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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-06-06 · Heft 23 (6.6.1882) · p. Seite 374

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 23 (6.6.1882)
Date
1882-06-06
Page
Seite 374 (sequence 6)
Language
German
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des Innern, nach Petersburg berufen worden, am 27. April beschlossen habenan die russische Gesellschaft folgende, auch vom „Golos" und anderen Blättern veröffentlichte Erklärung zu richten: „Mittelst Ukases des Dirigenten-Senats vom 21. Mai 1786 wurde vorgeschrieben, daß behufs Steuerrepartirung und Aufsicht darüber, daß die russischen Juden ihrer staatlichen Steuerpflichtigkeit Nachkommen, in jeder jüdischen Gemeinde ein aus drei bis. fünf Personen bestehender Aufsichtsrath eingesetzt werde unter dem biblischen Titel „Kahal", d. h. öffentliche Versammlung. Mittelst Allerhöchsten Ukases vom 19. Dezember 1844 wurde die Institution des Kahals überall aufgehoben, außer in Riga, in einigen Städten Kurlands und für die Karaimen. ' Aber trotzdem erhält sich auch jetzt noch, die boshafte Verleumdung, daß inmitten der russischen Juden eine geheime Kahal-Jnstitution besteht, die mit verschiedenen ungesetzlichen Mitteln die Abgeschlossenheit und Sonderstellung der Juden zu erhalten und den Juden zur Erreichung verschiedener, anderen Bevölkerungsklaffen feindlichen Ziele behilflich zu sein suche. . In der Hoffnung, dieser ganz grundlosen Verleumdung ein Ende zu machen, die sich ausschließlich auf gefälschte, von jüdischen Renegaten abgefaßte Dokumente stützt, halten es die Unterzeichneten Vertreter verschiedener Centren jüdischer Ansiedelungsgebiete in Rußland, Rabbiner, Mitglieder geistlicher und Synagogen-Verwaltungen u. s.. w. für ihre heilige Pflicht, Gott den Allwissenden zum Zeugen anrufend, öffentlich vor ganz Rußland zu erklären, daß es im Leben der russischen Juden weder eine öffentliche, noch eine geheime Kahal-Verwaltung giebt, daß dem Leben der Juden irgend eine derartige Organisation und alle ihr böswilliger Weise zugeschriebenen Attribute durchaus und ganz fremd sind." — Jeder Fernstehende muß sich da unwillkürlich die Frage -aufwerfen, haben denn die jüdischen Delegirten keine wichtigeren Objekte der Berathung gefunden , daß sie die kostbaren Augenblicke ihres Zusammenseins , einem unwichtigen Gegenstände, wie die der etwaigen Existenz eines jüdischen „Kahals" widmeten? Aber nein, derjenige, der mit unfern Zuständen vertraut ist, wird auch wissen, welche brennende „Frage" die des aus der Luft gegriffenen „Kahalsämtes" geworden ist. Damit hat es folgende Bewandtniß: Am Anfänge der daß die lateren nicht so große Räume mit einem Gegenstand füllen könnL^ wie jene, und 2. sind die Details hinsichtlich de . äußeren und ܧr inneren Znstände so.furchtbar, daß wir nicht imme diese düsteren Nkmälde in all ihren schreckenerregenden. Figuren un! Farben unseren «esern vorznführen uns entschließen können. - Jüngst erhielten w^r eine Corresp. aus Petersburg, deren Abfasse uns ersuchte, Ueber-^mnd Unterschrift genau wiederzugeben, und - von den paginirten Seinen fehlten die ersten vier, was angekomme' war, fing mitten in e^em Satze an, und aus der Mitte war ei Stück herausgeschnitten~ Redaktion. 70 er Jahre veröffentlichte ein getaufter Jude, Namens Brafmann, ein Buch in russischer Sprache, das. „Kahal" genannt wurde. Dieser Pfefferkorn II behauptete nun in diesem ge-' meinen Machwerke, das, beiläufig bemerkt, von der Wilnaer Administration protegirt und auf Kosten der Juden dem Drucke übergeben wurde, —. auf Grund gefälschter Dokumente, daß die Juden einengeheimen Bund bilden zur Exploitation der Nichtjuden und daß das „Kahal" seine Allmacht über christliches Gut ausübt u. m. -dergl. Ungeheuerlichkeiten ü. 1a Münchhausen. Man sollte nun glauben, daß.Niemand doch solchen Unsinn beachten würde; aber gerade das Entgegengesetzte traf ein. Die damals schon im Emporblühen begriffene judophobe Presse bemächtigte sich mit Heißhunger dieses Fundes und es entstanden neue Beschuldigungen der Juden, nämlich die der Exploitation und der Tyrannisirufig der Christen ... Umsonst schrieb dann Herr Schereschewsky seine treffliche Entgegnung in der „Nowoje Wremä" und später sein besonderes Werk „Ueber das Buch „„Kahal"" — umsonst wies man auf die augenscheinlichen Fälschungen im Brafmann'schen Machwerke*) hin; umsonst wies man nach, daß Brafmann nicht einmal der russischen Sprache mächtig war, und unwissende Jünglinge ihm - die Pseudotranslate aus dem Hebräischen verfertigten, umsonst — die Judophdben wollten einmal keine Vertheidigung der Juden hören! Zwar plante der derzeitige G.-G. von Wilna eine Beschränkung der Rechte der Juden, aber er vermochte nicht sein Vorhaben zu realisiren. Brafmann brachte es nur so weit, daß er Mitglied des „Comites zur Regelung der jüdischen Angelegenheiten" ward' und — vom jüdischen Gelde besoldet wurde. .Voilä tont! Aber es kamen andere Zeiten; die der „Krawalle" der „Commissionen" und der „Untersuchungen der Trunksucht" rc. Da, als die judenfeindlichen Blätter und die Ultrajudöphoben ihre Orgien und Bachanalien zu feiern anfingen, da wurde das Brafmann'sche Machwerk von Neuem ausgesucht! Das Wort „Exploitation" ward als „Devise" zur Vernichtung des jüdischen Elements und der „Kahals-Spuk" ging von Neuem los! Suworin, Osmidow, Pichno, Aksakow und ihre tutti-quanti witterten überall „Kahal." Die „Alliance isr.- univ.“, der ^Board of Deputies“, der „ Gemeindebund", der „Verein zur Verbreitung der Bildung" find nur Filialen des geheimen „Kahals." Kein Gesetz kann dieses Ungeheuer, das Kahal nämlich, beseitigen, — sagten die judophoben Journale. Das „Kahal" kauft unsre Beamte, beraubt unsre Habe, saugt unser Blut aus, — sagten die berüchtigten Commissionen. Das „Kahal" in Gestalt der jüdischen Reil So befindet sich dort ein Protokoll, das vom jüdischen Kahal am ersten Ostertage geschrieben sein sollte, welcher an einem Montag fiel, während doch bekanntlich no'D sein kann!!

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