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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-09 · Heft 19 (9.5.1882) · p. Seite 309

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 19 (9.5.1882)
Date
1882-05-09
Page
Seite 309 (sequence 9)
Language
German
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schrieben: Hier hat sich gestern unter Vorsitz des Herrn Oberkantors Friedmann ein „Ungarisch-israelitischer Knltusbeamten-Verein" konstituirt. Brünn, 22. April. Ein hiesiger czechischer Verein beabsichtigt für Pfingsten eine antisemitische Versammlung einzuberufen, um den Enunziationen der Arbeiter Paroli zu bieten. Lemberg, 27. April. Die Polizei-Direktion hat das hiesige Hilfscomitö aufgefordert, für die Weiterbetörderung der hier in großen Massen aus Rußland angelangten jüdischen Flüchtlinge, die sich in trostlosem Zustande befinden, ehestens, womöglich noch bis zum heutigen Abende, Sorge-zu tragen. Das Comito hat sich in Folge dessen mit den Delegirten in Brody telegraphisch ins Einvernehmen gesetzt. Baron Montague, vr. Asher und der Präsident des hiesigen Cultusrathes, Lazarus, haben sich mit dem heutigen Eilzuge nach Brody begeben, um Anordnungen für die Beförderung der Auswanderer zu treffen. Die in Lemberg angekommenen russischen Studenten jüdischer Confession werden auf Kosten des Comitös bis zu ihrer Weiterbeförderung verpflegt. Die Repräsentanten des Londoner Mansion-House-Comitös und Prediger Löwenstein reisen morgen nach Pest, um auch in Ungarn die Betheiligung an der Hilfsaction für die in Rußland verfolgten Juden anzuregen. Aus Ungarn, 25. April. (Privatmitth.) In der Fachschrift der „Ungar. Naturwissenschaftlichen Gesellschaft" wird darauf hingewiesen, daß die „ausgezeichneten ungarischen Astronomen an ausländischen Instituten der Wissenschaft dienen." Der Verfasser jenes Artikels hätte wohl auch bemerken können, daß diese „ausgezeichneten ungarischen" Astronomen: der gegenwärtige Direktor des Pariser Observatoriums Herr Löwy aus Preßburg, der Assistent des Pariser Observatoriums Herr Schulhof aus Baja und der Astronom Herr Moritz Löw in Potsdam — Juden sind. — Wir entnehmen dem„Egy.": In der letzten Kongregation des Graner Komitats tauchte die Frage auf, ob man den aus verschiedenen russischen Orten vertriebenen Juden gestatten, könne, sich im Komitate anzusiedeln? Die Meinungen waren sehr getheilt. Die Abstimmung ergab pro uni) contra die gleiche Stimmenzahl. Da in solchem Falle der Obergespan entscheidet, stimmte der präsidirende Obergespan Georg Majläth jun. im verneinenden Sinne. Die anwesenden Juden verließen in demonstrativer Weise den Sitzungssaal. Frankreich. Paris, 23. April. Der officiöse „National" bringt eine Mittheilung über den Fürsten Orlow, den russischen Gesandten bei der französischen Negierung, der nach Petersburg berufen ward, wo ihm ein Ministerium angetragen worden, das' er jedoch ablehnte, um Botschafter in Paris zu bleiben. Dann heißt es: „Man schreibt seinem Einfluß die günstigeren Gesinnungen zu, welche sich in der Umgebung des Kaisers betreffs der Judenfrage geltend gemacht haben. Der Fürst Orlow, erklärter Anhänger der bürgerlichen Gleichheit der Culten, unterbreitete weiland dem Kaiser Alexander II. (1859) über die Sache eine Denkschrift, welche einiges Aufsehen machte. Diese Denkschrift ist von den russischen Blättern gebracht worden und wird ins Französische übersetzt werden." — Jndeß können wir über diese Denkschrift, so weit sie die Juden betrifft, Folgendes mittheilen. Mit staätsmännischem Scharfblicke erklärte Fürst Orlow, es könne sich bei der Frage wegen der bürgerlichen Berechtigung der Juden nicht um die Stammeseigenschaft, nicht um den Namen, den diese Bevölkerungsclasse trage, handeln. Der einzige zu erörternde Punkt sei: „Sollten die Juden in Rußland unter einem Ausnahmsregime belassen werden, oder ist es vortheilhafter, auf sie das allgemeine Recht anzuwenden?" Das Gesetz, welches den Juden die Niederlassung in Großrußland .versagte, beruhte auf politischen Gründen, die heute kein Recht mehr zu bestehen haben. Die Judenfrage läßt sich mit außerordentlicher Leichtigkeit lösen, wenn dabei folgende Grundsätze festgehalten werden: 1. Den Juden alle persönlichen und Familienrechte zu verleihen, welche die anderen russischen Unterthanen genießen. 2. Aus der Fremde kommenden Juden das Niederlassungsrecht mit denselben Bedingungen wie anderen Ausländern zu gestatten. 3. Alle Beschränkungen aufzuheben, welche fremde oder einheimische Juden verhindern, Bank- und Handelshäuser in Rußland zu errichten. Diese letztere Bestimmung würde zur Folge haben, Kapitalien heranzuziehen, welche der Industrie einen kräftigen Aufschwung verleihen können. Der Unternehmungsgeist der Juden werde da ein weites Feld der Thätigkeit finden, die sich zum Heile Rußlands geltend machen würde. Wohl ist das den Juden in Rußland ungünstige Borurtheil noch sehr kräftig. Noch werden Jahre vergehen, ehe diesem Stamme volle Gerechtigkeit^ widerfahren wird; aber wir hoffen, daß die Civilisation endlich über das Vorurtheil siegen werde, und sagen mit Guizot: „Es giebt nur Eine Wahrheit, und Jene, die gewissenhaft bestrebt sind, sie zu suchen, werden sie am Ende immer finden." — Es ist unangenehm aufgefallen, daß gerade unter der französischen Herrschaft in Tunesien bereits zwei Akte der Intoleranz gegen die Juden sich abspielten: Der Ausschluß derselben aus der Stadt Karuan durch den französischen Obersten, um die Gefühle der Mohamedaner zu schonen, und der empörende Aufzug des griechischen Pöbels mit dem Bilde eines Rabbi am Charfreitage, das alsdann verbrannt wird. Die Gefühle der Mohamedaner waren be-

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