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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-16 · Heft 20 (16.5.1882) · p. Seite 319

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 20 (16.5.1882)
Date
1882-05-16
Page
Seite 319 (sequence 3)
Language
German
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319 Verbindung mit ihm abbrechen." Weiterhin bemerkt er: „Die Intervention gegen die russische Judenhetze würde keinen Tropfen Blutes, kosten, , sobald sie eine allgemeine und gemeinsame wäre." Dann schließt er: „Wenn der Hexentrank der Anarchie in Rußland fertig gebraut sein wird, dann wird er überfließen, und Europa mag ihn austrinken. Das Geschäft wird nicht sauber, aber desto langwieriger und kostspieliger sein. Ein energisches/Veto gegen die Judenverfolgungen, abgesehen von jeder Empfindung, aus lauter Vorsicht, könnte die Dinge zum. Stehen bringen und Rußland auf sich selbst zurückwerfen. Davon aber ist keine Rede, für Europa wenigstens ist Rußland das „heilige" und seine soi-äisant- Regierung ein — gouvernement regulier!“ Somit hat sich die öffentliche Meinung bereits deutlich genug ausgesprochen.!— Nachdem wir Obiges niedergeschrieben, trifft aus New-Dork vom. 3. Mai folgender Bericht ein. Der Präsident hat dem Repräsentantenhause. Cöpien von 40 Depeschen, die seit 1872 zwischen Rußland und den Ver. Staaten bezüglich der russichen Behandlung amerikanischer Israeliten gewechselt worden, ohne Commentar übermittelt. Der amerikanische Gesandte in St. Petersburg , Mr. Foster, benachrichtigte Mr. Blaine, daß sowohl russische, wie amerikanische Juden in Ausübung ihrer Domicil- und Handelsrechte beschränkt seien, worauf Mr. Blaiue erwiderte: die Ver. Staaten erachteten. dafür, daß der Vertrag von 1832 allen Amerikanern sheeisicirte Rechte übertrage und haß, wenn immer dieselben es für nöthig fänden, zu irgend einer Zeit und an irgend einem Orte ihre Interessen persönlich wahrzunehmen, deren Schutz verbürgt sein sollte. Der Vertrag habe den Vorrang vor Municipal-Gesetzen. Die Ver. Staaten erkennen keinen Unterschied zwischen irgend welchen Klassen ihrer Bürger an. Es sei den Ver. Staaten eine Quelle des unverhehlten Bedauerns, daß Rußland sich geneigt zeige, von technischen .Formen Bortheil zu ziehen. Der Ein wand der Russen sei, daß die Juden sich die Härte der Gesetze selber zugezogen hätten, und daß der Vertrag „die Concessionen von deren Unterwerfung unter die russischen Gesetze abhängig mache." Am 15. April schrieb'Mr. Frelinghuysen an Mr. Hoffman, daß das amerikanische Volk die Nachrichten von den Leiden der Juden mit großem Bedauern vernommen habe. Der Präsident fühle, daß der Zar moralisch für keinen dieser Gewaltakte verantwortlich sei, die zu verhindern er augenscheinlich machtlos war. Wenn indeß Mr. Hoffman ein energischeres Vorgehen zu Gunsten' der Juden für möglich halte, wurde er instruirt, eine günstige Gelegenheit wahrzunehmen, um mit allem Respekt zu erklären, daß die Freundschaft der Ver. Staaten zu der Hoffnung berechtige, die kaiserliche Regierung werde Mittel finden, der Verfolgung der Juden Einhalt zu thun; daß indeß, so sehr die Ver. Staaten auch gelegentlich die Handlungsweise anderer Nationen mißbilligen mögen, sie es nicht für ihr Recht halten, sich zudringlich oder beleidigend in deren Angelegenheiten zu mischen. Allein die amerikanischen Vertreter im Auslande sollten keine Mühe'scheuen, um amerikanische Bürger zu schützen, und über solche Angelegenheiten der heimischen Regierung unverzüglich Bericht erstatten. — Hiermit ist allerdings auch von der Regierung der Ver. Staaten nichts Wesentliches zu hoffen. Der Präsident hat der Resolution des Repräsentantenhauses scheinbar Genüge gethan. Er beschränkt sich auf den Schutz amerikanischer Bürger in Rußland, hat aber auch hierin betreffs jüdischer Bürger der Union keinen Erfolg gehabt, was bei einer so lauen Behandlung 'der Sache vorauszusehen war. Wir erhalten von Herrn vr. M. Stern in Landsberg a. d. W. einen längeren Aufsatz, der dahin geht, daß hochherzige Männer sich bei den Staatsregierungen verwenden möchten, gegen die Judenverfolgungen in Rußland Einsprache zu erheben. Daß dies erfolglos sein würde, beweist das Beispiel Englands, wo ^der wiederholte Versuch des Barons de Worms auf Gladstone und Dilke auch nicht den geringsten. Eindruck machte. Die Derliner „Uational-Zcituvg" and die Judenverfolgungen in Rußland. Bekanntlich hat die nationalliberale „National-Zeitung" während der ganzen Periode der antisemitischen Agitation, sowohl als diese in ihrer Blüthe stand, als auch bei der eingetretenen Abwiegelung eine äußerst kühle und reservirte Haltung beobachtet. Sie stellte sich weder auf die Seite der Agitatoren, noch auf die der Gegenwehr. Bei einer derartigen Bewegung, welcher auch der Inhalt und Zweck derselben sei, fällt, eine solche. Haltung stets in die Wagschale der Hetzer, da sie diesen den Schein eines gewissen Rechts läßt. Noch auffallender ist es, daß dieses doctrinäre Blatt selbst den russischen Excessen gegenüber sich in gleicher Weise verhält. Wir begegnen, in dem Morgenblatte der National- Zeitung vom 25. April einem Leitartikel: „Die Judenverfolgungen in Rußland", den wir nicht ohne einige Bemerkungen lassen können. In dem ganzen drei Spalten ausfüllenden Artikel haben wir vergebens auch nur ein Wort der Entrüstung oder nur des Bedauerns, über diese scheußlichen Mißhandlungen schuld- und wehrloser Menschen gesucht. Es kommt dem Blatte nur darauf an, zu demonstriren, daß jene Excesse die Ehre der Regierung angreifen, welche dergleichen „Unfug verhüten, unterdrücken oder bestrafen nicht will oder nicht kann", und daß dieselben für den russischen Staat zukünftig gefährlich werden können, weil diese russischen Bauern „sich seiner Zeit ebenso wohl gegen ihre Herren erheben kön- 20*°

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