Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1882)
- Date
- 1882-05-30
- Page
- Seite 363 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 1× ep/1000834
- Vilnius 1× ep/1000947
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Woche auszugeben, während Direktor Lazarus, der die hiesige Hilfsaktion leitet, die Expedition von 1000 Personen per Woche aus humanitären und 'sanitären Gründen für dringend geboten erachtet. — Aus Brody, 11. Mai, wird berichtet: Der Zuzug Flüchtiger aus Rußland war heute enorm, mit'der Bahn kamen etwa 900, auf Schleichwegen etwa 500 an; . hiezu über 600 aus Lemberg hieher Zurückbeförderte. Mit dem Bau eines Barackenlagers wird ehestens begonnen, vorläufig mußte die große Synagoge als Zufluchtsstätte erschlossen tberden. Heute Vormittags wurden dicht an der Grenze zwei jüdische Deserteure von Kosaken erschossen. — Lemberg, 13. Mai. Meldung der „Pol. Korr." : Die vorgestern in Brody vorgenommenen kommissionellen Erhebungen, haben ergeben, daß sich daselbst gegenwärtig 7000 jüdische Flüchtlinge aus Rußland befinden, welche Zahl jedoch von Tag zu Tag eine Zunahme erfahren dürfte, da die aus Moskau ankommenden Reisenden zahlreiche Kolonnen neuer Flüchtliyge signalisiren, die in Rußland auf allen Wegen nach Westen ziehen. Obwohl bie Anhäufungder Flüchtlinge im bisherigen Umfang noch keine sanitäre Gefahr für Brody und Umgebung invölvirt, da die durch die Aufhebung der Zollfreiheit, herbeigeführte Reduktion der dortigen Lokalbevölkerung einen bisher ausreichenden Raum für die neuen Ankömmlinge geschaffen hat, sieht man dennoch einer weiteren Vermehrung der Flüchtlinge auch in dieser Hinsicht mit um so größeren Besorgnissen entgegen, als eventuelle weitere Exceffe gegen die Juden nach Art derjenigen in Balta eine ganz enorme Zunahme der Emigration, der die russische Negierung absolut nichts in den Weg legt, nach sich ziehen und in diesem Falle allerdings ernste Kalamitäten im Gefolge haben würdet Das Hilfs-Konnte versucht jene Auswanderer, die nach ihrer Rückkehr nichts' zu befürchten hätten, zu repatriiren, wie denn auch -von den Opfern der vorjährigen Judenverfolgung im Laufe des Winters 763 repatriirt worden sind. Wiewohl voü den in Amerika.an gesiedelten Emigranten zahlreiche Briefe an ihre Schicksalsgenossen eingetroffen sink», indenen, Erste're der Ansiedlung jenseits - des Oceans unter lebhaften . Anpreisungen der amerikanischen Zustände das Wort sprechen, 'erklären dennoch viele der Flüchtlinge, daß fiebie eventuelle Transportirnng nach Palästina oder Bosnien vorziehen würden, weshalb sie zunächst das -Resultat der auf Ermöglichung der Ansiedlung in den genannten Ländern gerichteten ^Bestrebungen der .Hilfskonlitö -Delegirten Oliphant, Möntague und Ash er abwarten. - Das Elend einzelner Emigrantendas Zentral-Hilsskomite seinen Sitz aus England nach Berlin verlegen wird. / — Zahlreiche Korrespondenten englischer und französischer Journale sind hier heute auf der Durchreise nach Brody, wo sie die Verhältnisse der Juden-Auswanderung aus Rußland kennen lernen wollen, eingetroffen. Brünn, 14. Mai. Ein größeres Comits/bestehend aus den angesehensten christlichen Bürgern Brünns mit dem Bürgermeister Winterholler an der Spitze, veröffentlicht einen schwungvollen Aufruf zur Linderung der Roth der russischen Flüchtlinge. Rußland. Petersburg,, 13. Mai. In Börsekreisen kursirt das sensationelle Gerücht, Lippmann und Rosenthal in Amsterdam und Rothschild in London hätten der Diskontobank und dem Bankhause Meyer die Liquidation sämmtlicher russischen Geschäfte vorgeschrieben, weil die Situation Mißtrauen erregt. Ein ausländischer Diplomat äußerte, wenn Rothschild anstatt des Börsenkampfes mit Bontoux den Prinzipienkampf mit Rußland unter gleichen Opfern durchführen wollte, wären die-Judenverfolgungen in Rußland sofort erstickt und in Zukunft unmöglich. Die letztere Meinung «spricht sich aller Orten aus, ohne daß man die geringste Hoffnung hegt, daß das Pariser Haus Rothschild seine Beziehungen zu Rußland in etwas riskiren werde, und wenn alle Juden auf dem Spiele ständen. Man erinnert sich noch jener Zeit, wo Rothschild dem Papste Anlehen zu Gebote stellte, gerade als die Juden nach der. Wiederherstellung des Kirchenstaates (.1850) dem empfindlichsten Drucke wieder unterworfen wurden. Ist es doch eine verhältnißmäßig geringe Gabe (von 225,000 Frcs.), welche die Pariser Rothschild' dem großen Werke der Emigration gespendet haben. Erzählt man sich hier ja offen, daß die Rothschild in Paris es bis jetzt verhindert haben, daß alldort eine ^allgemeinere Kundgebung veranstaltet werde, so daß man sich begnügte, ganz im Stillen unter den Glaubensgenossen zu sammeln. Ob dies wahr oder nicht, weiß' ich nicht, aber zu hören bekommt, man es überall! .— Nachträgliche Untersuchungen über die Missethaten in Balta und anderen Orten haben das Odessaer Kreisgcricht veranlaßt, über des Raubes und vollbrachter Schändungen .Verdächtige endlich die Präventivhaft auszusprechen. — Die Emigration-der Juden aus. Odessa und Wilna nimmt täglich zu.' -■ ' , . Petersburg, 15. Mai. Aus Rußland meldet man einen Fall' von Judenhetze, -der die actioe Theilnahme der Familien, ist ungeachtet -aller heroischen Anstrengungen des Hilfskomitös -groß und die für die-Verpflegung der Fluchtlinge bisher wochmtÜch verausgabte Summe mußte, da sie sich, als unzulänglich erwies, - erhöht werden. Es heißt, daß . unteren Behörden evident herausstellt. Dasselbe lautete „Der deutschen „ Petersb. Zeitung"- wird aus Bjelestok berichtet, daß dort allgemeine Panik herrsche, und Tumulte gegen die Juden befürchtet .werden, weillverkleidete Emissäre zur.Plüu-