Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1882)
- Date
- 1882-05-30
- Page
- Seite 360 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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beauftragt. Dagegen sollen die bestehenden Hilfsconiites überall fortfahren, durch Beschaffung der Geldmittel die Äüsführung des Hilfswerks zü ermöglichen. . Wir hüben daher durch einen erneuten Aufruf zur: Werktätigen Hilfe für die unglücklichen Opfer der Verfolgung aufgefordert. Schnelle und reichliche Gaben thun noth! Tausende und 'Tausende von Brüdern schreien nach Hilfe und Rettung. Die SchreckenSposten jedes Tages werden durch die des folgenden überholt. Wir rechnen zuversichtlich auf Ihre volle und ganze Mitwirkung zur Bekämpfung dieser entsetzlichen Nothlage und überreichen Ihnen hiermit unsern Aufruf und Beitragslisten mit der ergebenen und dringenden Bitte: Sie wollen in Ihrem Orte (resp. in dem Kreise Ihrer Gemeinde) ein Comitä für Beschaffung von Beiträgen bilden, oder — wenn ein solches schon besteht — dasselbe für eine erneute und energische Thätigkeit mit Ihrem Einflüsse unterstützen. Exemplare unseres Aufrufs und Beitragslisten stehen Ihnen weiter zur Verfügung. ' ' Die Zahlstellen sind, wie in unserem Aufruf angegeben: Die Bankhäuser Delbrück, Leo L Co., Mauerstüße 61/62- Frege & Co., Jägerstraße 15 und Platho <L Wolfs, Breitestraße 6, welche die eingehenden Beiträge an das Berliner Comitö für die verfolgten russischen Juden abführen werden." Berlin- 16. Mai. (Privatmitth.) Das Waisenhaus der jüdischen Gemeinde , gestiftet von Moritz und Sarah Reichenheim, hat seinen Jahresbericht für 1881 ausgegeben. Er enthält die Reden, welche der Direktor der Anstalt Dr. M. Jutrosinski an der Bahre des Stifters und der Stifterin gehalten, dann den Rechnungsabschluß, der mit Einnahme, von Mk. 47-933 abschließt, von denen in der Ausgabe Mk. 662 Bestand blieb.' Zu den Einnahmen trägt, die Gemeinde Mk. 20,000 bei, das Große Friedrichswaisenhaus als Kostgeld Mk. 1494 und die Zinsen vom Vermögen der Anstalt Mk. 26,439. Dieses Vermögen beträgt gegenwärtig Mk. 541,657. Die Anstalt zählt jetzt 75 Zöglinge, nämlich 45 Knaben und 30 Mädchen. Die Gesammtausgaben für jedes Kind betrugen 630 Mk., was allerdings für eine größere Waisenanstalt eine sehr bedeutende Ausgabe ist. Mit der Anstalt sind auch Nebensonds verbunden, wie Sparkassenfond, ein Fond für entlassene Zöglinge, welchen im vorigen Jahre die Frau Sarah Reichenheim testamentarisch Mk. 60,000 bestimmte. Die Zöglinge besuchen öffentliche Lehranstalten vom Gymnasium bis zur jüdischen Gemeindeschule, erhalten Religionsunterricht in der Religions-Gemeindeschule, in der Anstalt im Turnen, Gesang, Klavier und Handarbeiten. Unter der umsichtigen Leitung des Direktors und des Kuratoriums gehört die Anstalt zu den blühendsten ihrer Art. — Der antisemitische Journalist Cunow wurde heute Wegen Beleidigung einer jüdischen Firma und eines jüdischen Publicisten in seinem Blatte „Apollo" zu 6 Wochen Gefängniß verurtheilt. Der Gerichtshof nahm an, daß/der Ton und die Sprächewelche Eunow in seinem Blatte anschlage, eine überaus tendenziöse, skandalsüchtige, beispiellos rohe und ganz besonders außerordentlich gemeine sei u. s. w^ — Am 14. d. fand eine große Arbeiter,-Versammlung von etwa 3000 Personen besucht, statt, ym eine Petition wegen Normalarbeitstages u. dergl. zu berathen. In derselben versuchte auch Dr. Henrici zum Worte zu kommen. Er sprach von „seiner Partei, die freilich noch keinen Namen habe", worauf ihm mit schallendem Gelächter geantwortet wurde. Er empfahl den Arbeitern „ideale Zwecke zu verfolgen", worauf ihm ge^ antwortet wurde, er solle erst seiner Partei, die nichts als eine „Hetzpartei" sei, idealere Zwecke verschaffen. Man sieht,, diese Leute haben ihr Terrain, außer in einer kleinen Clique, gänzlich verloren.; ' Berlin, 18. Mai. In Greifswald hat vorgestern Professor Behrend das Rectorat unter den üblichen Feierlichkeiten -übernommen. Der Protest des Vorstandes der Hommerschen Provinzial-Synode ist also nicht berücksichtigt worden. Das der Universität zustehende Patronatsrecht übt, der Prorector aus. — Wir berichteten über die Klagen, welche Graf von Schlieben jüngst im Herrenhause über das Ausschlachten der Bauernhöfe erhob, an welchem die Juden den größten Antheil hätten. Mehrere hiesige Blätter führen jetzt den statistischen Nachweis, daß der Bestand unabhängiger kleiner Bauernhöfe viel mehr durch das Aufsaugen Seitens der Majorate und Großgrundbesitzer als durch die Parcellirung , bedroht sei, durch welche letztere die kleineren Besitzer in den Stand kommen, sich wohlgelegene Ackerstücke zu erwerben. , Man sieht, wie wenig man allen einseitigen Anklagen trauen dar^ . — Aus einem Berichte des Berliner Hilfs-Comitö entnehmen wir folgende Daten: Dasselbe konstituirte sich in - Folge eines Aufrufs vom 3. Juni v. I. am 27. Juni v. I. Dasselbe besteht aus den Herren Justiz-Rath Lesse, Sanitätsrath Dr. Neumann, Stadt-Schulrath Bertram, Privat-Docent Dr. Bernstein, Stadtverordneter Dietmar, Geheimer Commerzienrath Lachmann, Stadtrath Halske, Banquier Platho, Banquier Leo - Prof. Dr. Hirschberg , Banquier Hermann - Goldschmidt, Abgeordneten Lasker und Ludwig Loewe, Geh. Sanitätsrath Dr. Kristeller, . Comn'.erzienrath Simon und Jul. Jacoby. Außer den von Andern gesammelten, an die Hilfscomitas nach Kiew und Elisabethgrad gesandten Geldern, sind diesem Comite, bis die Theilnahme durch die Rathhausversammlnng vom April d. I. größere Dimensionen annahm, im Ganzen ca. 88,000 Mk. zugegangen. Davon sind nach Brody 5000 Mk., an die Hilfscomitss in Petersburg, Kiew, . Odessa je 5000 Mk. gesendet worden. Ferner, sind vom Comitä 492 Personen nach Amerika, 61 nach England,' 228 '