Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1882)
- Date
- 1882-05-30
- Page
- Seite 361 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227393-3227416--39923-3257532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
nach Hamburg, 19 nach Paris, 8 nach Kopenhagen, 33 nach Frankfurt am Main' und einige Hundert nach ihrer Heimath befördert worden Außerdem sind Viele mit Kleidungsstücken, und eine große Anzahl der hier durchpassirenden, aus Brody expedirten Emigranten verpflegt worden- — .Zu weiteren Leistungen reichten wie verhältnißmäßig beschränkten Mittel nicht aus. Was seit den grausigen .Ereignissen-der letzten Wochen resp. Monate in Folge des. letzten Anfrufs gegeben worden, wird von Zeit zu Zeit Publieirt werden. Mit diesen größeren Mitteln und mit Hilfe der durch die Delegirten- Bersammlung vom April d. I. ins Leben gerufenen centralisirten Organisation wird nunmehr Größeres geleistet werden können. Die co'ntinentale^ Expedition wird, jetzt das in Folge des Beschlusses der Beleg irtenversammlung neu gebildete deutsche Central-Comitä besorgen. Diesem Central - Comits hat das Berliner Comitö aus seinen Sammlungen vorläufig 100,000 Mk. überwiesen und wird .dasselbe mit weiteren Mitteln zu versehen fortfahren. — Daß der Antisemitismus auch in der hiesigen Stndentenweltallmälig erlischt, erwies sich bei den vorgestrigen Wahlen eines Vertreters der Studenten philosophischer Fakultät im studentischen Ausschuß, sowie des Direktoriums der Akademischen Lesehalle, bei denen nur Mitglieder der ^Freien wissenschaftlichen Vereinigung" und. zwar schon durch Akklamation gewählt wurden. Man erinnere sich,' welche antisemitische-Agitation auch bei diesen Wahlen im vorigen Jahre siattfand. Potsdam, 11.. Mai. (Privatmitth.) Unser Herr Oberbürgermeister Boie, 'einige Magistratsmitglieder und Stadtverordnete, sowie die beiden protestantischen Prediger Persius und Ritter haben einen warm abgefaßten Aufruf zur Unterstützung der unglücklichen Juden in Rußland erlassen, der auch in christlichen Kreisen vielen Anklang findet. Elberfeld, 1^. Mai. vr. Bernhard Förster, in Berlin jetzt als Lehrer und als antisemitischer Agitator, unbeschäftigt, ' ist jetzt auf Reisen gegangen und besucht Elberfeld und den Wahlkreis des Herrn Stöcker. Die „Elberst Ztg." berichtet: Im Saale des Herrn Leisel-auf der Klotzbahn fand gestern Abend-eine Versammlung statt, für welche Herr Dr. Beruh. Förster aus Berlin einen Vortrag über das Thema: „Welches ist die brennendste Frage der Gegenwart?" angekündigt hatte. Der. Saal wargegen 81/2 Uhr von Bürgern aller Confessionen, worunter auch viele Sozialdemokraten, so gefüllt, - daß ein großer Theil der Amwesenden sich mit einem Stehplatz begnügen mußte; selbst die Gänge zwischen den Tisch- - -reihen waren theilweisevom Publikum besetzt. Herr vr. Förster hatte sich zunächst mit einem Sozialdemokraten auseinanderzusetzen, welcher in wer üblichen Weise Bureauwahl verlangte, und kam dann zu seinem Thema^ wer „Semitensrage." ' Welche Stellung, zu derselben Herr Dr. Förster einnimmt, ist bekannt; wir können uns deshalb ersparen, auf den Inhalt des Vor . träges' einzugehen. Zu konstatiren bleibt uns aber, daß die Versammlung einen höchst turbulenten Charakter annahm,' indem der Redner von der Minorität fast bei jedem Satze unterbrochen wurde. . . Nach dem Vortrag begann, ein, wie. es scheint, zur sozialdemokratischen Partei gehöriger Herr eine Entgegnungsrede. Als er dabei den Gegenstand auf das Gebiet des Sozialistengesetzes hinüberzuspielen suchte/ wurde die Versammlung von dem überwachenden Polizeibeamten, Herrn Commissar Arndtz, aufgelöst. AuS Schlesien, 16. Mai. In Breslau ist in einer- Versammlung behufs Unterstützung der aus Rußland flüchtenden Juden ejn Konnte gewählt und sofort die Summe - von 2600 Mark gezeichnet. In Glogau hat eine Versammlung fast sämmtlicher israelitischen Gemeindemitglieder beschlossen, von jedem Gemeindemitgliede ohne Einschränkung der Wohlthätigkeit im Wege freier Selbstbesteuerung einen ' Betrag von 50 Prozent seiner Gemeindesteuer zu erbitten. , Posen, 16. Mai. Das hier unter Vorsitz des Ober- ' bürgermeisters Kohleis zusammengetretene Comitö zur Unter- - stützuug der verfolgten russischen Juden hat durch die in der Stadt veranstalteten Sammlungen bis jetzt eine Einnahme von über 20,000 Mark erzielt. Außerdem sind aus der. Provinz noch 2777 Mk.. emgegangen, so daß das ComitS in diesen Tagen die Summe von 22,000 Mk. als erste Rate an das Berliner Central -Comite abliefern wird^ Da das hiesige Comitä an alle Städte der Provinz Aufforderungen zur Sammlung von Beiträgen erlassen hat, so stehen aus der Provinz noch ansehnliche Beiträge in Aussicht. -In Lissa, - Samter und ailderen Städten haben sich bereits Silw-Comites gebildet. Straßburg, im. Mai.-. Unter den soeben erneuten 13 außerordentlichen Mitgliedern des Ober-Schulraths von Elsaß-Lothringen befindet sich auch der Präsident des israelit. Konsistoriums in Mühlhausen. ' . ' . Fürth, .12. Mai. (Privatmitth.) Seit der Begründung .des deutschen Reiches, zudessen Wiederherstellung die Juden gleich wen Angehörigen andrer Confessionen ihr Blut ver- . spritzt und das Leben eingesetzt haben, weht, auch in Bayern ein andrer Wind. Vor. 1870 wurde ein besoldeter jüdischer Richter in Bayern nicht angestellt, obgleich die bayr. Versassnng das' Prinzip der Gleichberechtigung - anerkannte/ und alle Pflichten und Rechte in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Hinsicht von dem/ Glaubensbekenntnisse unabhängig erklärte. Die Hoffnung, daß das bayr. Justizministerium die Frage' der Zulassung von Inden zum.Richteramte in einer- > Weise abschließen werde, die sowohl dem Geiste des Gesetzes als auch den gerechten Forderungen wer jüdischen Staats- ." Würger entspricht, hat sich im Jahre 1874 erfüllt. Im Febr. .1.874 erfolgte die Ernennung. des Bezirksnceessislen Herrn