Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1882)
- Date
- 1882-05-16
- Page
- Seite 326 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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gottesdienste am Sabbath der Woche, in welche der Sterbebag fällt, und das der Rabbiner zu verrichten hat, mit Nennung des Namens des Vestorbenen, besteht. Dafür'ist ein 'Einkaufsgeld von mindestens M. 100 gü zahlen, daß der Waisenstiftung zufließt. Die Stiftung-Hat bereits die Rechte einer juristischen Person erhalten. Wir bemerken dies, weil sich auch hier die Opferwilligkeit der Israeliten für wohlthätige Zwecke erwiesen hat. Denn in den zwei Jahren hat sich der Fond bereits bis zu M. 35,299 erhoben. Im Jahre. 1881 allein sind M. 17,355 eingegangen. Darunter befindet sich ein Geschenk des Herrn Moritz Freiherrn v. Hirsch in Paris von M. 10,000. Bis jetzt werden zwei Waisen versorgt, so daß ein großer Theil der Zinsen auf den Fond übertragen wird. Wir hoffen daher, daß bei dem weiteren Anwachs des Vermögens , - wenn die Zahl der bedürftigen hiesigen Waisenkinder sich nicht steigert, der in dem Statut vorgesehene Fall eintrete, daß diese große Wohlthat auch auf Kinder auswärtiger Gemeinden ausgedehnt werde. Stuttgart, 1. Mai. (Privatmitth.) Eine Anzahl von angesehenen hiesigen Einwohnern erläßt einen Aufruf, worin es heißt: „Die schweren Verfolgungen, welche die Israeliten in Rußland seit geraumer Zeit erdulden, haben im höchsten Grade das Mitgefühl aller civilisirten Nationen, aller menschlich empfindenden Herzen erregt. Unzählige Familien sind ihrer Habe beraubt, aus ihrer Heimath vertrieben, ihres Erwerbs verlustig. Tausende unterliegen dem Hunger und größten Elend. Nicht bloß augenblicklicher Noth ist zu steuern; die weit schwerere Aufgabe ist zu lösen, den Unglücklichen zur Begründung einer neuen menschenwürdigen Existenz zu verhelfen. Die Ansiedelung der Vertriebene» in Nordamerika hat man in erster Linie ins Auge gefaßt und mit Errichtung von Ackerbaucolonien ist dort bereits begonnen. Zur Durchführung dieser Zwecke aber bedarf es außerordentlich bedeutender Mittel. So wenden wir uns denn an den vielbewährten Wohlthätigkeitssinn unserer Mitbürger und an alle Menschenfreunde mit der dringenden Bitte um rasche und kräftige Hilfe." Unter den Unterzeichnern sind: Oberbürgermeister Dr. v.Hack, Obermedicinalrath v. Landenberger, Geh. Kammerrath Siegle, Director Alwin Moser, die Commerzienräthe Chevalier, Ostertag, v. Pflaum, Schiedmayer, Geh. Hofrath v. Kaulla, Oberstudienrath v. Dillmann, Fab/ Brandauer, Dr. Steiner, Oberconsistorialrath Burk, Stadtpfarrer Zimmerte u. a. Auch in Ulm erschien ein solcher Aufruf, der u. a.' auch von Oberbürgermeister v. Heim unterschrieben ist; im ganzen Bezirk Ulm wird unter Christen eifrig für unsere Glaubensgenossen gesammelt. Möge das Resultat dieser Bestrebungen ein recht erfreuliches sein. Nach der Statistik des Unterrichts- und Erziehungswesens im Königreich Württemberg befanden sich unter 9064 Schülern der Gymnasien 365 isr. Schüler, 6763 ',, Realschulen 345 „ „ v 2462 „ J „ Borbereitungssch. 106 ,K 3305 Schülerinnen der h. Mädchensch. 331 „Schülerinnen. Jüdische Volksschulen bestehen 19 unter evangelischer und 10 unter katholischer Oberaufsicht; die übrigen Gemeinden, besonders Üttsere -Dößerm Stadtgemeinden Stuttgart, Ulm, Heilbronn haben bloß Religionsschulen unter Oberaufsicht der k. isr. Oberkirchenbehvrde. . Fürth, 4. Mai. (Privatmitth.) Nach einer Mittheilung des Reichsanzeigers ist der -hiesigen israelitischen Bürgerschule die Berechtigung zur Ausstellung gütiger Zeugnisse, für den einjährigen freiwilligen Heeresdienst im deutschen Reiche in provisorischer Weise (wie dies bei allen Privatinstituten der Fall ist) verliehen worden. Die ist. Bürgerschule wurde in Anbetracht, daß die israel. Jugend allzüsehr der Ignoranz in religiöser Hinsicht verfallen war, im Jahre 1862 von einflußreichen Vertretern der hiesigen Orthodoxie begründet. Das zur Begründung und Erhaltung der Anstalt nöthige Capital wurde von den Interessenten aufgebracht. Das Institut hat trotz der Schwierigkeiten, mit. welchen jüdische Prioätschulen zu kämpfen haben, auf eine achtungswerthe Höhe sich geschwungen, welcher Umstand desto mehr hervorzuheben ist, als es ohne allen Zuschuß seitens der Cultusgemeinde, auf seine eigenen Mittel und Kräfte angewiesen ist. Einen nicht geringen Antheil an der Müthe der Schule hat der frühere Director Herr Dr. Auerbach und sein Nachfolger Herr Dr. Dessau, sowie der gesammte Lehrkörper. Durch die umsichtige Leitung der Genannten und die thatkräftige Theilnahme und Unterstützung der Interessenten gehört die Anstalt zu den besten und tüchtigsten der hiesigen Stadt. Sie besitzt ein eigenes Haus nebst dazu gehörigem großen Hof zum Tummelplätze für die Schüler und an derselben wirken neun ständige Lehrer und die einschlägigen Fachlehrer bei einer Zahl von etwa 100 Schülern. Die Berufung eines zehnten ständigen Lehrers ist in baldige Aussicht genommen. Das Comitä beschäftigt sich gegenwärtig mit der Frage, auf welche Weise das Gebäude vergrößert werden kann und es erübrigt uns schließlich den Wunsch auszusprechen, daß die israel. Bürgerschule auch ferner der wohlwollendeu Unterstützung von Gönnern sich erfreuen möge und dadurch nicht nur ihr Bestand gesichert, sondern auch ihre Aufgabe, die Schüler mit religiöser und allgemeiner Bildung anszustatten, jederzeit erfüllt werde. Oesterreich-Ungarn.; '" Prag, 1. Mai. (Privatmitth.) Es ist schon mehrfach bemerkt worden, daß außer Wien, wo die Wiener Allianz und die Predigten des Dr Jellinek den Anstoß gegeben, die großen Gemeinden in Oesterreich sich fast gar nicht an dem