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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-09 · Heft 19 (9.5.1882) · p. Seite 312

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 19 (9.5.1882)
Date
1882-05-09
Page
Seite 312 (sequence 12)
Language
German
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312 die Griechen *) die Gewohnheit, jeden Ostersonntag ein Bildniß eines jüdischen Rabbiners'in Procesfion durch die Straßen zu tragen und es unter den Mauern ihres Kirchhofes zu verbrennen. Dieser Ceremonie folgte gewöhnlich die Mißhandlung irgend eines Juden, der gerade in der Nähe war. Durch den Einfluß des Sir Richard Wood wurde dieser barbarische.Gebrauch abgeschafft und säst ganz vergessen. In diesem Jahre lebte er in großem Umfange erneuert wieder auf und wurde in Anwesenheit einer großen Volksmenge und unter Abfeuern von Gewehren ausgeführt. Die Juden wollen jetzt an ihre Glaubensgenossen in London, Paris, Berlin und Rom darüber Beschwerdeschreiben richten. Es ist sehr zu beklagen,.daß die französischen Behörden das erste Jahr ihrer Occupation durch eine derartige schändliche Demonstration ausgezeichnet haben, die mit dem Geiste und der Mission der Civilisation so ganz im Widerspruche steht. Bonn, 30. April. Notizen. Man schreibt uns aus Hamburg, 27. April: Der Prediger der hies. israel. Tempelgemeinde Dr. Max Saenger ist gestern Nachmittag während einer Trauung vom Schlage gerührt worden, und heute morgen verschieden. Allgemein erkennt man an, daß der Verblichene sich hier in allen Schichten der jüd, und christl. Bevölkerung wegen seiner Leutseligkeit und Wohlthätigkeit großer Beliebtheit erfreute und ein Mann von ausgezeichneter Rednergabe und gediegenem philosophischem und hebräischem Wissen war. Der Verblichene war im Jahre 1821 in Laupheim geboren und seit 1867 Prediger am hiesigen Tempel. Friede seiner Asche! -- Der jüngst verstorbene L. D. Lev6 hat außer zahlreichen Legaten für allgemeine wohlthätige Werke 2000 Lires Renten dem israelitischen Institute von Mantua und 1000 Lires Renten dem zukünftigen italienischen Rabbinerseminar vermacht, für welches der Großrabbiner Mortaro und den Baron Treves sich sehr bemühen. Bis jetzt sind für das letztere 5000 . Lires Renten gesammelt. — Man schreibt aus Cöln: Ein 22jähriger Metzger von Bergheim konnte sich als Sohn des Dieners der Synagoge daselbst jederzeit den Zutritt zu der letztem: verschaffen. Derselbe entwandte einige Tage vor Fastnacht dieses Jahres aus einem in der Synagoge befindlichen unverschlossenen Schranke einen seidenen Vorhang, aus welchem er sich einen Fastnachtsanzug anfertigen ließ. Der junge Mensch stand dieserhalb heute vor Gericht; er räumte den Diebstahl ein, gab aber als Entschuldigung an, der Vorhang sei seit zehn Jahren zu kirchlichen Zwecken nicht mehr gebraucht worden, was jedoch von dem geladenen Zeugen mit der Erklärung widerlegt wurde, daß der Vorhang noch in jüngster Zeit zur Bekleidung der 1) Es war dies bei dem griechischen Pöbel ein alter Brauch, der früher auch in Athen ausgeübt wurde, den aber die griechische Regierung unterdrückte. Redact. d. AZ. d..J. - Bundeslade in Gebrauch gewesen sei. Das Urtheil lautete auf 1 Jahn Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren. — Man schreibt uns aus Wreschen vom 23. April: Heute Nachmittag fand die feierliche Beisetzung des am 20. d. Mts. verschiedenen Königlichen Kreis-Physikus, Stabsarztes a. D. Dr. moä. Theodor Paradies statt. Trauernd stehen die Gattin' nebst 2 unmündigen Kindern, die tiefgebeugte Mutter und Geschwister an der frühzeitigen Gruft. Die Spitzen der Kreis- und. Stadtbehörden, der Adel, die Stadt- und Landbevölkerung aus der ganzen Umgegend haben sich dem Leichenzuge zu Fuß und zu Wagen angeschlossen. Denn mit dem Dahingeschiedenen ist eine Zierde Wreschens zu Grabe getragen worden. Vor dem Leichenwagen schritt der Kreis-Sekretär Wiesner, das Eiserne Kreuz und die Denkmünzen aus den Jahren 1864, 1866, 1870 und 71 auf einem Sammetkissen tragend. Die Schützengilde, die Landwehrvereine von hier und aus dem Kreise und die hiesige freiwillige Feuerwehr gaben die Leichenpärade. Nur 44 Jahre hat Dr. Theodor Paradies gelebt! In Tremessen geboren, Sohn einer sehr achtbaren Familie, hat er sich durch sein ganzes Leben wahre Menschenliebe, in seinem Berufe als einen aufopfernden Arzt erwiesen. Seit 1860 unserem Kreise als praktischer Arzt angehörig, seit 1875 als Physikus, viele Jahre als Stadtverordneter und seit 1879 auch als Magistratsmitglied thätig, hat er sich die Achtung so Vieler erworben. Am Grabe sprach Herr Rabbiner. Dr; Ehrenfeld in Gnesen. Redner entrollte mit großem Nachdruck das Charakterbild des edlen Verblichenen in ergreifenden Worten. Mit Abfeuern der Ehrensalven über das Grab durch eine Sektion unserer Schützengilde schloß die in ihrer Art imposante Feier, welche abermals bewies , daß in den Herzen echter Bürger und Menschen die ausgestreute Saat der Humanität stets aufgeht. Pest, 16. April. (Literarische Notizen.) Vor ungefähr zwanzig Jahren brachten verschiedene Journale, wenn ich mich nicht irre, auch diese Zeitung die literarische Notiz, daß M. Lettens mit einer Biographie Josef von Sonnenfels beschäftigt sei. Die erwartete Biographie ist erst jetzt erschienen, nicht aber von dem vor 11 Jahren verstorbenen Lettens, auch nicht von Dr. Ad. Wiener, welcher mit einer fertigen Sonnenfels-Biographie nach Amerika auswanderte und dort mitsammt der Biographie verschollen ist, sondern von Franz Kopelzky unter den Titel: Josef und Franz von Sonnenfels. Das Leben und Wirken eines edlen Bruderpaares nach den besten Quellen dargestellt. (Wien 1882, Mor. Perles.) Hofrath Sonnenfels hat auch für die Juden und ihre Geschichte mannigfaches Interesse, ganz abgesehen davon, daß er dem jüdischen Stamme angehörte. Sein Großvater war R. Michel Chaßid, der 10 Jahre als Rabbiner in Berlin wirkte; dessen Sohn Lipmann mit dem Beinamen

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