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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-16 · Heft 20 (16.5.1882) · p. Seite 325

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 20 (16.5.1882)
Date
1882-05-16
Page
Seite 325 (sequence 9)
Language
German
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Dr. Thomas, -Prediger. R.-Anw. Albert Träger, Mitgl. d. Reichst, u. d. Landt. vr.Ungerleider, Rabb.-Ass. Geh. Med.-R. Prof. vr Virchow, Mitgl. d. Reichst, u. d. Landt. von Wilmowski, Justiz - R. Wolff, Stadtv, Stadtsyndicus Zelle, Mitgl. d. Landt. vr. Zunz. — Der Geheime Commerzienrath von Bleichröder hat für die nothleidenden Juden in Rußland die Summe von 20,000 Mark gezeichnet. — Vorgestern ist mit den Arbeiten zum Bau eines israelitischen Hospitals auf dem jüdischen Friedhofe in der Schönhauser Allee begonnen worden. Das Gebäude findet seinen Pla^ in der Straßenfront des neuen Theiles des Friedhofes, auf .dem bis zu angemessener Entfernung Kon der Straße Beerdigungen nicht vorgenommen werden durften. Leider fehlt eine solche beschränkende Bestimmung für den alten Theil des Friedhofes, und die Gräber, welche meist erst aus neuester Zeit herrühren, liegen dort bis unmittelbar an die Straßenfront. — Als ein bezeichnendes Symptom der gegenwärtigen reaktionären Strömung wird der „Trib." folgendes Vorkommniß mitgetheilt: Eine hiesige jüdische junge Dame, Frl. P., hat sich mit einem Gesuche wegen Errichtung eines Fröbel'schen Kindergartens in unserem Nachbarorte Steglitz an die kompetente Behörde gewendet und darauf den Bescheid erhalten, es könne ihr nur die Erlaubniß zur Begründung eines solchen Instituts für jüdische Kinder ertheilt werden! — In der Sitzung des Herrenhauses vom 6. Mai klagte Graf Schlieben über die schlechte Lage des kleinern Grundbesitzes und über die Ausschlächterei der Bauernhöfe, wofür er besonders die Juden verantwortlich machte, was aber die „Judenpresse" verschweige und nur das „Deutsche Tageblatt" bekämpfe. Der Minister der Landwirthschaft vr. Lucius trat dem entschieden entgegen. Weder die Ausschlächterei habe sich vermehrt, noch sei eine wesentliche Verminderung der Bauernhöfe eingetreten, im Gegentheil haben sich die Grundbesitzer vermehrt, was eine Folge der Zunahme der Bevölkerung sei. Hiermit verstummten die Anklagen, da auch Graf zur Lippe für die Parzellirung sprach. Dresden, im Mai. (Privatmitth.) Wie jährlich hat der Vorstand der hiesigen Gemeinde seinen Verwaltungsbericht für das Jahr 1881 ausgegeben. Wir. verweisen Luf unsre früheren Referate und heben nur hervor, daß die hiesige Gemeinde fortwährend im. Wachsen ist. . An Beschlüssen bemerken wir, daß das Schlußgebet Olenu an Festtagen nur deutsch, jedoch mit dem hebräischen Schlußvers vorgetragen werden soll, daß bei Beerdigungen in jedem Falle ein vom Oberrabbiner 'verfaßtes deutsches Gebet am Grabe gesprochen werde; eine für die russischen Flüchtlinge innerhalb/der^. Gemeinde veranlaßte Sammlung ergab 2380 Mark. Die Religionsschule in 8 Klassen, je 4 für jedes Geschlecht, wurde von 130. Schülern (7 2 Knaben, 58 Mädchens besucht. Die Unterrichtszeit ist Sonntag Vormittag von 8—12, Mittwoch und Samstag Nachmittag von 2—5 Uhr. Die finanzielle Gebahrung der Gemeinde wie ihrer Wohlthätigkeits-Anstalten ist in blühendem Zustande. Das Vermögen derselben wächst. Das Budget für 1882. beläuft sich auf M. 30,500 Bedarf und M. 14,900 Einnahmen, so daß M. 15,600 durch Steuern aufzubringen sind. Da die stimmberechtigten Mitglieder 435 zählen, so beträgt der durchschnittliche Cultusbeitrag ca. M. 36. Colmar, im April. Bekanntlich strebt die katholische. Geistlichkeit mit aller Kraft danach, im Elsaß die bestehenden Simultanschulen zu verdrängen und in Confessionsschulen umzuwandeln. Der Bürgermeister von Colmar verlangte auch vom dortigen Großrabbiner ein dasfallsiges Gutachten, und es wird interessiren, das letztere hier zu lesen. Es lautet: ' Colmar, 2. März 1882. Herrn C. Schlumberger, Bürgermeister der Stadt Colmar. Herr Bürgermeister! In Erwiderung Ihres geschätzten Briefes vom 25. Febr. haben wir die Ehre, Jhnerr ganz ergebenst zu erklären, daß nach unserer Ansicht, kein einziges ernstliches Motiv vorhanden ist, um eine so tief eingreifende Veränderung wie die der Trennung der Culte in unseren Schulen, zu rechtfertigen. Eine solche Maßnahme würde, ohne moralischen Nutzen für die Schulen sowie ohne materiellen Vortheil für die Stadt, der Ausgangspunkt für eine ausgesprochene Bewegung nach rückwärts werden, die um so folgenreicher sein würde, da sie die Lehrer, , die Eltern und die Schüler direkt treffen und eine der bedauerlichsten Agitationen auf den Geist eines großen Theiles der Bevölkerung werden würde. Und doch ist es jetzt Thatsache, daß die Zöglinge unserer Schulen unter dem Einflüsse des freisinnigen und heiteren Charakters, der das glückliche Besitzthum der Kindheit ist, sich gegenseitig als wahre, treue und ergebene Kameraden behandeln, während die gesunde Vernunft, die einfachste Logik, der gesunde Menschenverstand sich sträuben, anzunehmen, daß Kinder, die getrennt erzogen sind, sich später ebenso lieben und achten sollten als die, welche dieselbe Schule besuchen, folglich dieselben Arbeiten machen, gemeinschaftlich die Erholungsstunden verbringen und dadurch in der vollkommensten Vertraulichkeit leben. Auf diese Enquete hin hat der Munizipal-Rath, mit vierzehn gegen dreizehn Stimmen, für das Bestehenbleiben der gemischten Schulen votirt. Münchenim Mai. Mivatmitth.) Im Jahre 1880 beschloß die Verwaltung der hiesigen Gemeinde eine israelitische Waisenstiftung zu gründen, die vorläufig nur für hie-, sige jüdische Waisenkinder bestehen und diese, bis ein Waisenhaus gegründet sein wird, zur Verpflegung und Erziehung gebe. Um die Mittel zu beschaffen, wurde nach dem Vorgänge in. anderen Gemeinden eine Gedenkfeier für Verstorbene. hergestellt, welche in einem Gebete bei dem Morgen-

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