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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-09 · Heft 19 (9.5.1882) · p. Seite 311

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 19 (9.5.1882)
Date
1882-05-09
Page
Seite 311 (sequence 11)
Language
German
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gesetzlich sicher gestellt sind; hierzu muß zuvor eine große Skuptschina das fürstliche Decret vom 14./26. Jan. 1879 bestätigen, wonach der Schluß des Artikel 132 der Verfassung vom 29. Juni 1869, der die Ausnahmemaßregeln gegen die Israeliten enthält, beseitigt worden ist. Man hofft, daß nächstens eine große Skuptschina zusammentreten und das genannte Decret bestätigen wird. Amerika. New-Hork, Ende März. (Privatmitth.) Die Tausende russischer Flüchtlinge, die bereits hier gelandet, zerstreuten sich. allmälig über das ganze Land, und dies ist gewiß das Beste, da sie auf diese Weise eher zu einer lohnenden Beschäftigung komnlen und sich leichter den Sitten des Landes accommodiren werden, als wenn sie in großen Gruppen zusammengeballt blieben. In den verschiedenen größeren Städten werden sie freundlich ausgenommen, zum Theil von Comites, anderntheils von Privaten empfangen und von Juden und Christen in der Erlangung eines Broderwerbs gefördert. Handwerkern verschafft man Arbeit, kräftige Männer werden in Fabriken beschäftigt- Das Weitere wird sich nach dem praktischen Sinne der Amerikaner entwickeln, und es ist zu hoffen, daß die anfängliche Furcht, die Emigranten würden eine große Last werden, sich'allmälig verlieren wird. In New-Haven hat man eine praktische Maßregel ergriffen, man hat eine Schule eröffnet, in welcher die russischen Flüchtlinge in der englischen Sprache unterrichtet werden. Diese machen einen äußerst günstigen Eindruck und sobald sie einige Kenntnisse erlangt haben, wird man neue Zöglinge aufnehmen. Ueber die Protest-Meetings weiter zu berichten, erlassen Sie mir. wohl, da sie in fast allen' größeren Städten stattfinden und selbstverständlich in Haltung und Ziel alle einander gleichen. Gewöhnlich wird zuerst vom Bürgermeister eine vorbereitende Versammlung berufen, um dann ein Massenmeeting zu Stande zu bringen, in welchem die glänzendsten, Redner des Landes, besonders auch, die christlichen Geistlichen Ansprachen halten. New-Uork, 2. April. (Privatmitth.) Das größte Massenmeeting, das hier zur Lande bis jetzt stattgefunden, um die Sympathie mit den verfolgten Juden in Rußland und den Einwanderern in Amerika auszudrücken, war das in New-Orleans, und nahmen alle Honoratioren und Behörden der Stadt, welches Glaubens sie auch seien, den lebhaftesten Antheil dckban. In Boston will man zu Gunsten der Flüchtlinge ein großes Conzert veranstalten, für welches die besten Kräfte gewonnen sind. Aus Chicago klagt man, daß die Schwierigkeit, den Flüchtlingen ein Unterkommen und eine Beschäftigung zuzuweisen, dadurch vergrößert werde, daß sie sich beharrlich weigern, am Samstag zu arbeitet: und verbotene Speisen zu verzehren. Sie meinen, wenn sie hätten Christen werden wollen, so konnten sie in Rußland bleiben, wo jede Beschränkung und Verfolgung aufhört, wenn sie sich taufen ließen. — Eine wohlwollende christliche Dame von New-Aork Miß Burr hat unter ihren 3 Millionen Dollars betragenden Legaten dem jüdischen Hospital Mount Sinai und dem jüdischen Maisenhause die Summe von je 10,000 Dollars vermacht. Cincinnati, den 12. April. (Privatmitth.) Das amerikanische Judenthum hat einen schmerzlichen Verlust erlitten, indem der hiesige Rabbiner Dr. Max Lilienthal am 5. d. M. nach kurzem Krankenlager im 68. Lebensjahre das Zeitliche gesegnet. Seine hiesige Gemeinde, in der er 27 Jahre gewirkt, verliert an ihm einen ausgezeichneten Kanzelredner und das amerikanische Judenthum einen seiner thätigsten Rabbiner. Der Verblichene war Stifter und bis zu seinem Ende Präsident der American Rabbinical Association. In letzterer Eigenschaft, war er Herausgeber des “Hebrew Review“, dessen jüngste Nummer 2 Artikel aus seiner gefälligen Feder bringt. Außerdem war er Redakteur des “Sabbath School Yisitor“, einer Wochenschrift für die israelitische Jugend. Am hiesigen Hebrew Union College wirkte er seit dessen Eröffnung als Professor der jüdischen Geschichte. Auch in der bürgerlichen Gesellschaft erfreute er sich eines hohen Ansehens, indem er als beliebter Volksredner und als sehr thätiges Mitglied des Schulrathes wie auch des Direktoriums der hiesigen Universität - hohe Verdienste um die öffentlichen Angelegenheiten, besonders um das städtische Schulwesen sich erworben. Die allgemeine Verehrung gab sich denn auch bei dem am 9. d. stattgehabten Leichenbegängniß zu erkennen, welches eines der großartigsten war, das unsre Stadt je gesehen. Die Repräsentanten aller Gesellschaftsklassen, aller Nationalitäten, aller Religionen und der verschiedenartigsten Organisationen waren erschienen, um dem Todten, der ihnen Allen nahe stand, die letzte Ehre zu erweisen. Nachdem im Trauerhause eine Leichenfeier stattgefunden, bei welcher der Professor Dr. M. Mielziner eine ergreifende Ansprache hielt, wurde der Sarg nach dem dichtgedrängten Tempel der Gemeinde gebracht, wo ein sehr feierlicher Trauergottesdienst abgehalten wurde. Hier hielten der hiesige Rabbiner Dr. D. M. Wise, der Rabbiner Dr. A. Moses aus Louisville und Dr. Hahn aus Cleveland und auch der Rektor der hiesigen Universität sehr ergreifende Reden, in welchen die glänzenden Tugenden und Verdienste des Verblichenen gebührend gewürdigt wurden. An 200 Equipagen folgten dem Leichenwagen nach dem entfernten Gottesacker. Tunis. Tunis, 9. April. Die Times berichten: Die israelitische Bevölkerung in Tunis besteht aus 30,000 Seelen, unter ihnen die bedeutendsten Geschäftsleute. Vor einigen Jahren hatten

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