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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-16 · Heft 20 (16.5.1882) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 20 (16.5.1882)
Date
1882-05-16
Page
Seite 329 (sequence 13)
Language
German
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329 dem Gesuch um Unterstützung abgefertigt. Aus' den Briefen derselben geht hervor, daß die Alliance sich entschieden gegen eine Auswanderung nach Palästina ausspricht, selbst in dem Fälle, daß die Juden im Stande wären, dieselbe aus eigenen Mitteln zu bewerkstelligen; die Auswanderung nach Amerika erklärt sie sich dagegen bereit nach Kräften zu unterstützen. Da die Alliance' die Beteiligung der russischen Juden für durchaus nothwendig erachtet, so beabsichtigen viele Juden, bei der Regierung die Genehmigung einer offenen Auswanderung auszuwirken, denn nur in diesem Falle können die russischen Juden ihren Glaubensgenossen öffentlich Hilfe Zukommen lassen. Kiew, 3. Mai. In der verffosseuen Woche sind an 1500 jüdische Familien von hier ausgewiesen worden; viele derselben wandern nach Amerika aus. Bonn, 7. Mai. (Notizen.) Man schreibt uns aus Neuwied, 26. April: Auf einer Reise nach Essen begriffen, verstarb plötzlich in Cöln, von einem Herzschlage getroffen, eine der hervorragendsten Frauen hiesiger Gemeinde, die Ehefrau Eduard Götzel's, Rosa, geb. Nathan. Die im rüstigsten Alter Heimgegangene entwickelte, neben treuester Erfüllung ihrer häuslichen Pflichten, auch im öffentlichen Leben unserer Stadt eine Thätigkeit, die ihr die allgemeine Liebe' und Verehrung in reichem Maße erwarb. Sie war Mitglied der Vorstandschaft des jüdischen wohlthätigen Frauenvereins, des städtischen Frauenvereins zur Krankenpflege, sowie des vaterländischen Fraüenvereins; für ihre aufopfernde, unermüdliche Pflege kranker und verwundeter Soldaten in den Kriegsjahren 1870/71 wurde ihr von des Kaisers Majestät die Kriegsdenkmünze für Nichtcombattanten verliehen. Es konnte daher nicht fehlen, daß das heute hier erfolgte Leichenbegängniß der Verblichenen sich zu einer großartigen Ovation gestaltete. Berwaltungs- und Gerichtsbeamte, Bürger aller Stände und Confessionen betheiligten sich, gemischt unter die Mitglieder hiesiger Synagogengemeinde, am Ehrengeleite. Die Fürstin zu Wied, Prinzessin der Niederlande, ließ einen Kranz auf den Sarg legen, die Fürstin-Mutter zu Wied, Prinzessin von Nassau, gab ihre Theilnahme durch ein Beileidsschreiben au die Hinterbliebenen kund. Am Grabe hielt der Cultusbeamte hiesiger Gemeinde eine tief ergreifende Rede und ein nur aus christlichen Mitgliedern bestehender Männer- Gesangverein steigerte die Feierlichkeit dieses Aktes durch den Vortrag vierstimmiger Trauerchöre. — Man schreibt aus Wien vom 4. Mai: Der Schriftsteller Leopold Kompert feiert am 15. d. M. seinen 60. Geburtstag und sein 40jähriges Schriftsteller - Jubiläum. Der Gemeinderath wird ihm das Bürgerrecht der Stadt Wien taxfrei verleihen. (Wir bedauern, erst so spät hiervon Kunde erhalten zu haben. Redaktion.) Ieuilleton. Die erste viederlastnng russischer Jude» in den Vereinigte» Staaten. In diesen Tagen ist ein interessantes Schriftchen bei I. Kauffmannin Frankfurt am Main erschienen, betitelt: „Bericht über die Bildung der ersten Niederlassung russischer Juden in den Bereinigten Staaten zu Catahoula Parish, Louisiana, erstattet von dem Verein zu Beförderung israelitischer Auswanderer nach den Vereinigen Staaten in New- Aork. Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von oem Comite zur Unterstützung der bedrängten russischen Juden in Frankfurt a. M." Wir heben das Interessanteste daraus hervor. Die erste Aufgabe bestand darin, ein passendes Terrain oufzufinden. Nachdem einige Angebote als ungeeignet verworfen worden, wurde das Terrain der Herren Newman, bestehend aus 2800 Morgen in Sicily-Island, Catahoula Parish im Staate Louisiana gewählt. Das Land ist reich, beinahe zur Hälfte angebaut und ist nicht der Ueberschwemmung unterworfen. In der Umgebung befinden sich mehrere blühende Städte, doch ist New- Orleans sein Hauptmarktplatz, welcher binnen acht und vierzig Stunden per Schiff erreicht werden kann. Catahoula liegt in'günstigem Klima. Die Temperatur steigt selten höher als neunzig Grad Fahrenheit im Sommer, und fällt im Winter selten unter den Gefrierpunkt. Sonnenstiche kommen höchst selten vor. Die Winter sind meist so milde, daß man schöne Gärten unterhalten kann. Folgende Produkte eignen sich am Besten zum Anbau: Baumwolle, Tabak, Zuckerrohr, Korn, Hafer, Reis. Alle unter diese geographische Breite gehörenden Gemüse und Früchte können hier gezogen werden. Die Viehzucht trägt viel ein, da die Gräser nahrhaft sind und das ganze Jahr hindurch blühen. Alle Arten Hühner werden leicht gezüchtet. Die Bevölkerung beläuft sich ungefähr auf elf tausend Seelen, darunter Deutsche, Irländer und Israeliten, welche wohlhabend und zufrieden zu sein scheinen. Nach der Rückkehr dreier Einwanderer , die von ihren Genossen gewählt worden waren, um sich Catahoula anzusehen, und die zehn Tage lang die Colo nie untersucht hatten und günstig über dieselbe berichteten, nahm das Comite das vortheilhafte Angebot der Herren Newman an, welche den Vorschlag machten, daß der Preis von dem Comite in Gemeinschaft mit den Einwanderern besttmmt werden solle. Der festgesetzte Preis war sieben Dollars per Morgen für die

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