Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1882)
- Date
- 1882-05-16
- Page
- Seite 330 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Colonien von Lovelace. Green und Vf. Peck, die ungefähr acht und zwanzig hundert Morgen, inclusive aller Meliorationen wie Häuser, Hütten, Baumlyoll-Egrenirhäuser, enthalten. Die Abzahlung soll in Ratenzahlungen von 2000 Dollars jährlich, mit dem ersten Januar 1885 beginnend, stattfinden, während der ersten fünf Jahre unverzinslich, und nach-Ablauf derselben mit sechs Prozent zu verzinsen sein. Die Staats- und Gemeinde-Steuern sollen bis zum 1. Januar 1885 von den Herren Newman übernommen werden. Da die beiden ersten Jahre Probejahre sind, so sollen, falls das Projekt nach Ablauf dieser Frist aufgegtzben wird, während derselben weder Steuern noch Miethzins berechnet werden. Eine große Schiffsladung Bauholz wurde nach Catahoula gesandt und Herr E. E. Dreyfus, Haumeister in New- Orleans, übernahm es, ohne Vergütung den Aufbau von vierzig Häusern und einem Magazin zur Unterbringung gemeinschaftlicher .Vorräthe zu beaufsichtigen und auch den Boden in Gartenanlagen umzugestalten. Die Kosten eines jeden Hauses belaufen sich auf . ein hundert fünf und zwanzig bis ein hundert fünfzig Dollars. Ein erfahrener russischer Landwirth, der viele Jahre in der Nähe gewohnt hat, erbietet sich, die Ansiedler im Anbau ihres Landstrichs praktisch zu unterweisen; sollte diese Arbeit sich ihm als zu zeitraubend Herausstellen, so will er sie gegen mäßige Vergütung übernehmen. Hierauf wurde die Verfassung für diese Colonie in 17 Artikeln entworfen und von den Betheiligten angenommen. Es sind in denselben die Grundsätze der Selbstverwaltung unter, der Oberaufsicht des Comites zur Ausführung gebracht. Die Erzeugnisse der Colonie, außer' dem Bedarf der Colonisten werden in New-Orleans für gemeinschaftliche Rechnung verkauft und jedem Einzelnen sein Antheil gutgeschrieben. Die Verkeilung des Podens geschah nach Loosen für jede Familie. Die Niederlassung besteht aus ein und fünfzig männlichen und vier und dreißig weiblichen-Personen, und sechs und sechzig Kindern beiderlei Geschlechts unter fünfzehn Jahren. Die Erwachsenen sind jugendlichen oder mittleren Alters; ältere Leute sind nicht unter ihnen. Sie gingen verschiedenen Berufen nach; Zwölf von ihnen sind Handelsleute gewesen, Elf Landwirthe, Drei Lehrer, Einer Jurist, Einer Zimmermann, Einer Buchhalter, Einer Schriftsetzer, Einer Cigarrenarbeiter, Sechs Handlungsgehilfen, Einer Student, Zwei Tabakschneider, Einer Zinngießer, Einer Sattler, Einer Professor, Einer Tabakfabrikant und Sieben Taglöhner. Alle sind von dem Wunsche durchdrungen, Ackerbauer zu werden. Die Mehrzahl unter ihnen kam, aller Mittel bar, hier an, etliche'unter ihnen besaßen hingegen etwas; im Ganzen genommen belief sich die Summe ans sieben und fünzig hundert Dollars. Davon wurden zwei und dreißig hundert Dollars zu.Niederlassungs-ZN'ecken nach den Anweisungen des Vereins zur Beförderung von Einwanderern in New-Orleans verausgabt; die überbleibenden fünf und zwanzig hundert wurden als Reserve-Fonds für den Nothfall. bei der Direktion jener. Gesellschaft hinterlegt. Was besonders erfreulich ist, die Einwanderer wurden bei ihrer Ankunft in der neuen Heimath aufs Herzlichste empfangen. Die Bürger von Harrisburg hielten eine Volksversammlung, in welcher einstimmig folgende Anträge angenommen wurden: „In Anbetracht dessen, daß unser Staat seit Jahren durch Mangel an Einwanderung leidet und in Folge davon ein großer Theil des Landes nur theilweise angebaut und nothdürftig bestellt wird; und „In Anbetracht dessen, daß eine Anzahl in Folge religiöser Intoleranz neuerdings aus ihrem Heim vertriebener russischer Einwanderer, das Beispiel ihrer Vorfahren nachahmend, die Küsten Amerikas aufsuchten, in der Hoffnung, sich daselbst bürgerlicher und politischer Freiheit erfreuen zu können: Haben wir den Entschluß gefaßt, — daß wir, Bürger von Catahoula Parish, in einem Massen-Meeting versammelt, an dies verfolgte Volk die herzliche Einladung ergehen lassen, sich in unserer Mitte niederzulassen; und daß wir die Einwanderung aller ehrbaren, fleißigen und friedliebenden Bürger, ohne Ansehung des Glaubens und der Abstammung herzlich willkommen heißen,,in der festen Ueberzeugung, daß ihr Beistand in der Hebung der zahllosen und ungeahnten Schätze unseres heimathlichen Bodens uns von größtem Nutzen sein wird. „Und ferner, daß wir Alles, was in unfern Kräften steht, thun werden, .um sie unserer Aufrichtigkeit und Herzlichkeit zu versichern, indem wir ihnen beistehen, sich ein angenehmes Heim unter uns zu gründen, und daß wir ihnen allen nur irgend möglichen Schutz und Erleichterung angedeihen lassen wollen." Nach den neuesten Nachrichten blüht die Colonie rasch auf und erfüllt die besten Erwartungen. Vermischtes. Die englischen Prinzen beim Seder-Abend in Jerusalem. - V Wir entnehmen dem Daily Telegraph: Sir Moses Montefiore empfing folgendes Telegramm von dem Rev. Raphael Meyer Fanigel aus Jerusalem: „Ihre königliche Hoheiten Albert Victor und Georg von Wales und ihr Gefolge haben mir die Ehre erwiesen am Seder-Abend in meinem Hause dem Oster-Gottesdienste beizuwohnen. Ich nahm sie auf, wie es ihrem hohen Range gebührt. Sie zeigten viel Gefallen an der Ceremonie und an dem Gesänge einer Hymne, die besonders ihrer Anwesenheit zu Ehren von dem Chachäm Elyasar gedichtet war. Dann sprach ich den Segen für Ihre Maj. die Königin, den Prinzen und die Prinzessin von Wales und für unsre königlichen Haste. Die Letzteren dankten dafür sehr warm.