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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-16 · Heft 20 (16.5.1882) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 20 (16.5.1882)
Date
1882-05-16
Page
Seite 328 (sequence 12)
Language
German
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am wenigsten leidenden russischen Juden gehören die jüdischen Soldaten, die von ihren Offizieren und Genossen in gleichem Maße mißhandelt werden. Es ist hierüber schon Vieles in das Publikum, wenn auch noch nicht in die Oeffentlichkeit gedrungen. — Jgnatiew versucht, wie ein Telegramm des ..V. T. B." erweist, die Schuld der Verfolgungen von den Schultern der Behörden zu wälzen, allein mit schlechtem Erfolg. Das Verdrehen und Vertuschen hilft so furchtbaren Ereignissen gegenüber nichts. Zu den Beschlüssen, der jüdischen Delegirten gehört: „Zur Kenntniß der Regierung ist der Umstand zu bringen, daß die betreffenden Behörden sich während der Judenverfolgung indifferent und gleichgiltig verhalten Haben." — Aus Moskau wird gemeldet, daß der Gouverneur Fürst Dolgorukow die ferneren Ausweisungen von Juden untersagt hat. Die Erklärung, warum die Moskauer Polizei in so harter Weise gegen die Juden verfahren ist, will man darin finden, daß sie ein Zeugniß ihrer Thätigkeit vor der beabsichtigten Krönung abgeben wollte, nachdem sie ihre Unfähigkeit hinsichtlich der Nihilisten in so auffallender Weise bethätigt hatte. So waren auch hier die Juden das Opfer untüchtiger Behörden. — Der Rußkij Jewrej meldet, daß die im Kubangebiet wohnenden Juden den Befehl erhalten haben, auszuwandern. Kein Einspruch hat geholfen. Än den letzten 14 Tagen haben über 8000 Juden Rußland verlassen. Petersburg, 4. Mai. (Priv.-Telegr. der „Voss. Ztg.") Nach Meldung des „Amtsblattes" Haben in Gombin unbedeutende Jüdenkrawalle stattgehabt, und sind 4 Juden und 2 Christen verurtheilt. In Jekaterinoslaw sind drei Schänken und eine Bude demolirt. — Ein Odessaer Banquier spendete 500,000 Rubel für die Emigration der Juden. — Generalgouverneur Todleben in Wilna richtete sechs Compagnien zu beständigen Patromllendienst ein, um einen eventuellen Losbruch von Unruhen zu verhindern. In Nikolajew hat sich der Juden eine Panik bemächtigt, sie verschleudern ihren Grundbesitz und ihr bewegliches Habe um jeden Preis, um nur fortzukommen. Die Behörden haben energische Vorkehrungen getroffen. -- Im Kreise Elisawetgrad beschlossen zwei Wolostgemeinden, jeden, dem Wolost unterstehenden Teilnehmer an Juden-Unruhen. mit. Ruthenstreichen zu bestrafen. — „Saria" theilt mit, daß der Polizeimeister in Balta seines Postens zufolge eingeleiteter Untersuchung enthoben wurde. Wie weit dem russischen „ Amtsblatt" Glauben zu schenken, erweist die obige Angabe über die Ausschreitungen in Gombin bei Warschau als „unbedeutend." Der „Dzienik Poznanski" erhielt darüber folgende authentische Nachrichten: „Der Kampf zwischen Christen und Juden dauerte zehn Stunden. Sämmtliche Schänken und Judenhäuser wurden geplündert und zerstört, sehr viele Juden durch Schüsse verwundet , mehrere. Bauern getödtet. Die Bevölkerung der Stadt besteht zu drei Viertheilen aus Juden. Zur Untersuchung der Vorfälle ist ein Staatsanwalt aus Warschau angekommen. Militär wurde aus Anbeck und Goßgnin requirirt; dasselbe ist noch anwesend. Die Stadt ist vollständig verwüstet. Petersburg , den 5. Mai. Das drohende Unwetter, das vermittelst der berüchtigten Beschlüsse der von Jgnatiew berufenen Commission über zahllose jüdische Familien hereinbrechen wird, naht sich seinem. Ausbruch immer mehr. . In gut informirten Quellen erzählt man sich, in der Sitzung des Minister-Comitss am letzten Dienstag seien mit 9 gegen 3 Stimmen die Anträge Jgnatiew's, betreffend weitere Beschränkungen russischer Juden auf Basis der Vorschläge der fälschlich objectiv genannten Judencommission verworfen worden. Jgnatiew hatte seine Motivirungsrede mit der Hindeutung aus eventuelle Kabinetsfrage eingeleitet; nach erfolgter Ablehnung seiner Vorschläge vergaß er aber seine angedrohte Demission und negociirte jeden einzelnen Punkt. Seiner Pression nachgebend acceptirte das Minister-Comito folgende Vorschläge behufs Unterbreitung an den Reichsrath: Erstens dürfen die Juden zukünftig liegende Gründe -weder kaufen noch pachten, zweitens dürfen sie sich selbst iw den Gouvernements, wo sie ihren Wohnort haben, nur mit Genehmigung der Gemeinde ansiedeln, drittens dürfen sie keine Schankhäuser pachten oder errichten. Bereits in Kraft stehende Pachtverträge bleiben bis zum Ablauftermin giltig, dürfen aber nicht erneuert werden. Von achtenswerther Seite erfahre ich noch, daß die nationale Moskauer Partei im Einverständnis; mit der heiligen Liga Jgnatiew fallen lassen wolle; auch würde ein energischer, aus dem letzten türkischen Feldzuge sehr bekannter General als sein Ersatzmann candidiren. In Journalistenkreisen wird erzählt, der Redakteur Kreuz der Zeitung ,>Lutsch" habe von Mitgliedern der svcialistischen „Jushni Rabatschi Sajus" (Südlicher Arbeiter-Verband) Drohbriefe, sodann sein Todes- Urtheil erhalten. Kreuz zeigt jedoch keine Angst, er soll auf Drohbriefe und Todesurtheil Antwortartikel geben wollen. Die Censur unterdrückt alle Artikel über die Judenfrage. Petersburg, 6. Mai. In Atakki sind 20 jüdische Häuser abgebrannt und in Alexandrowsk sind, wie „Nowost" meldet, Jndenunruhen ausgebrochen. — In Südrußland Hetzen nihilistische Flugblätter gegen „den Zar, die Gutsbesitzer und die Inden" auf. — Moskau, 28. April. Die Auswanderung der Juden nach Palästina wird noch immer befürwortet; so hat sich zu diesem Zweck in Charkow ein Kreis von 525 Auswanderern vereinigt, eine noch größere Anzahl befindet sich in Elisabethgrad. Letztere haben aus ihrer Mitte zwei. Abgeordnete an die Vertreter der Alliance isra&lite in Paris mit

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