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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-30 · Heft 22 (30.5.1882) · p. Seite 362

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 22 (30.5.1882)
Date
1882-05-30
Page
Seite 362 (sequence 10)
Language
German
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Max Berlin von hier zum Assessor am königl. Stadtgericht in Nürnberg.' Durch die neue Gerichtsorganisation lautet der - jetzige Titel des Stadtgerichts „Amtsgericht." ' Diese Anstellung, war die erste in Bayern, die einen Juden betraf in der Eigenschaft eines besoldeten königl. Richters, und es folgten ihr inzwischen mehrere auf den Fuß. Dieser Tage wurde Berlin zum Rath am königl. Landgericht in Nürnberg ' ernannt; der erste Jsraelite in Bayern, der ein solches. Amt bekleidet. Es erhellt daraus, daß die dermalige Leitung der Regierung in Bayern den gesetzlichen Weg unbeirrt einhält und verfolgt, und sich in ihrem Gerechtigkeitssinne von der jetzigen Strömung nicht beeinflussen Iaht. Ihr Prinzip ist, einerseits die letzte Spur von Sonderstellung zu verwischen und das natürliche und gesetzliche Menschenrecht zur'Geltung zu bringen, andrerseits weder dem Staate noch der Gesellschaft befähigte und brauchbare Kräfte zu entziehen. Oesterreich-Ungarn. Wien, 13. Mai. - Die Delegirten des Londoner Mansionhouse-Comitös, Montague und Dr. Asher, welche hier mit dem gemeinsamen Ministerium bezüglich der Ansiedlung der russischen Juden in Bosnien verhandelt haben, sind gestern, Esterer nach London, Letzterer nach Hannover abgereist. . . Wien, 15. Mai. Eine geplante Verletzung des Staatsgrundgesetzes, die auch in diesem Blattd besprochen worden, ist durch das Herrenhaus abgewendet. Die Schulkommission des Herrenhauses 'hat heute den vielbestrittenen §. 48. der Schulnovelle, welcher anordnet, daß der Schulleiter jener Eonfession angehören müsse , zu welcher die Majorität der Schüler sich bekennt, ebenso wie den Bermittelungsantrag des Grafen Widmann endgiltig abgelehnt und die Bestimmung des Reichs-Schulgesetzes als fortdauernd wirksam erklärt. Die Ablehnung erfolgte-durch die Majorität der liberalen und polnischen Mitglieder der Schulkommission. ' Wien, -16. (Privatmitth.) Hier hat sich unter dem Vorsitz, des Rabbiner Spitzer ein Verein mit dem Namen „Ahavath Zion" gebildet, der zum Zwecke hat , die nach Palästina Auswandernden mit Geld zu unterstützen. . -— Wie das „Neue Wiener Tageblatt" erfährt, ist die Untersuchung' gegen den- Agitator Holubek nunmehr abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft erhebt die Anklage nach §. 302. des Strafgesetzes (Aufreizung zu Feindseligkeiten . gegen Religions-Genossenschaften rc.) wegen der Einberufung der Antisemiten-Versammlung und wegen der bei derselben von Holubek gehaltenen Reden. Als Vorsitzender dieser Versammlung fungirte bekanntlich Herr Schönerer,, welcher der Aufforderung des, landesfürstlichen Commissärs, den Redner zu. unterbrechen nicht Nachkommen wollte, weshalb sich der Commissär veranlaßt sah, die Versammlung aufzülösen und die Anzeige an das Strafgericht zu leiten. Die Verhandlung gegen Holubek, welche im Sinne des Strafgesetzes vor" Geschwornen stattfinden wird, solleine der ersten der nächsten Schwurgerichts-Session feilt. Herr Schönerer wird zu dieser Verhandlung - als Zeuge vorgeladen. Der Staatsanwalt vr. v. Pelser wird die Anklage persönlich vertreten. .? - Wien, 18. Mai. Der Gemeinderath der Stadt Wien hat in seiner vorgestrigen Sitzung beschlossen, 2000 Gulden für die jüdischen Flüchtlinge zu spenden.' Aus Brody sind am 14. d. 60O0 Emigranten über Hamburg nach Amerika geschickt worden. Es sind aber gegenwärtig dort 9OOO Flüchtlinge anwesend. Pest> 16. Mai. (Privatmitth.) Das Szatmarer Comitat hat seine Petition zur Verhütung der Einwanderung. flüchtiger russischer Juden als Currende an viele Comitate versandt. Gestern fand hier in der Versammlung des Stadtrathes die Berathung über diese Petition statt, deren Verlauf dem liberalen und humanen Sinne unserer Bevölkerung entsprach. Wir kommen aus Specielles zurück, und bemerken nur, daß der Antrag der Rechtskommission und des Magistrats fast - e i n sti m m i g angenommen wurde, .nämlich daß die Currende des Szatmarer Comitats einfach zur Kenntniß genommen (d. h. aä aota gelegt) werden solle. Weniger entschieden,.aber doch günstig., warder Ausgang in der Qüartals- Congregation des Preßburger Comitats. Es wurde beschlossen, „mit Rücksicht auf die durch die Judenverfolgungen veranlaßten Einwanderungen aus Rußland setzt das Munizip ium in die Regierung das Vertrauen, daß sie alle nöthigen Verfügungen treffen wird." / ' Lemberg, 5.' Mai. 'Der „Lemberger Israelit", bringt den Text zweier Proteste, welche gegen die Beschlüsse der im Februar 1882 zu Lemberg stattgefundenen Rabbiner- Versammlung, namentlich gegen das von dieser entworfene .Gemeindestatut an das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht in Wien gerichtet worden. Der eine istvon der israelitischen Gemeinde in Lemberg, der andere vom Vor-' stände des Vereines Schomer Israel ergangen, und zeichnen: sich beide durch gründliche. Erörterung und vorurtheilslose Erwägung aus. Sie liefern den Beweis, daß auch in Galizien das echte Judenthum und. die richtige, Auffassung desselben weithin Platz gegriffen, hat, und daßmau auch dort sich nicht mehr am Gängelbande einer eigennützigen und herrschsüchtigen Orthodoxie leiten läßt. . - . / Lembbrg, 11. Mai: Die Erhaltung der vollständig mittellosen jüdischen Auswanderer aus Rußland, erfordert einen wöchentlichen - Aufwand von 3000 fl. > während -das Londoner Konnte, zu diesem Zwecke nur 600 fl. per Wocheangewiesen hat. Seit 30. April würden.nach Amerika von hier befördert 1252 Personen. Das. hiesige Konnte hat aus London den Auftrag,- vorläufig -nur 400 Fahrkarten per

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