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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-02 · Heft 18 (2.5.1882) · p. Seite 291

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 18 (2.5.1882)
Date
1882-05-02
Page
Seite 291 (sequence 7)
Language
German
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bisch, ja ganz eigentlich.jüdisch ist. — Bekanntlich Hai Balzac einen trefflichen Roman geschrieben, in welchem ein Prinz, der. sich, um die Hand einer Prinzessin bewerben will, sich als Jude verkleidet, in dieser Gestalt die Liebe der Prinzessin gewinnt, sie erprobt und schließlich als Prinz sich, entpuppt, worauf er die Prinzessin heimführt und sehr glücklich ist. Das gerade Gegentheil dieses Themas ist schon häufig bearbeitet worden, und zwar soeben wieder in: Laroche. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Ferdinand Neubürger. (Frankfurt a. M. Carl Jügel's Nachf. 1882.) Die Liebe zwischen einem Juden und einer Christin, natürlich einer hochgestellten, einer Gräfin, bildet den Confiikt des dramatischen Gedichtes und hat einen tragischen Ausgang. Ein hoher napoleonischer Beamter, der — das Stück spielt im Jahre 1809 — dem Kaiser bedeutende Dienste geleistet hat, dochiszugleich von den höchsten menschheitlichen Idealen erfüllt ist, Freiheit und Gleichheit ixt der ganzen menschlichen Gesellschaft verwirklichen will,.rettet einem Teilnehmer an dem Schill'schen Zuge das Leben, wird dafür seiner Aemter entsetzt, gewinnt durch seine That, wie durch seine glänzenden Eigenschaften, namentlich seine Beredsamkeit, die unbegrenzte Zuneigung-der Schwester des Geretteten. Jetzt giebt er sich als Jude zu erkennen; die Gräfin wird dadurch in ihrer Liebe nicht irre, die Verwandten neigen sich bereits der Ver-. bindung zu-da wird Laroche von einem früheren Bewerber der Gräfin im Duell erschossen. Das Urtheil über dieses Thema überlassen wir dem Leser undfügen wir nur die Bemerkung hinzu, daß. die Diktion edel und voll ist, bisweilen wohl etwas überreich. Die Composition des Ganzen leidet dadurch, daß es zwei aufeinanderfolgende Knoten schürzt, während der erste richtiger in die Exposition gehört hätte. Einige Anspielungen auf die Gegenwart konnten nicht ausbleiben. Jedenfalls erweist der Dichter, daß er auf dramatischem Gebiete die Kraft zu guten Erfolgen besitzt. — Liederlust für Israelitische Elementarschulen. Herausgegeben von A. Treu, Seminarlehrer. (Münster, Bisping 1882.) Das Büchlein,' welches 90 Lieder mit ihren Melodien enthält, ist durch die Auswahl dieser, auch die beliebtesten Kinder- und Volkslieder enthaltenden Gesänge, wie durch.den niedrigen Preis (50 Pf.) geeignet und empfehlenswerth zur Einführung in die israelitischen Elementarschulen. Wir haben hier die Rubriken: Tageszeiten und Feste, vor und nach dem Unterricht, Jahreszeiten, vaterländische Lieder, Vermischtes und religiöse Lieder, unter den letzteren natürlich solche, welche speciell das Judenthum betreffen. — In eine andere Atmosphäre versetzt uns die Broschüre: Der Russische Staat. Von Dr. I. Chronik. (Berlin, Wilhelm Jßleib, 1882.) Das Schriftchen ist abgefaßt, bevor die letzten traurigen Ereignisse, vom Morde des Kaisers Alexander II. bis zu den jüngsten Judenhetzen des Volkes und Judenverfolgungen der Behörden eiugetreten, denn es ist ein Abdruck aus dem Februarhefte 1881 der von dem Verf. herausgegeben „Zeichen der Zeit". In markigen charakteristischen Zügen voll Geist, Witz und Schärfe wird der russische Staat in allen seinen Miedern in lebendigster Weise gezeichnet, gestützt auf eigene Erfahrungen des Vers, und auf bekannte Schriften. Wir begnügen uns, auf dieses Charakterbild aufmerksam zu machen, das von der bittersten Wehmuth über solche gesellschaftlichen Zustände und zugleich von hohem, aber durchaus realem Standpunkte.abgefaßt ist. — Ein wahrhafter Wehmuthsschauer beschlich uns, als wir unter jüngst von Odessa angelangten Schriften auch die folgende fanden: Blätter der Erinnerung den Manen des in Gott ruhenden Kaisers Alexander des Befreiers ehrfurchtsvoll gewidmet vom Odessaer Stadtrabbiner vr. Schwab ach er. (Odessa, Nitzsche, 1881.) Sie enthält Festreden und Festgedichte zur Geburtstagsfeier, zum 25jährigen Jubiläum des Kaisers Alexander II., zur Todtenfeier der Kaiserin und endlich zur Todtenfeier des Kaisers selbst aus den Jahren 1879, >1880 und 1881 in jenem geist-und gemüthvollen, das Herz des Volkes ergreifenden Tone, der dem Redner eigen ist. In der That gewinnt mit jedem Tage das Andenken des hingeopferten Monarchen, den gegenwärtigen Zuständen gegenüber, an Weihe und Heiligung, und jeder Tag macht das Verbrechen noch scheußlicher, das an ihm verübt worden. Wie wird uns, wenn, wir in einer Rede vom 19. Februar 1880, in welcher die Ehrfurcht vor dem Kaiser den Zuhörern ans Herz gelegt wird, die Sätze lesen: „Sagt Euch selbst, was würde aus der Welt werden, wenn Ordnung und Gesetz- Recht und Macht uyd Herrschaft nicht wäre;»da würde jeder Bösewicht' in Euer Haus einbrechen, würde Euere Eltern ermorden, Euere kleinen Geschwister erwürgen, Alles rauben, brennen und sengen, und Ihr selbst, wenn er Euch verschonte, würdet zu Bettlern, und wahrscheinlich auch, zu Verbrechern werden. Und was in Euerem Hause passirte, würde auch in anderen Häusern passiren, denn es giebt gar viele schlechte Menschen in der Welt, die leben und gut leben wollen, ohne zu arbeiten; da suchen sie eben bei Andern, was sie selber nicht haben, und wenn man ihnen nicht giebt, dann nehmen sie mit Gewalt, nnd wenn man sich wehrt, dann schlagen sie Einen todt. Das würde eine schöne Welt werden- Keiner wäre mehr seines bischens Vermögens, Keiner seines Lebens sicher, Gewalt, Raub und Mord auf allen Seiten. Heute sitzen wir noch an. unfernTischen, heute schlafen wir noch in unfern Betten, morgen dürften wir betteln vor fremden Thüren, die Nacht auf den. Straßen herumirren; warum das? weil es Leute giebt, die Lust haben - nach unserm Eigenthum, und stark genug sind, es uns zu'nehmen, wenn das Gesetz uns nicht beschützte.. Darum danken wir Gott, daß wir in einem geordneten Staate leben, wo Recht und Gesetz waltet, Ordnung

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