Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1882)
- Date
- 1882-05-30
- Page
- Seite 364 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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derung aufreizen. Die Judenwmdeten sich an den Stanowoipristav (Bezirkspolizeileiter) um Schutz, dieser jedoch verbarg sich als Bettler verkleidet: - In das Judenviertel drang Nachts ein lärmender Haufe mit vermummten Gesichtern ein, stürmte ein Haus und mar eben im Begriff, die Zerstörung, desselben zu beginnen, als der Pseudobettler ein Pfeifensignal gab. Versteckte Polizisten umzingeln nun die Plünderer und nehmen sie .fest. Der Pristaw reißt dem.Führer, der Bande die Vermummung vom Gesicht und entgegen blickt ihm das wohlbekannte Gesicht eines Kollegen , eines Polizeibeamten. Untersuchungen über die vorjährigen Judenhetzen führten übrigens wiederholt auf Spuren polizeilicher Organisation der Tumulte." —Jgnatiew hat bis jetzt die nachgesuchte Erlaubnis;, für die beraubten Juden öffentliche Geldsamm- - längen zu veranstalten, trotz wiederholter Bitten nicht ertheilt. — Die Mitglieder der rationalistischen „Paschkowsekte" versammelten sich gestern Lei ihrem Propheten. Sie hielten Gebete ab für die Verschonung der Juden vor. Verfolgung und Plünderung; auch wurde ein namhafter. Betrag zur Unterstützung der Inden gezeichnet. Petersburg, 19. Mai. Die „Nowosti" melden, daß die Ertheilung von Handelslizenzen an Juden neuerdings.erschwert wird. Die Polizei verlangt Certificate, welche bestätigen, daß der,jüdische Bewerber in der Gegendwo er ein Geschäft eröffnen will , wohnen darf, und welche noch eine Erklärung enthalten müssen, aus welchen Gründen der betreffende Jude dort wohnen darf. . Amerika. New-Uork, im April. (Privatmitth.) Für denjenigen, welcher sich an der Entwickelung des Judenthums in Nordamerika interessirt, wird es von Bedeutung sein, zu beobachten,, daß sich dasselbe immer mehr zu einer gewissen Selbstständige keit entfaltet und daß mitten in dem bisherigen Strudel reformistischer Bestrebungen, die vielfach weit auseinanderliefen, sich doch etwas Positives herauszubilden beginnt. Als ein Beispiel hierfür führen wir Folgendes an. An die Bereinigung .jüdischer KultusLeamten in New-Uork (Ibe ^6^v- York Board of Ministers) wurde eine Anfrage über die Errichtung von Statuen und Büsten auf jüdischen Friedhöfen gerichtet. Das darauf erfolgte Gutachten theilen wir hier ohne weitere Bemerkung in wortgetreuer Uebersetzung mit. Frage. Ist: es dem jüdischen Glauben oder irgendwie der jüdischen Sitte und dem jüdischen Gefühl zuwider, Bilder oder Büsten auf. Friedhöfen zu errichten oder menschliche Köpfe auf Grabsteinen darzustellen? Antwort. — Das mosaische Gesetz verbietet, zu abgöttischen Zwecken Bilder zu machen oder- Säulen zü .errichten. - Inmitten der heidnischen 'Sitte unter , den Griechen und Römern .hielt die jüdische Sitte und Tradition Statuen und eingegrabene Bilder für sündig, selbst wenn sie nur zum Schmück dienen sollten.. (Josephus, Alterthümer, XV., 8:1: XVII., 6:2; Krieg II., 9. 2; 10: 4., Leben XII.) Nur die sadducäischen Fürsten wagten es> das Volksgefühl in. dieser Hinsicht zu. verletzen, (Jos. Alterthümer XII. 4:11.) \ " " In unseren Zeiten, wo der Vorwurf der Abgötterei äußer Frage kommt, haben mehrere moderne Reform-Rabbiner sich zu /Gunsten der Errichtung von Büsten und Statuen menschlicher Wesen ausgesprochen, sowohl' zum Zwecke künstlerischen Schmuckes, wie auch zur Ehre für große Männer, während andrerseits konservative Rabbis, streng dasselbe verbieten, sich stützend auf die Casuisten und die allgemeine jüdische Sitte - (Rosh Haschanali, 24; Abo da Zarali; 43’; Maimonides Accum, III., 10 :11; Yore Dea § 141,13 : 4, 6)i . Die Unterzeichneten Rabbiner erklären, obgleich an und für sich aus religiösen Gründen nicht gegen die Skulptur als eine Kunst und gegen ihre berechtigte Verwendung gesonnen, einstimmig die Errichtung von Büsten, Statuen oder. das Darstellen .von menschlichen Gesichtern ans Grabsteinen als widerstreitend mit der jüdischen Sitte, die in jedem Zeitalter bestrebt war, die größte Einfachheit und Keuschheit im Angesicht des Todes zu bezeigen und aufrecht zu erhalten. : Da ^die Friedhöfe jetzt immerhin dahin gelangt sind, als mehr oder weniger den bezeichnenden Charakter ihrer Eigenthümer ausdrückend betrachtet zu werden und da sie ferner angesehen werden als geheiligte Plätze zu Andachtsübungen in der Weise von Gebeten und Betrachtungen, ist es der eigenartigen jüdisch-religiösen Empfindung widerstrebend, Statuen, Büsten-, Medaillons oder Portraits an solchen Plätzen anzubringen. Unterzeichnet: Henry S. Jacobs. Dr. K. Köhler. H. P. Mendes. Dr. A. Huebsch. Dr. G. Gottheil. Dr. F. de Sola Mendes. . ' . Bonn, 21., Mai. (Notizen.) Am 25. April verstarb zu Paris eines der thätigsten Mitglieder des Eentralcomitös des All. isr. univ. B^ Allegri, in Rovigo der Großrabb. Mainster, der Großrabb. Jsäac Nabon in Tetuan, Männer von der segensreichsten Thätigkeit. — Der israel. Lehrerverein der Prov. Hannover wird' am 29. d. seine Jahresversammlung in Hildesheim abhalten. Auf dem Programm stehen mehrere Vorträge über sehr interessante Fragen. —In Turin ist Prof. Ghiron zum Oberrabbiner erwählt worden. — In Paris hatte .der Fiskus' eine Abgabe auf-die Mikweh gelegt, weil sie fürihre Bäder sich-honoriren taffe. - Das Consistorium ergriff Recurs, und" der Fiskus wurde abge-- wiesen, und mußte die bereits erhobene Summe zurückzablem — Der außerordentliche Professor in der philosophischen. Fakultät der Universität zu Breslau Dr, Caro ist zum. ordentlichen Prefe.ssor in derselben Fatultät ernannt worden.. \ (Für slavische Geschichte und Literatur). ' ' - -