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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-23 · Heft 21 (23.5.1882) · p. Seite 339

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 21 (23.5.1882)
Date
1882-05-23
Page
Seite 339 (sequence 7)
Language
German
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339 - ■ Israeliten, welcher bereits' eine halbe Million Francs zur Folge hatte, auch hier ein allgemeines Comite, außerhalb alles Parteigeistes in dem einzigen Gedanken der Humanität, in der Bildung begriffen ist. Das sehr verbreitete Journal „La ville de Paris“ bringt darüber einen ergreifenden Ausruf. Es sagt unter Anderem: „Es sind hier unermeßliche Leiden zu lindern und vor Allemein großes Prinzip zu bethätigen, die menschliche Gleichheit ohne Unterschied der Race und der Religion." Das Journal „La ville de Paris“ spricht seinen Beifäll zu dieser Initiative mit ganzem Herzen aus, „gewiß, hierin der treue Dolmetsch der großen Stadt zu sein, deren Herz stets für die großmüthigsten und alle echt civilisatorischeu Ideen geschlagen hat!" Die Redaction des Blattes (Herr Adrien Le Marquand) unterschreibt 1000 Frcs. Hoffentlich wird dieses Werk bald eine sichtbare Gestalt annehmen. Breslau, 14. Mai. Im Rathhaussaale fand heute eine von dem Oberbürgermeister Friedenburg, Professor Röppel und Pastor Späth einberufene Versammlung statt, welche sich mit der Bcrathung von Maßregeln zu Gunsten der russischen Juden befaßte. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 8. Mai. Es würde als undankbar und ungerecht erscheinen, wenn wir die neueste Schrift des Prof. Franz Delitzsch: „Christenthum und jüdische Presse. Selbsterlebtes." (Erlangen, .Deichert, 1882) mit Stillschweigen übergingen, obschon wir derselben, offen ausgesprochen, keinen großen Werth beilegen können. Delitzsch hat sich so große Verdienste um die jüdische Literatur schon im Jahre 1836 („Zur Geschichte der jüdischen Poesie"), wie durch seine Vertheidigung des Judenthums und der Juden („Jüdisches Handwerkerleben zur Zeit Jesu' 1879 „Rohlings Talmudjude", 7. Auflage, 1881) erworben, daß wir auch seine gegnerischen Auslassungen berücksichtigen müssen. Von vorn herein bemerken wir, daß D. sich wiederholt dagegen verwahrt, den Antisemiten einen Dienst leisten zu wollen, da er selbst jede antisemitische Tendenz verurtheilt. Diese Verwahrung wird ihm allerdings nichts, helfen und diese seine Arbeit den Antisemiten sehr willkommen sein. Auch das wollen wir hervorheben, daß D. sich durchaus nicht gegen eine wissenschaftliche Behandlung der Streitfragen zwischen dem Judenthum und Ehristenthum geradezu erhebt, wenn er auch im letzten Abschnitt seines Buches darauf eingeht. Dagegen verwickelte er sich gleich im Anfang in einen starken Widerspruch. Er sagt, daß er nur „Gedrucktes" wiedergebe, um es der Beurtheilüng zu unterziehen. „Aber dieses Gedruckte, weil zumeist in spezifisch jüdischen Organen erschienen, war doch für die christliche Lesewelt so gut wie nicht, vorhanden", aber jeder Christ werde dadurch „von Entrüstung und Aerger ergriffen werden." Wenn diese Auslassungen von Juden nur innerhalb eines beschränkten Kreises der jüdischen Lesewelt geschehen sind, wenn sie dem größten Theil der Juden selbst und der ganzen christlichen Lesewelt völlig unbekannt geblieben, so war auch Entrüstung und Aerger darüber gar nicht vorhanden, und Delitzsch ist es selbst, der diese Entrüstung und diesen Aerger Hervorrust. Nicht jüdische Schriftsteller sind es, welche die Christen ärgern, denen sie völlig unbekannt sind, sondern-Delitzsch, der diese Aeußeruugen emsig zusammensucht und dem größeren Publikum auftischt. Noch auffallender wird dies, da Delitzsch selbst eingesteht, daß viele und hervorragende Juden — und wir schließen uns diesen vollständig an — jede solcher Ausschreitungen verurtheilen und ihre scharfe Mißbilligung ausgesprochen haben; schließlich sind es auch nur wenige spezifisch jüdische Organe, die er anzuführen hat. Bor ihm liegen z. B. die 46 Jahrgänge der „Allgemeinen Zeitnng des Fudenthums", in welchen wahrlich genug polemifirt worden, und er kann keine einzige Aeußerung in derselben anführen - und anschuldigen; vor ihm die Jahrgänge des „Maggid" und er rühmt sie wegen ihrer Besonnenheit und Mäßigung Endlich muß er doch auch wohl zugeben, daß diese durchaus nicht umfängliche Sammlung jüdischer Bitterkeiten verschwindend gering ist gegen die ganz unübersehbaren und oft mehr als gemeinen Schmähungen auf Judenthum und Juden, die wir fast in jedem Zeitungsblatte, in zahllosen Novellen und Romanen, in Pamphleten und Flugschriften und in sog. wissenschaftlichen Werken historischen, nationalökonomischen und philosophischen Inhalts finden, und wir Juden über uns ergehen lassen müssen. Noch sonderbarer erscheint uns das Unternehmen D.'s, wenn . er (S. 6) selbst ausführt, „daß seit der Zeit der englischen Deisten und französischen Encyclopädisten 'christliche Wissenschaft und Belletristik es gewesen ist, von wo die großartigsten und erfolgreichsten Anstrengungen ausgegangen sind, die offenbarungsgläubige Weltanschauung zu untergraben und zu stürzen. Nicht vom Judenthum, sondern von dem von sich selber' abgefallenen Christenthum ist jener Zeitgeist emanirt, welcher größtentheils unsre Tagespresse beseelt." In der That wird D. bekennen müssen, daß die häufigsten und nachdrücklichsten Angriffe auf die christlichen Dogmen nicht von Juden, sondern von Christen ausgingen und ausgehen, und daß die etlichen Juden, die im gleichen Sinne schreiben, sich' nur von diesem Beispiele leiten lassen. Wir werden hierdurch veranlaßt , die Frage auszuwerfen: was hat denn eigentlich D. mit seiner Schrift gewollt und beabsichtigt?' Wir werden es später , erkennen.-— D. giebt die „auf jüdische Leserkreise berechnete Broschüren- und Zeitschriften-Literatur" für „unermeßlich groß" an. Die jüdischen Zeitschriften sollen „in großer Menge" erscheinen. Aber z. B. im deutschen Reich beschränkt sich diese Zahl auf 7, in Frankreich auf 4, in ii

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