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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-23 · Heft 21 (23.5.1882) · p. Seite 337

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 21 (23.5.1882)
Date
1882-05-23
Page
Seite 337 (sequence 5)
Language
German
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gation" keinen officiellen, sondern nur einen privaten Charakter hat. Daß diese nicht, wie Sie in No. 16 der „Ahg. Ztg. des Judenth." meinten, berufen ist, von der Central-Commmission zur Beurtheilung der Judenfrage gehört zu werden, Weder als beschließende, noch als berathende, noch als Experten sind sie, der Commission gegenüber, versammelt. Es ist überhaupt nur eine jüdische nd*dn zur Berathung was wir zu thun haben? — --Der einzelnen Rathgeber gab es übrigens bis hierzu viele. Bald empfahl man uns eine Auswanderung nach „Achal-Teke-Terek" am Kaspischen Meere zu veranstalten, in der Hoffnung, daß in der Folge sich schon ein Moses finden werde, der in jenen Wüsteneien aus Stein das nöthige Wasser liefern werde; bald rieth man uns, unsre Zukunft ausschließlich in Palästina zu suchen; bald hieß es, die Bildung sei an allem Schuld und wir müssen der europäischen Bildung „Valet" sagen, wenn wir unbeanstandet leben wollen, und bald wurde uns von einer Kanzel herab -gepredigt, die jüdische Nation existirt nicht mehr und daß außer in religiöser Hinsicht die Juden — trotz orientalischem Typus und trotz berüchtigter, jüdischer Nase, mit einander Nichts gemein haben. Bald sollen wir uns assimiliren und in Umwandlung unsrer Namen, wie z. B. „Cohn" in „Konsky" „Segal" in „Segalewicz" unser Heil finden; bald sollen wir das Haar unsrer Frauen ä tont prix abschneiden lassen und wir werden — wie durch ein Wunder geholfen werden. Solcher und ähnlicher Rathgeber giebt es bei uns nicht wenige, die hier nicht weiter besprochen zu werden brauchen und die selbstverständlich nichts erzielt haben. . . Möge es nun aber dieser Versammlung gelingen, was einem Einzelnen nicht gelang, nämlich einen Ausweg aus dieser verzweifelten Lage zu finden. Uebrigens hat schon diese Versammlung uns auch ein Opfer gekostet, denn in ihrer am 10. April a. St. stattgehabten Sitzung ereignete sich, wie die „Now." berichten, folgender betrübende Fall. Der Mohilewsche Delegirte, Herr S ch m er ling, ein Mann von 60 Jahren, wurde nach einer längeren lebendigen Rede, in welcher er die beklagenswerthe Lage der schutzlosen jüdischen Bevölkerung schilderte, von einem Unwohlsein befallen und starb, ungeachtet sofortiger ärztlicher Hilfe, nach wenigen Stunden. Die Aufregung in den jüdischen Kreisen über dieses Märtyrerthum können, oder vielmehr können Sie sich nicht vorstellen. \ Einstweilen ist über die Verhandlungen und die Beschlüsse der Versammlung noch Nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen; beim Bekanntwerden derselben aber werde ich selbstverständlich nicht versäumen, Sie davon in Kenntniß zu setzen. — ' Nachdem ich diese Zeilen niederschrieb, kamen mir zwei Blätter aus der Residenz zu Gesichte, die zwar divergirende, aber nichts desto weniger interessante Nachrichten über diese Versammlung bringen. - Der „Petersb. Ztg." zufolge sollen nämlich die jüdischen Deputaten in ihrer letzten Sitzung beschlossen haben, bei der Regierung um Bestätigung eines zu gründenden „Jüdischen Comites zur Unterstützung von Juden, die nach Amerika und Palästina auswandern" nachzusuchen, und dabei projectirt, den betreffenden Fonds auf dem Wege der Subscription zu beschaffen und die mit der Leitung der ganzen Angelegenheit zu betrauenden Personen zu autorisiren, sich mit ähnlichen Comitös im Auslande in Relation zu setzen; dagegen wissen die „Nowosti" zu berichten, daß die qu. Versammlung ein Programm der Maßregeln zur Verhütung der Judenunruhen ausgearbeitet habe, das folgende vier Hauptpunkte enthält: 1) Der Gedanke, die Auswanderung der Juden zu organisiren, ist fallen zu lassen, denn er ist des russischen Staates nicht würdig und läuft den historisch begründeten Baterlandsrechten der Juden zuwider. 2) Es ist zu constatiren, daß das einzige wirksame Mittel zur Beseitigung des Antagonismus zwischen den Juden und der indigenen Bevölkerung die Aufhebung der Ausnahmestellung der Juden ist. 3) Der Regierung ist die Unthätigkeit der localen Behörden zu Zeiten der Unruhen nachzuweisen. 4) Die Regierung ist anzugehen um Ausfindigmachung von Mitteln zur Unterstützung der Familien, die in Folge des mangelhaften Polizeischutzes bei den Krawallen an ihrem Eigenthum beschädigt worden sind. — So die „Nowosti", deren Redacteur en chef, beiläufig bemerkt, Jude ist, und sie daher glaubwürdig in Sachen der Juden sind. Wenn dieses Vorhaben realisirt werden sollte, dann würde sebstverständlich die heikle, schon so viel Unheil angerichtete „Judenfrage" bei uns bald vom Erdboden verschwinden. Ob es aber gerade jetzt ausführbar ist, ist eine Frage, die wir, unsres Erachtens, offen zu lassen glauben müssen. — Ueberhaupt ist es hervorzuheben, daß, während mancher frühere Judenfreund sich gegenwärtig zurückzieht und jeder Berührung mit Juden scheu aus dem Wege geht, drei wichtige Zeitungen f ü r. die Juden in die Schranken treten. Es sind dies: Katkow's „Moskauische Zeitung", der „Golos" und „Nowosti", das populärste Blatt mit einigen 20,000 Abonnenten, das von der mittleren Klasse, Geistlichen, Gutsbesitzern u. s. w. gelesen wird. Hoffentlich werden doch bald noch mehrere Redactionen Patriotismus und Rechtsgefühl genug besitzen, um die Reihen dieser Tapferen zu verstärken. , Lewinsohn. Nach neueren Informationen fragten die versammelten 38 jüdischen Notabeln am Montag an, ob Jgnatiew, welchem sie ihre abgeschlossenen Arbeiten präsentirt hatten, sie in Audienz empfangen wolle. Jgnatiew antwortete, er stehe mit

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