Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1882)
- Date
- 1882-05-02
- Page
- Seite 292 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227393-3227412--39850-3257455- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
und Sicherheit herrscht, und der Kaiser über Allem wacht. Alles erhält — ja der Kaiser ist es, der mit starker Hand Ordnung und. Recht aufrecht hält, ohne Ihn würde Alles untereinander gehen." Nun, Recht und Gesetz, Regierung und Kaiser sind noch da und dennoch ist an zahllosen, wehrlosen Juden Alles das in Erfüllung gegangen, .was der Redner befürchtete, und zwar schon nach einem Jahre. So viel kommt darauf an, wer Recht und Gesetz zu verwalten, wer die Regierung und die Staatsgewalt zu leiten hat! — Abermals verdanken wir der englischen Gelehrsamkeit ein verdienstolles Werk,, die Drucklegung einer Schrift, die bis jetzt nur in Manuscript vorhanden war. Es ist dies das lexikalische und mit einer grammatikalischen Einleitung versehene □nci'n be§ R. Moseh Ben Jizchak, wie dieser in der Vorrede sich selbst nennt: n:nDD 'trN nfotwn p ywn. Er hat den Titel onc? gewählt, weil darin die Buchstaben seines Namens enthalten sind. Herr Professor George Wolseley Collins N. A. bom Christ - College in Cambridge und Professor des Hebräischen! in Oxford giebt dieses. Werk aus dem Manuscripte in der Bodleianischen Bibliothek und verglichen mit einem Manuscript in der kaiserlichen Bibliothek von Petersburg (Trübner & Comp, in London, 1882) heraus: Durch die Güte des Herausgebers liegt uns als Vorläufer' das Quartheft vor, welches das Vorwort des Herausgebers und den Text der hebräischen Einleitung giebt. Von dem ganzen Werke war bis jetzt nur der Anfang der Einleitung durch Dukes im „Orient" 1844 bekannt gegeben worden. Herr Collins giebt in seinem (englisch geschriebenen) Vorwort eine kurze Geschichte der hebräischen Grammatik und Lexicographie vom 10. Jahrhundert an, um dem Rabbi Moseh die Stellung anzuweisen , die ihm in der glänzenden Reihe-dieser Grammatiker gebührt. Er weist übrigens nach, daß der Moseh Hannakdan, welcher unter dem Namen Mosel) Chasan bekannt ist und dessen Abhandlung -über die Vocalisations- und Accentlehre der hebräischen Sprache, soweit sie vorhanden ist, wiederholt gedruckt worden (zuletzt von S. Frensdorfs, Hannover, 1847), mit unsrem Autor identisch sei. Er blühete also in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Wir hoffen, - daß der Druck des Lexikons, welches Herr Collins mit allem nöthigen Material und praktisch nützlichen Registern versieht, recht bald vollendet sein wird, wodurch die' Geschichte und Literatur der hebräischen Lexicograpbie eine sehr wesentliche Bereicherung erhalten wird. — Die von uns bereits besprochene Abhandlung des vr. B. Zucker mann: „Materialien zur Entwickelung der altjüdischen Zeitrechnung im Talmud", die!dem diesjährigen Bericht des Breslauer Seminars beigegeben war,' ist jetzt auch separat (Breslau, Preuß & Jünger, 1882) erschienen. — Der jüdische Lehrer > sein- Wirken und-Leben. Kulturbilder aus-der Gemeinde von Lion Wolfs, Prediger. (Rostock, Carl Meyer, 1882.) Das Buch, wenn es nicht so viele traurige.'Seiten hätte, würde .ergötzlich sein. Denn der Verf. durchwebt seine Schilderungen mit Ironie und Anekdoten, und seine Sprache ist flüssig und anschaulich. Er giebt uns also Schilderungen über die Verhältnisse der jüdischen Lehrer in den kleineren Gemeinden. Daß es nur die kleineren sind, auf welche diese Bilder zutreffen, erweist sich-schon daraus, dah er den Lehrerin vierfacher Function als Lehrer, Cantor, Schächter und Prediger (!) zeichnet. Schwerlich aber besteht eine mittelgroße Gemeinde, in welcher diese vier Functionen in einer Person vereinigt wären. Es sind daher ganz besonders Schattenseiten, die er uns gewahren läßt, und die zum großen Theile aus alter Zeit ererbt sind. An Vorschlägen, wie die zum Theil traurigen Zustände zu verbessern, und an Rathschlägen, wie sich die Lehrer zu benehmen hätten, läßt er es nicht fehlen, und wir können mit Recht das warme Herz rühmen, welches der Verf. für das Wohl der Gemeinden und seiner Amtsgenossen besitzt. -Dennoch können wir der Meinung des Verf. nicht zugestehen, daß er die Dinge ganz unparteiisch beurtheile. Wir glauben vielmehr, und stützen uns dabei auf die Erfahrungen) die wir gemacht, daß die Gemeinden einen eben so starken Band über die Schattenseiten der Lehrer und über die traurigen Erfahrungen schreiben könnten, die sie mit ihren Lehrern gemacht. Das Grundübel besteht auf der einen Seite in dem geringen Gehalt, das diese kleinen Gemeinden für ihren Lehrer und Cültusbeamten aufzubringen vermögen, da sie Alles aus eigenen Mitteln aufbringen müssen, und in der Kleingeisterei, die in solchen Landstädten in allen Klassen der Bevölkerung herrscht; von der anderen Seite in ^der ungenügenden Vorbereitung und dem mangelhaften Charakter der Lehrer. Die Anforderungen gehen von beiden Seiten'über das Maß der wirklichen Verhältnisse hinaus. Hier kann nur die fortschreitende Bildung in den Gemeinden und in den Lehrern nach und nach einige Abhülse schaffen. *) i) Wir haben schon wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß unsere jüngeren Autoren allzuoft eine Unkenntniß der neueren jüdischen Literatur erweisen, die sie durch sorgfältigeres Studium beseitigen sollten. So bemerkt Herr L. Wolff zwei Male, daß seit 25 Jahren jüdische Predigtsammlungen erschienen seien. Diese sind aber etwüs älter, denn die erste erschien — 1812, also gerade vor 70 Jahren! Sie enthält Predigten von I. Mols, und zwar solche, wie sie jetzt auch nicht schöner gehalten werden. Dann folgten in den 20 er und 30er Jahren die Predigtsammlungen von G. Salomon (schon 1820). E. Kley (1826), Günzburg (1813) u. A. und 1834 Unser isr. „Predigtmagazin".