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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-23 · Heft 21 (23.5.1882) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 21 (23.5.1882)
Date
1882-05-23
Page
Seite 336 (sequence 4)
Language
German
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fortgesetzten Verletzungen der Gebote der Menschlichkeit rechtzeitig und energisch hintangehalten werden?- : Es sollte aber auch eine Gegenprobe nicht fehlen. Es läßt den Abg. v. Schönerer, den Entrepreneur des hiesigen Antisemitismus nicht ruhen, sich ein Fiasco nach dem anderen zu erkämpfen. In der Sitzung vom 11. Mai bringt er zwei Petitionen um-Ergreifung von Maßregeln gegen die Einwanderung russischer Juden ein und sagt: Abg. Ritter v. Schönerer: Die Regierung hat bekanntlich bisher durch polizeiliche Willkür-Acte jede öffentliche Erörterung über die Schädlichkeit der Einwanderung der russischen Juden hintangehalten. Wenn nun auch die Regierung trotz der bestehenden, Gesetze über Vereins- und Bersammlungsrecht und der höchst sonderbaren Anwendung des Preßgesetzes jede freie Kritik unserer öffentlichen Zustände unterdrückt, ja sogar den Abdruck der im Äbgeordnetenhause gehaltenen Reden confisciren läßt, so konnte dieselbe wenigstens bis heute das Petitionsrecht des Volkes nicht unmöglich machen. Ich habe heute zwei Petitionen um Maßregeln gegen die Einwanderung russischer Juden überreicht. Da in diesen gleichlautenden Petitionen unzweifelhaft die Stimmung der christlichen Bevölkerung Oesterreichs zum Ausdrucke gelangt (Lebhafter Widerspruch und Ohorufe) — ich meine der christlichen Bevölkerung, so weit sie noch nicht verjudet ist (Schallendes Gelächter) — beantrage ich, daß eine dieser Petitionen verlesen, eventuell vollinhaltlich dem Protokolle der heutigen Sitzung angeschlossen werde. Bei der Abstimmung erheben sich für den Antrag die Abgeordneten Schönerer, Fürnkranz, Löblich, Pfeifer (Krain), Fürstenberg, Herman, Graf, Giovanelli, Zallinger, P. Kljun, P. Gentilinj, Dechant Pflügl, P. Weber, Sternbach, Neumayer, Suda, Hevera, Gabler, Jerzabek, Adamek, Vorel, Zehetmayr. Es waren also nur 22 Abgeordnete, welche die Petitionen im Protokoll erwähnt wissen wollten. Die Behauptung Schönerers: er spreche im Sinne der ganzen christlichen Bevölkerung konnte nicht nachdrücklicher als blauer Dunst bezeichnet werden. Londoner Briefe. XII.. London, 9. Mai 1882. Die Anfrage des Barons de Worms, ob die Regierung jetzt, nach der Ueberzeugung^ daß der bis jetzt eingeschlagene Weg nicht dazu beigetragen hat, die Ausschreitungen gegen die Juden zum Aufhören zu bringen, gewillt sei, der von den Vereinigten Staaten ergriffenen Initiative zu folgen, wurde, wie zu erwarten war, dahingehend beschieden, daß eine.Intervention mehr schade als nütze. Als Laie erlauben wir uns keine Ansicht über die Roth- Wendigkeit, Tagesereignisse auf der Kanzel zu besprechen. Bei uns ist es Sitte, und so hat Rev. Singer in einer der * United Synagogue CH, Darwin eine Lobrede gehalten. Rev. Singer ist der Meinung, der Darwinismus stehe mit der Bibel in keinem Widerspruche, ebenso wenig wie. das Copernicussystem. Er meint, der.Jkkarim sei sogar ein Vorläufer Darwin's gewesen, was wahrscheinlich auf Cap. I. Div. III. Bezug hat. Er sprach einen in einer englischen Synagoge nicht allzu häufig gebrauchten Satz aus: Es ist nicht Aufgabe der Bibel uns zu erzählen, wie die Welt von Gott geschaffen sei, sondern wie der Himmel von Menschen gewonnen werden»kann. *) Der Vierteljahrsbericht der »Palestine Exploration Society“ giebt mehrere Einzelheiten über verschiedene Funde, die der Palästinaforscher Capitain Conder an der Ostseite des Jordan gemacht hat. In der Nähe von hat er mehrere Steingruppen gefunden, unter denen vier die-in (Deutron) erwähnten „Bomauth", nämlich „Bomath Baal", „Baal Peor", Rösch Peor" '■}% by und die „Baal Peor" von Schittim. In Ärak el Enlir glaubt Capt. Conder den bekannten Hircanuspalast gefunden zu haben. Mehrere Funde in Siloam und Amman sind von geringerer biblischer Bedeutung. Nicht lange nach dem Hinscheiden Louis Cohen's, dem Vertreter des orthodoxen Princips in Gemeinde und synagogalen Angelegenheiten, verschied auch Herr David Mocatta, der Stifter der hiesigen Reformsynagoge., Neben dieser Thätigkeit widmete er sich besonders den städtischen Krankenanstalten, von mehreren derselben war er Vorsitzender. Er erreichte ein Alter von 76 Jahren. E. R-z. «usfische Griefe. V. Ihr Berichterstatter ist recht oft in Verlegenheit. Die Thatsachen werden gegenwärtig durch die Tagespresse vermittelst des elektrischen Drahtes und der täglichen Correspondenzen überall hin zur Kenntniß gebracht, und wiederum die Details sind dermaßen herzbrechend und gleichen sich von allen Orten her so sehr, daß man mit wiederholten Schilderungen die Leser nur abschrecken würde. Pöbelexcesse der zerstörendsten und blutigsten Art, Ausweisungen und harte Maßregeln sind an der Tagesordnung. Gestatten Sie mir daher, auf einen anderen uns naheliegenden Gegenstand zu kommen. Außer jenen nimmt die in der Residenz tagende jüdische Notabeln-Versammlung, von deren Zusammenkunft Ich Ihnen bereits berichtete, unsere volle Aufmerksamkeit in Anspruch. Bor Allem muß ich Ihnen mittheilen, daß die „Dele- I i) Es sind auch in mehreren englischen Kirchen Lobreoen auf Darwin gehalten worden. Redakl. .

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