Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1882)
- Date
- 1882-05-23
- Page
- Seite 343 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Musikalienhändler Georg Th. Nagel. Vorsteher Niemeyer, Linden. Louis Neuberg. Hirsch . Oppenheimer. Louis Oppen- Heimes Stadtsyndicus Osteriueyer. Herrn. Peretz. Herrn. Rinck. R. Samson. Generalagent Schütte. Commerzrath A. Siemering. Generalmajor von Schlicher. Eduard Spiegelberg. Prov.-Schulrath Spieker. Sanitätsrath Dr. Vogelsang. Pastor Wecken, Linden. Abr. Weinberg. Schuldirektor Prof. Dr. Wiedasch. Staatsminister a. D. Dr. Windthorst. Grossist Wittkugel, Redakteur Di-, zum Berge. Gießen, 8. Mai. (Privatmitth.) Ich habe im hiesigen Anzeigeblatt eine Aufforderung zu Unterstützungsbeiträgen für die russischen Juden -erlassen, die bereits guten Erfolges ist. Es dürfte für die Leser d. Ztg. d. Jud. ebenso wie für mich herzerquickend tröstlich sein, Kenntniß von dem Inhalte eines Schreibens zu empfangen, welches die hiesige Freimaurer-Loge an mich gerichtet hat. Es lautet: „Die Freimaurerei ist aufs Höchste empört über die jeden Rechtes und jeder Gesittung hohnsprechende barbarische Maffenverfolgung, friedlicher Israeliten in Rußland und erhebt überall die Stimme des Abscheus vor dieser höchsten Schmach unsres Jahrhunderts., Auch die hiesige Loge hat sich in diesem Snrne ausgesprochen und einen Beitrag von . .. . zur Unterstützung der ihrer Hab und Heimath beraubten Unglücklichen Verwilligt, den ich Ihnen anbei zustelle, um gefällige Empfangsbescheinigung bittend." Das heiße ich menschlich edel denken und empfinden. Rabbiner Dr. Levi. Gr. Essen, 9. Mai, (Privatmitth.) Wie in zahlreichen Städten Deutschlands und des Auslandes für die unglücklichen russischen Juden Geld gesammelt wird, geschieht es auch hier auf. Anregung unseres rührigen ersten Vorstehers, des Herrn Banquier I. S. Hirschland. Ein Aufruf, welcher von hiesigen Bürgern ohne Unterschied der Confession — es waren unterzeichnet neben den Vorstehern, den beiden Lehrern und anderen angesehenen Männern unserer Gemeinde u. a. auch der Reichstagsabgeördnete Schlüter, der Landgerichts- Präsident Pelrzäus, der Oberbürgermeister Hache, der (katholische) Pfarrer Dr. Beising/der (evangel.) Pfarrer Wächtler, zwei christliche Rechtsanwälte, Redakteur Bädeker rc. — erlassen wurde, ergab bisher schon eine recht stattliche Summe. Schatzmeister ist der in Armensächen nie ermüdende Herr Einanuel Hirschland. — Im Gegensatz zu diesem in ruhigem, das Mitgefühl erregendem Tone abgefaßten Aufruf-lesen wir in der „Köln. Ztg." einen solchen vom Rabbiner Dr; Plato, der, milde gesagt , unsere starke Mißbilligung Hervorgerufen hat. Wie durfte der Dr. Plato in einem politischen Blatte solche Sätze schreiben, wie: „Es sind Christen, dem Namen, nach'Christen, die entsetzliche ' Grausamkeiten, unerhörte, das menschliche Gefühl empörende Schaudthaten gegen die wehrlosen russischen Inden begehen. Es sind orthodox sich nennende Christen" rc.; ferner: „Christliche Mitbürger! Rettet die Ehre des von Christen geschändeten christlichen Bekenntnisses!" . . . . . rettet Ihr die Ehre des christlichen Namens!" Wir müssen gestehen, daß das eine unerhörte Sprache eines „Rabbiners" ist. Ein Rabbiner, hat weder die Pflicht noch das Recht, sich um die Rettung der „Ehre des geschändeten christlichen Bekenntnisses" und des „christlichen Namens" zu kümmern. Der Aufruf des Dr. Plato kann der guten Sache nur schaden. Dieses ist nicht nur unsere Meinung, sondern auch die angesehener judenfreundlicher Christen. Wir sind in der Lage, aus sehr gut unterrichteter Quelle mitzutheilen, daß bereits ein angesehener christlicher Herr sich verpflichtet gefühlt hat, seine Unterschrift unter dem Essener Aufruf zurückzuziehen, und zwar, wie er ausdrücklich erklärte, in Folge der Sprache des Dr. Plato. Herr Dr. Pl. hat gewiß nicht geahnt, wie seine Worte für die Christen verletzend sind. Wenn die Letzteren es gegen uns oft sind und waren, so sollen wir Reciprocität üben? Wir weisen jede Gemeinschaft mit der Ausdrucksweise des Dr. Pl. zurück. Wenn der Synagogengemeindevorstand in Köln hierauf blos die Annonce erließ, daß Dr. Pl. „nicht der Rabbiner der Gemeinde" ist, so ist diese allein unserer Ansicht nach nicht genügend, um den Dr. Plato zu desavouiren. . Essen, 10. Mai. Ein auch für weitere Kreise interessanter Fall kam laut der „Dortm. Ztg." heute vor dem Hörder Schöffengericht zur Verhandlung. Die meisten Eltern schul- . pflichtiger Kinder haben nämlich die irrige Meinung, daß sie ihre Kinder, sobald sie 14 Jahre alt sind, von der Schule und vom Religionsunterricht fernhalten können. So hatte auch ein israelitischer Kaufmann in Hörde, als seine Tochter 14 Jahre alt war, diese außerhalb der bestimmten Entlassungstermine von der Kommunalvolksschule, die sie seither besuchte, ferngehalten, und der höheren Töchterschule anvertraut. Da in der letzteren Anstalt aber kein israelitischer Religionsunterricht ertheilt wird, so forderte, die Behörde den Väter des Mädchens auf, seine Tochter zum Religionsunterricht zu senden. .Dieser hielt sich weigerlich und so wurde die Sache dem Gericht zur Entscheidung unterbreitet. Dem Anträge der Amtsanwaltschaft gemäß wurde denn auch der betreffende Kaufmann wegen Uebertretung des §. 62 des Juden - Gesetzes vom 23. Juli 1847 und der §§. 1 und 4 der Reg. - Pol. - Verordnung vom 26. Juni 1874 mit nur 1 Mark Geldbuße bestraft , und dadurch Klarheit in eine^ Angelegenheit geschaffen, die in ähnlichen Fällen schon so oft Meinungsverschiedenheiten zwischen Eltern und Schulbehörden hervorgerufen hat. OesterreichMngarn. Wien, 9. Mai. Der Gemeinderath genehmigte einstimmig einen Antrag auf Hergabe eines später zu besinn-