad Warnecke, C. Woermann, I. Wolffson, vr. jn.r. ehemal. Reichstagsabgeord. Meiningen, 17. Mai. (Privatmitth.) Auf einen Aufruf vom Landrabbiner vr. Dessauer und dem israelitischen Gemeindevorstand zu Unterstützungen für die russischen Flüchtlinge liefen als erste Spenden: 150 M. von Seiner Hohe.it dem Herzoge Bernhard von Meiningen und 150 M. von Ihrer Hoheit her Frau Herzogin Marie ein. Dem edlen Beispiele folgten viele angesehene Persönlichkeiten. Oesterreich-Ungarn. Wien, 19. Mai. Der „Pr." wird aus Brody gemeldet: „Das hiesige Comite znr Unterstützung der flüchtigen russischen Juden mit seinem unermüdlichen Präsidenten Heinrich Nirenstein ) der mit wahrer Aufopferung seit acht Monaten für die Emigration der russisch-jüdischen Flüchtlinge rastlos thätig ist, hat gestern seine Auflösung erklärt, weil seine auf Erfahrung basirten Vorstellungen' bei den Central - Comites in London und Berlin wegen raschen und energischen Vorgehens zur Bewältigung des hiesigen unabsehbaren, stündlich anwachsenden, eine Katastrophe bedrohenden Zuflusses erfolglos bleiben. Es ist dringend geboten, daß Delegirte aus London und Berlin, mit unumschränkten Vollmachten versehen, den hiesigen Schauplatz des schrecklichen Elends rasch