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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-23 · Heft 21 (23.5.1882) · p. Seite 342

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 21 (23.5.1882)
Date
1882-05-23
Page
Seite 342 (sequence 10)
Language
German
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eines jüdischen Docenten zum Universitätsrektor aus der Kirchengemeinde- und Synodalordnung her, welche der Pro- Vinzial-Sy'node und deren Vorstande aufgiebt, die Zustände und Bedürfnisse ihres Bezirks in Obacht zu nehmen, über die Erhaltung der kirchlichen Ordnung in Lehre, Cultus und Verfassung zu wachen und die Hebung der wahrgenommenen Mißstände durch Anträge oder Beschwerden im kirchenordnungsmäßigen Wege zu betreiben. Nun ist nach Ansicht des gegen die Behrend'sche Wahl protestirenden Vorstandes die Universität Greifswald laut Statut des Herzogs Philipp I. vom Jahre 1539 eine lutherische Universität und die Schenkungen des Herzogs Bogislaw XIV. bekräftigen diesen Charakter der Universität, deren jedesmaliger Rektor mehrfacher Patron der Universitätsgüter ist. Nun kann aber ein Jude nicht Patron christlicher Gemeinden sein, und weil für die der Universität Greifswald gehörenden Güter des ehemaligen Klosters Hilda das Patronatsrecht über dieselben an der Person des Rektors haftet, so würde, weil der demnächst zu vereidende Rektor ein Jude ist, das Patronatsrecht zu ruhen haben , woraus für hie Universität Greifswald rechtliche Schwierigkeiten, je nachdem auch materielle oder ideelle Verluste erwachsen könnten. Der Protest des Synodalvorstandes kommt in Rücksicht auf diese thalsächlichen Momente wie auch in Hinblick auf die Genesis der Universität und deren rein lutherischen Charaker zu dem Schluffe,, es sei die Zulassung eines anderen als christlichen Docenten zum Rektorat nach Inhalt sowohl der Stiftungsurkunde vom Jahre 1456 wie aller späteren Statuten schlechterdings ausgeschlossen. Namentlich aber betont der Protest das durch ein Behrend'sches Rektorat nothwendig werdende Ruhen der Patronatsrechte der Universität. Man darf gespannt sein, welchen Effekt der Synodal-Einspruch haben wird. Da die Eidesleistung regelmäßig am 15. Mai stattfindet, so wird matt nicht lange auf das Resultat dieses Protestes zu warten haben. (N.-Schr. Die Wahl ist dennoch bestätigt worden. S. n. Nr.) — Von dem Berliner Lokaleomits zur Unterstützung der russisch-jüdischen Flüchtlinge ist ein Deutsches Central-Comito, bestehend aus den Herren Justizrath Makower, Prof. Dr. Lazarus, Geheimrath Lächmann, Stadtverordneten Dietmar und Kaufmann D. Hirschfeld, mit Cooptationsbefugniß gewählt worden, welchem die Delegirten der auswärtigen deutschen ComitSs beitreten sollen. Herr Oberbürgermeister von Forckenbeck hat das Ehrenpräsidium übernommen. Dieses Comite hat Herrn Justizrath Makower züm geschäftsführenden Vorsitzenden, Herrn Prof. Lazarus zum Stellvertreter, Herrn Hirschfeld zum Schrift- und Kassenführer, . Herrn Dietmar zu dessen Stellvertreter gewählt. Das deutsche Centralcomitä hat hauptsächlich nur die Verhandlungen mit den verschiedenen deutschen und ausländischen Cömit^s zu führen und Nicht mit den einzelnen Personen , resp. Wohlthätern direkt zu thun. Hierzu ist zu bemerken , um Mißverständnisse zu vermeiden, daß nach Punkt 7 der Verhandlungen des Delegirtentages das Berliner Lokalcomitd unverändert fortbesteht und fortfährt Gelder zu sammeln. x Breslau, 10. Mai. Die „Bresl. Ztg." berichtet: In den nächsten Tagen sollen 120 jüdische Studenten, unter ihnen 15 Damen, unsere Stadt passiven, deren Auswanderung von einem Studenten-Comitch das sich in Lemberg unter dem Namen „Am Olam" gebildet hat, organisirt wird. Diese- Auswanderer sind nicht ganz mittellos; sie wollen in Begleitung von zwei tüchtigen Landwirthen nach Texas übersiedeln, um sich dort mit Landwirthschaft zu befassen. Stettin, 7. Mai. Mit dem Dampfer Commercial kam gestern Abend von Memel abermals eiue größere Zahl jüd. Auswanderer (51, größtentheils Handwerker) aus Rußland hier an. Magdeburg, .Ä. Mai. Auch hier hat sich ein Comito zur Unterstützung der aus Rußland vertriebenen Juden gebildet. Demselben gehören u. A. der erste Bürgermeister Bötticher, Stadtverordnetenvorsteher Listemann und Superintendent Hildebrandt an. Hannover, 7. Mai. (Privatmitth.) In diesen Tagen ist auch hier eine Vereinigung der bedeutendsten Persönlichkeiten zusammengetreten, und hat in einem „Aufrufe" den Abscheu gegen die Greuel in Rußland ausgesprochen, sowie zu Gaben aufgefordert. In dem Tenor gleicht dieses Schriftstück seinen Vorgängern; bedeutsam wird es besonders durch die Unterschriften, unter denen sich auch die Führer zweier großen Parteien des Reichstages und des preußischen Landtages befinden: Windthorst und Bennigsen. Wir geben deshalb diese Unterschriften hier vollständig wieder. Justizrath Abel. Pastor Albrecht. Julius Alexander. Geh. Rath v. Alten, Linden. Bankdirektor Basse. Bürgerworthalter Behre. Rechtsanwalt Benfey. Landesdirektor R. v. Bennigsen. Commerzrath Berding. Dr. med.. N. Berend. Landgerichtsrath Bergmann. ' Rechtsanwalt Dr. van Biema. Geh. Eommerzrath Buresch. Schuldirektor Prof. Dr. Capelle. Geh. Sanitätsrath Dr. Cohn. Albert S. Cohen. Gustav Cohen. Carl Cohn. Senator Culemann. Leopold. Fischer, Linden. Senior Flügge. Jacob Frank. Joseph Frank. Jacob Gans. Julius Goldschmidt. S. A. Hecht. Rechtsanwalt Heiliger. Pastor Dr. Hilm er. Pastor Höpfner. Justizrath Hoppe. Schatzrath Hugenberg. Bürgermeister a. D. Hurtzig.. I. Jacobson. Landsyndicus Jngler. Julius Kanffmann. Senator Klein. Dr. ^jur. Königswarter. Dr. in sä. Kugelmann. Bankdirektor Lücke. M. A. Löwenberg. B. Löwen^ stein. Justizrath Lüders. Eberhard Mencke. Schuldirektor Dr. Mertens. Rektor Professor Dr. Meyer. Landrabbiner Dr.. Meyer. Ferdinand Meyer. Senator Louis- Meyer. Commerzrath Louis E. Meyer. Commerzrath Sigmund Meyer. I. Meyerhof. A. Molling. Med.-Rath Dr. Müller.

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