Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-09 · Heft 19 (9.5.1882) · p. Seite 310

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 19 (9.5.1882)
Date
1882-05-09
Page
Seite 310 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227393-3227413--39869-3257475
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

310 reits genügend durch den Einzug der Franzosen in die heilige Stadt verletzt und jenen Aufzug hatten die Griechen unter der Herrschaft des Bey niemals gewagt.' Großbritannien. London, 26. April. Auf eine Anfrage des Deputirten Worms erwiderte der Unterstaatssekretär Dilke heute im Nnterhause, nach einem Berichte des englischen Viceconsuls in Odessa sei bei den Vorgängen in Balta ein Jude getödtet, viele andere seien schwer verletzt worden, auch sei ein Fall von Schändung einer Frau konstatirt; Kinder seien nicht ermordet worden; der durch Zerstörung von Privateigenthum angerichtete Schaden werde auf circa eine Million Rubel geschätzt. Die russischen Behörden seien energisch bemüht, die Schuldigen zu verhaften. Bon Deutschland sei in der russischen Judenfrage eine Collectivnote der europäischen Mächte nicht angeregt worden. (An die letztere Ente glaubten wir nicht. Daß der Bericht des Viceconsuls wieder, wie sein früherer Bericht, unzulänglich und gefärbt ist, brauchen wir kaum zu bemerken. Redaktion.) Rußland. Petersburg, 25. April. (K. Z.) Die Juden wandern aus Rußland nach Palästina aus. 800 gehen dorthin am 19. Mai von Odessa ab. — Der General-Gouverneur Gurko meldet, daß eine Abtheilung Militär, welche zur Herstellung der Ruhe in die durch die Judenverfolgungen rebellirten Ortschaften ausgesandt war, von einem Trupp Bauern über-- fallen und am Weitermarsche verhindert wurde. Petersburg, 25. April. In Kamenetz in Podolien hat eine Feuersbrunst einen großen Theil der jüdischen Häuser und Läden zerstört und über eine halbe Million Rubel Schaden angerichtet. Solche Feüersbrünste traten auch im vorigen Jahre nach den Jüdenexcessen ein. Rußland muß immer mehr verarmen und die Staatseinnahmen verringern sich in fühlbarer Weise. Bemerkenswerth ist, was die Bohemia aus Odessa vom 25. April meldet: Die Bewegung gegen die Juden beginnt' sich auch auf die Deutschen zu erstrecken. Die im Elisabethgrader Kreis, in der Nähe von Nowa-Praga gelegene Colonie von Deutsch-Böhmen, wurde von einer Rotte überfallen und ausgeplündert. Kiew, 27. April. Heute begann der Auszug der von hier ausgewiesenen Juden; in dem Stadttheil Podol allein wurden in Folge des Auszugs gegen 600 Wohnungen frei. Bereits petitioniren die Bewohner Kiews gegen die Ausweisung der Juden. — General Gurko in Odessa hat in einem Tagesbefehl die Kommandanten in Garnisonorten beauftragt, auf die Nachricht vom Ausbruch eines Judenkrawalls sofort, ohne besonder« Befehl abzuwarten, innerhalb der Entfernung eines Tagesmarsches der Polizei zu Hilfe zu eilen. — Einer telegraphischen Nachricht zufolge steht der beste Stadttheil von Mohilew Podolks in Flammen. — Am 19. brachen Judenverfolgungen in Wolkowinzi und drei nächst gelegenen Orten aus. — In Grodno sind 500 jüdische Kauarbeiter brodlos. Die Christen geben ihnen keine Beschäftigung, . Petersburg, 23. März. Nach dem Rechenschaftsbericht des Kijewschen Comites zur Unterstützung der Juden, .welche durch die Unruhen im Jahre 1881 gelitten, ist im Ganzen, wie der „Golos" mittheilt, bis zum 1. Oktober 1881 die Summe von 153,974 Rbl. zur Vertheilung gelangt. Von dieser Summe fallen auf Kijew und seine Vorstädte 95,311 Rbl., auf die benachbarten Dörfer und Flecken 9373 Rbl. und auf andere Städte und Ortschaften 49,290 Rbl.; 4787 jüdische Familien, welche 24,160 Seelen zählten, erhielten Unterstützungen. Der Schaden, welchen diese Familien durch die Unruhen erlitten, ist von dem Comitö annähernd auf 2,474,876 Rbl. angegeben worden. An Spenden flössen dem Comitö bis zum 1. Oktober 1881 218,482 Rbl. zu, davon 72,965 Rbl. aus dem Auslande, 63,017 Rbl. aus dem Innern des Reiches und der übrige Theil durch Vermittelung des Baron Günzburg aus St. Petersburg. — Nach einer Meldung des „St. Petersburger Herold" aus Kiew ist daselbst verfügt worden, daß die jüdischen Einwohner ihre, im Podol, dem Geschäftsbezirke, belegenen Wohnsitze aufzugeben und sich jenseits des Kanals in die Vorstadt, zurückzuziehen haben. Ferner dürfenjüdische Dienstboten, wenn sie nicht berechtigt sind, in Kiew zu wohnen, nicht länger bei ihrer Herrschaft und in der Stadt bleiben. Die jüdische Bevölkerung muß sich verpflichten, ihre christlichen Dienstboten zu entlassen. — Der Prokurator des Kiewer Kriegsgerichtes Strelnikoff ist unerwartet in Odessa eingetroffen, wo er sofort nahezu 250 Personen, darunter Arbeiter, Lehrer, Studenten und zahlreiche Juden, wegen verdächtiger Umtriebe verhaften ließ. Es sollen noch weitere Verhaftungen bevorstehen. Serbien. Belgrad, im März. Das Monatsheft der Hl. -isr. univ. berichtet von hier: Die Regierung und die Kammern von Serbien behandeln die dortigen Israeliten, dem leiste des Berliner Vertrages gemäß, mit vieler Unparteilichkeit. In' der Skuptschina giebt es 2 israelitische Abgeordnete; außerdem sind mehrere unserer Glaubensgenossen in die Verwaltung und Justiz berufen worden; die öffentliche Meinung hat diese Berufungen freundlich ausgenommen, und die Israeliten verabsäumen keine Gelegenheit, um den thätigen Antheil zu beweisen, den sie an dem nationalen serbischen Leben nehmen, und um durch ihren Patriotismus das Vertrauen der Regierung zu. rechtfertigen.' Sie genießen bereits alle bürgerlichen >und staatlichen Rechte, obgleich diese Rechte ihnen noch nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.