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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-23 · Heft 21 (23.5.1882) · p. Seite 341

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 21 (23.5.1882)
Date
1882-05-23
Page
Seite 341 (sequence 9)
Language
German
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Lesser zu Bielitz am 13. Febr. von seinen Freunden Dr. Glaser aus Biala, Dr. Friedmann aus Teschen, Dr. Kohn aus^Bisenz und Dr. Rosenthal aus Beuthen O. S. (Bielitz, Klimek). Wir haben hier ein rührendes Zeugniß für denhohen Werth des Frühverblichenen aus dem Munde begabter Redner. — Abwehr. Predigt im isr. Tempel zu Graz am ersten Pessachtage von Dr. S. Mühsam, Rabb. (Graz, Ferstl, 1882.) Die modernen Anklagen gegen das Judenthum als falsch nachgewiesen. Eine-Rede von Dr. L. Münz, Rabb. in Kempen. .Frankfurt a. M., Ä. Kauffmann. Die Predigt, anknüpfend an 2 Mos. 12, 49., „eine Lehre für den Einheimischen wie für den Fremden", weist die Stellung, welche unsre Gegner den Juden im Vaterlande geben wollen, mit kräftigen Worten und klaren Beweisen zurück. Die Rede des Dr. Münz entwickelt aus der Geschichte Hamans, wie es dieselben Vorwürfe sind und dieselben Absichten , die jener typische Judenfeind erhob und plante, die noch heute von unseren Gegnern vorgebracht werden, und widerlegt sie mit der Geschichte in der Hand bündig und zutreffend. — Eine sehr interessante Broschüre ist unter dem Titel erschienen: Der vierfüßige Speisvogel und die zweifüßigen Spaßvögel. Ornithologische Glossen zur Kritikasterei von Dr. Philipp Kroner. (Löbau, Skrzeczek, 1882.) So witzig dieser Titel sein mag » so bezeichnet er doch den Inhalt des Büchleins wenig. Ein gewisser Schell hat ein Buch geschrieben: „Grundzüge einer vernunftgemäßen Auffassung des Christenthums." In diesem Buche wird das Christenthum vielfach angegriffen und das Judenthum noch mehr. Hierbei verräth der Berf. nicht blos vielen bösen Willen, sondern auch viel Unwissenheit. Herr Dr. Kroner zieht nun die auffälligsten Stellen heraus und verarbeitet sie mit Scharfsinn, Witz und Gemüth und. mit der ausgezeichneten Belesenheit, die er besitzt. Hierbei bleibt er-bei Schell nicht stehen, sondern zieht eine Menge gleichgearteter Auslassungen aus anderen Schriften und Zeitschriften heran, um' sie zur selbigen Zeit abzuthun. Am öftersten bedient er sich hierzu der Methode, zur Widerlegung dieser antijüdischen Aeußerüngen christliche Autoren zu citiren, welche das Gegentheil aussagen. Die Schrift Kr.'s ist deshalb belehrend und unterhaltend zugleich, und empfehlen wir sie auch unsrerseits der Beachtung. Schell hatte 3. Mos. II, 20 als von einem „viersüßigen Vogel" verstanden und sich darüber lustig gemacht. Kr. konnte sich hierüber leicht selbst lustig machen, da alle Lexicographen und Commentatoren richtig die „geflügelten Kriechthiere", die vier Füße haben und fliegen können, darunter verstehen und Schell nur nach der. mißverstandenen Uebersetzung Luthers gesehen, der jedoch unter „Vogel" nicht blos die zweifüßigen gefiederten Vögel', sondern auch, wie er in einer Randglosse selbst bemerkt, Heuschrecken, Schmetterlinge u. s. w. versteht. Hieran knüpfte Kr. an und davon rührt der Titel des Büchleins her. — Wir schließen heute mit dem Hinweis auf die Fortsetzung der Revue äes Dtuäes juives, die in ihrer siebenten Lieferung (Paris, Durlacher) Januar bis März 1882 vorliegt. Sie enthält eine Fülle von Aufsätzen über historische und literarische Details: das Memorbuch von Mainz; Noten und Dokumente über die Juden der Balearen vom 13—15. Jahrhundert; Namensliste der Juden von Barcelona im Jahre 1392; .Paul de Bonnefoix; die Befreiung der Juden in Rom im Jahre 1555; die Fortsetzung der Gesch. der Juden von Hagenau; Abraham Joseph Salomon Graziani, hebräischer Dichter des 17. Jahrhunderts; die Juden in den französischen Colonien im 18. Jahrhundert. Desgleichen haben wir die dritte Nummer des zweiten Bandes der Hebrew Review (Cincinnati, Bloch) vom 1. April 1882 zu erwähnen, von der wir die beiden letzten Aufsätze des sel. Lilienthal citirt haben. Außerdem enthält die Lieferung: der historische Ursprung des Essenismus von P. E. Lucius; die Erzählung von der Fluth in Keilschrift von Dr.- P. Haupt und Thomas d'Aquino in der jüdischen Literatur. — — Zum 60jähr. Geburtstage Leopold Kompert's erscheinen dessen „gesammelte Schriften" in Louis Gerschel's Verlagsbuchhandlung in Berlin. Bereits liegen die zwei ersten Lieferungen in gefälliger Ausstattung vor. Mit Befriedigung begrüßen wir hier alte, liebe Bekannte, und wünschen dem Unternehmen den besten Erfolg. — Die Buchhandlung Levy & Müller in Stuttgart kündigt eine „Denkschrift über Entstehung und Charakter der in den südlichen Provinzen Rußlands vorgefallenen Unruhen" vom Odessaer Stadtrabbiner Dr. S. L. Schwabacher an. Die Denkschrift wird gewiß von hohem Interesse sein. Wir wissen noch nicht, ob dies dieselbe Denkschrift ist, aus der wir bereits Auszüge gebracht haben. Deutschland. Berlin, 9. Mai. Die Rektoratswahl der Universität Greifswald wirbelt noch weiteren Staub auf. Der Vorstand Behrend zum Rektor der Universität Greifswalde Verwahrung eingelegt. Diese Kundgebung des Synodalvorstandes wird viel von sich reden machen, da sie sich zugleich gegen den Cultüsminister v. Goßler richtet , der die vom akademischen der pommerschen Provinzial-Synode hat, wie die „Kreuzzei-j Senat getroffene Wahl bestätigt hatte. Der Vorstand der tung" meldet, gegen die Wahl des jüdischen Professors Dr. > Synode leitet seine Rechte zum Protest gegen die .Erhebung

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