Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-23 · Heft 21 (23.5.1882) · p. Seite 340

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 21 (23.5.1882)
Date
1882-05-23
Page
Seite 340 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227393-3227415--39901-3257509
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Italien auf .2 — das ist weder unermeßlich, noch groß. Er sagt, durch die hebräische Sprache könne der Jude „alle Länder der Erde durchwandern und sich überall mittelst derselben seinen Volksgenossen verständlich machen." Wie sehr irrt sich, der Mann , und zwar betreffs der meisten Länder der Erde, wo die große Zahl der Juden kein Hebräisch mehr versteht, kaum noch die hebräischen Gebete. Das ist Alles nicht wissenschaftlich, wie wir es von einem Delitzsch erwarten sollten. Aus welchen Quellen schöpft nun D. sein Sortiment der Angriffe auf das Christenthum? Vor Allem aus Rahmers .^Jüdischem Literaturblatt", dann aus der in Cincinnati erscheinenden „Debora", und dem „Zeitgeist" aus Milwaukee. Jedenfalls rührt also die Auslese, die D. trifft, aus einem sehr kleinen Theile der D. so „unermeßlich groß" erscheinenden jüdischen Zeitungsliteratur her, und sagt doch D. selbst, daß er deshalb seine Schrift nur „Christenthum und jüdische Presse", nicht „die jüdische Presse", betitelt habe. Im zweiten Abschnitt wendet er sich gegen den Abdruck alter hebräischer antichristlicher Schriften, der in den letzten Jahrzehnten vorgekommen, besonders des Chizzuk emnna von Isaak Troki und des arabischen Kissat mugäda let eluskuf —. obgleich er wiederum bemerkt, daß andere derartige Auekdota von Steinschneider und Jellinek „der Vergessenheit entrissen worden, nicht in Christenthumsfeindlichem, sondern in literatur- und religionsgeschichtlichem Interesse." Besonders richtet er sich gegen eine Aeußerung Geiger's, die einen Briefwechsel zwischen D. und Geiger veranlaßte, ber jedoch resultätlos verlief. Im 4. Abschnitt endlich verläßt. D. seinen bisherigen Weg und wendet sich zu einem tiefer liegenden Gegenstände. Er will „ein Friedenswort zur Verständigung wagen", und findet dies darin, daß er dem Judenthume abspricht der „Träger der Idee der Einheit Gottes" zu sein. Er sucht daher zu beweisen,, daß das, was Judenthum und Christentrennt, „die trinitarische Gottesidee des Christenthums" sei. Er führt hier zuerst eine Stelle aus der zweiten Abtheilung unsrer „Israelitischen Religionslehre" an, in welcher wir in dem Worte Echad sowohl die Einzigkeit als die Einigkeit des Gottesbegriffes Nachweisen. Es versteht sich, daß diese völlig objektiv gehaltene Stelle von ihm nicht als eine Beleidigung des Christenthums, dessen wir dort gar nicht namentlich erwähnen, sondern nur als eine Behauptung angesehen wird, die er bekämpfen will. Was er nun in dem ganzen Abschnitt. auseinandersetzt, läuft darauf hinaus , zu zeigen, daß die Lehre von der Dreieinigkeit dem Alten Testamente nicht widerspreche, sondern alttestamentarisch begründet sei. Man kennt hinreichend die. exegetischen Künste, durch welche seit alter Zeit diese Behauptung unterstützt wird. Wir halten es daher an dieser Stelle nicht für nothwendig, näher in diese, oft sehr gezwungene Auseinandersetzung einzugehen. Verschwindet doch nicht selten hierbei Herrn Delitzsch selbst die Vorstellung von der dreifachen Persönlichkeit in'Gott, wie das christliche/ Dogma sie lehrt, und verblaßt ihm zur bloßen Offenbarung . des göttlichen Wesens in der Geschichte und im Geiste des Menschen. Eine solche Offenbarung Gottes wird aber in jedem jüdischen Religionswerke gelehrt, nur daß sie hier als eine Kundgebung des göttlichen Thuns angesehen, nicht aber auf. drei Persönlichkeiten in Gott unterscheidlich zurückbezogen wird. Dies ist gewiß ein himmelweiter Unterschied. .Erkennt doch auch D. die „Menschwerdung" Gottes, die „leibhaftige" Erscheinung Gottes am Wir polemisiren heute hierüber nicht mit ihm; daß aber hierin eine weitere schwerwiegende Differenz zwischen Christenthum und Judenthum liegt, ist sicher. Ueberhaupt übergeht D. sämmtliche christliche Dogmen, die außer der Trinität Judenthum und Christenthum wesentlich von einander scheiden, namentlich die Erlösung durch den Tod Jesu, die Rechtfertigung durch den Glauben, die Erbsünde, u. s. w.; und selbst die neutestamentliche Moral, so sehr sie in der jüdischen wurzelt, hat doch eine, dieser fremde Tendenz eingeschlagen. Wir verweisen z. B. auf unsre Abhandlung: „Vergleichende.Skizzen über Judenthum und Christenthum" im 2. Theile unsrer „Weltbewegenden Fragen." Alles dies übergeht D. mit Stillschweigen, nür um den Juden den Glauben an die Trinität denkgerecht zu machen, indem ev glaubt, daß dann die Verständigung und Vereinigung vor sich gehen werde, d. h. nicht daß die Christen Juden, sondern daß^ die Juden Christen würden. Hieraus wird uns nunmehr der Zweck und die Absicht klar, die der Autor mit seiner Schrift verfolgte: er hat einfach Missionszwecke. Lagen diese doch dem Prof. Delitzsch von jeher am Herzen. Darum scheut er nicht, „Entrüstung und Aerger" bei den Christen gegen die Juden hervorzubringen, nicht, den Antisei miten neuen Stoff zu bieten: er will, die gegenwärtige Bewegung benutzen, seine Missionären Darlegungen in recht, viele Hände zu bringen und womöglich die Bekehrung der Juden zu bewirken. Dies geht ihm über alle Bedenken und selbst über die Anforderungen der Gerechtigkeit. — Die Rede, welche Rabb. Dr. A. M. Goldschmidt an der Bahre des verewigten Jacob Nachod am 14. April hielt, ist bei Leiner in Leipzig im Druck erschienen. Der Redner entwirft aus tief bewegtem Herzen ein Bild des Verewigten, das um so mehr , ergreift, als es in allen Zügen zutreffend ist und dem Gedächtniß des Dahingeschiedenen auch für kommende Geschlechter ein dauerndes Wahrzeichen. errichtet. — Hieran schließen wir:. Rede am Sarge Simon Szantö's am 19. Jan. von Dr. A. Jellinek (Wien, Waizner, 1882), welche — vor einigen Jahren verstarb der treffliche Josef . Szantö — (1. Mos. 42, 80.) „Josef ist nicht, mehr, und auch Simon nicht mehr" zu Grunde legend, in markiger Weise" den Lebensgang des Verewigten hinreißend zeichnet. . Ferner: „Worte der Trauer an der Bahre des Rabbiners vr. Wolf ,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.