Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1882)
- Date
- 1882-05-02
- Page
- Seite 294 (sequence 10)
- Language
- German
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es, auch bei uns schon eine Art Waguiß, eine öffentliche Versammlung in dieser Angelegenheit zu berufen^) deshalb sei diese Versammlung als eine trauliche einberufen worden; Mit einem warmen Appell an die Besitzenden schloß der Redner unter lautem Beifall. — Ludwig Löwe motivirte es, weshalb man den Appell an weitere Kreise, als die der Glaubensgenossen erlassen habe. Daß man versuchen könnte, auch hier diese Instinkte zu entfesseln, hat den Bestien im Nachbarlande erst den Muth gegeben. Deshalb haben wir die doppelte Pflicht, dem Unglück zu helfen. — Hiermit wurde die Diskussion geschlossen und vom Vorsitzenden eine Resolution verlesen, des Inhalts, daß die Versammlung.ihre wärmsten Sympathien mit den Bestrebungen des Comitss ausspreche, dasselbe ersuche, seine Thatigkeit fortzusetzen und sich in geeigneter Weise zu ergänzen. Dieselbe gelangte einstimmig zur Annahme und schloß Herr v. Forckenbeck die Versammlung mit der Aufforderung zum thatkräftigen Eintreten für die Verwirklichung der Bestrebungen des Comitös. Die ausgelegten Listen bedeckten sich alsbald mit zahlreichen Einzeichnungen hoher Beiträge, darunter viele von 1500, 1000 Mark rc. — Die - Einzeichnung^ freiwilliger Beiträge für die aus Rußland flüchtenden Juden, welche in der Versammlung im Nachhause unmittelbar nach Schluß derselben stattfand, ergab ein überaus stattliches Resultat. Es wurden gegen 60,000 Mark in Beträgen von 20 Mark aufwärts bis 6000 Mark gezeichnet. Letztere Summe ist allerdings nur einmal vertreten. Es folgen 5000 Mark von einem hiesigen Bankhause, zwei Zeichnungen ü 3000 Mark, eine zu 2000, und etwa 20 zu 1000 Marü Wie verlautet, haben'einige an persönlichem Erscheinen verhinderte Eingeladene in Zuschriften an das Comito sehr beträchtliche Summen genannt, mit denen sie sich an dem Hilfswerke, zu betheiligen wünschen. — Im hiesigen „Jüdischen Lehrer-Seminar", Große Hamburger Str. 27., fand am letzten Freitag die Prüfung der Candidaten für das Volks-Schul-Amt statt. Bon den neun Examinanden erhielten sieben das Zeugniß der Reife. — Der bekannte Antisemit Lieberman von Sonnenberg ist dieser Tage wegen „Verleumderischer Beleidigung" des Polizei-Präsidenten v. Madai — er hatte in Wahlversammlungen behauptet, Herr v. Madai habe erzählt, Ludwig Löwe kaufe die sozial-demokratischen Stimmen mit. englischem Gelde — zu 50 Mark Geldstrafe verurtheilt worden. .Oesterreich-Ungarn.. Wien, 11. April. Die Osterfeiertage wurden von den Arbeitern vielfach dazu benutzt, um Volksversammlungen und Arbeitertage zn veranstalten, die sämmtlich zahlreich besucht 3) 'Hiermit hat der Redner ein Urtheil über die Bevölkerung Berlins ausgesprochen, wie es schlimmer nicht ansfallen kann, noch dazu im Gegenbilde von Wien.. , v Redakr. waren. Eine größere Bedeutung' hat indeß nur eine von, dem-Maschinenarbeiter Bauer in Schwemdorfers Gasthaus auf der Simmeringer Hauptstraße einberufene deutschslawische Volksversammlung, die von etwa 1500 Arbeitern besucht wurde. Die verschiedenen Redner beschränkten sich nämlich nicht darauf, blos zur Tagesordnung: „Die wirtschaftliche Lage der Arbeiter " zu sprechen, sondern gedachten auch der antisemitischen Bewegung und vernrtheilten dieselbe aufs schärfste. Die Abg. Kronawetter und Schönerer, insbesondere aber der letztere, kamen dabei ziemlich schlecht weg.' Wien, 17. April. Die hiesige Staatsanwaltschaft hat gegen den Arrangeur der Antisemitenversammlung Holnbek die Anklage wegen Vergehens der Aufreizung erhoben. Wien, 21. April. (Privatmitth.) Die hiesigen Journale veröffentlichen folgende Notiz: „Die Abhaltung einer von Franz Holubek für Montag den 24. April, Abends um 8 Uhr, in Dreher's Bierhatte, Landstraße, Hauptstraße Nr. 97, mit der Tagesordnung: „Die Juden-Emancipation in'Oesterreich und ihre Folgen in gewerblicher, politischer und sittlicher Beziehung" einberufene Versammlung christlicher Gewerbetreibender wurde auf Grund des §. 6 des Gesetzes über das Versammlungsrecht vom 15. November 1867 behördlich untersagt. (Der citirte Paragraph lautet: „Versammlungen, deren Zweck den Strafgesetzen zuwiderläuft oder deren Abhaltung die öffentliche Sicherheit oder das öffentliche Wohl gefährdet, sind von der Behörde zu untersagen.")" Ich glaube also sagen zu dürfen, daß diese Episode znm Abschluß gekommen ist. Es freut mich, daß es mir gegönnt war, von Anfang an die Situation richtig aüfzufassen, und verweise ich in dieser Beziehung auf eine Correspondenz in Nr. 38. dieser Zeitung vom Jahre 1881. Man kann ein politischer Anhänger oder Gegner des Ministerpräsidenten Grafen Taaffe sein; dessen jedoch kann man gewiß sein, daß er das freisinnige Moment der, Verfassung nicht verkürzen wird. Graf Taaffe ist auch Cavalier im besten Sinne des Wortes und nicht Junker. Schließlich ist. auch wohl Folgendes zu beachten. Wir in Oesterreich haben mit so. viel Schwierigkeiten zu kämpfen, daß kein vernünftiger Mensch, der die Interessen des Staates im Auge hat, seine Hand dazu bieten wird, zu der bestehenden Frage eine neue hinzuzufügen. — Das vor einigen Jahren neu erbaute polnische Bethaus ist unter den Hammer gekommen und wird jetzt zu einem Waarenmagazin verwendet. Es ist dies eme Illustration zu der Anschauung, daß die Juden massenhafte Reichthümer besitzen. Lemberg, im April. (Privatmitth.) Das ungeheuerliche Projekt des Krakauer Rabbiners Schreiber, die jüdischen Gemeinden Galiziens durch ein Gemeindestatut ihren Rabbinern vollständig unterthan zu machen, kann als gänzlich gescheitert