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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-02 · Heft 18 (2.5.1882) · p. Seite 290

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 18 (2.5.1882)
Date
1882-05-02
Page
Seite 290 (sequence 6)
Language
German
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290 durchgesehne Auflage. (Leipzig. Baumgärtner's Buchhandlung. 1882.) Das „der israelitischen Jugend gewidmete" höchst anmuthend ausgestattete Werk hat sich bei unsren Glaubensgenossen eingebürgert, indem in wenigen Jahren eine Auflage von 2000 Exemplaren erschöpft worden. In ihm werden die Lehren des Judenthums, seine religiösen, sittlichen und geschichtlichen Wahrheiten in schwungteicher und begeisternder Sprache fern vom nüchternen, trockenen Schultone vorgetragen und ans Herz gelegt. Es wird vor Allem in Positiver Weise auf die Anschauung, Gesinnung, und Stimmung der Jugend einzuwirken gesucht, wie schon ein Blick auf den Inhalt und die Ueberschriften der Abschnitte lehrt. So führt sich das erste Kapitel mit der Ueberschrift.ein: „Fühlst du dich glücklich, ein Israelit zu sein?" und nach einer treuen Leitung durch die Fluren der Religion, der Geschichte und des Lebens schließt es mit den Abschnitten: „In Freud und Leid", „Diesseits und jenseits" und einem Anhang „israelitischer Lieder". Wir können nur wünschen, daß dem Zwecke des Buches-, unsre Jugend in echt religiöser Gesinnung und sittlichem Lebenswandel zu kräftigen, gemäß, diese mit wärmster Liebe von uns abgefaßte Schrift einer immer weiteren Verbreitung und Wirksamkeit sich erfreuen möge.— Soeben kommt uns die 15. Lieferung der Bibliotheea Rabbinica, eine Sammlung alter Midraschim, zum ersten Male ins Deutsche übertragen von Lic. Dr. Aug. Wünsche. (Leipzig, Otto Schulze 1882) zu. Dieselbe befaßt Par. 13—25 des Midrasch Schemot Rabba über das 10—16. Kapitel des II B; Moses. Für die verhältnißmäßig rasche Förderung dieses verdienstvollen Unternehmens sind wir dem Uebersetzer und dem Verleger dankbar. — Nichts natürlicher als daß die schändlichen Vorgänge in Südrußland die Aufmerksamkeit des Publikums und damit auch eine Anzahl literarischer Erzeugnisse Hervorrufen, und die letzteren sind um so nothwendiger, als es erforderlich ist, die thatkräftige Mithülfe aller Menschenfreunde zu wecken, um jene Greuel fernerhin möglichst zu verhindern und die traurigen Folgen einigermaßen abznmindern. Ueber die wahre Beschaffenheit jener furchtbaren Exeesse hat man die öffentliche Meinung irrezuführen gesucht , indem man die von der Presse, namentlich von den Times gebrachten Schilderungen als übertrieben zu bezeichnen sich bemüht hat, und hierzu auch englische Consularberichte benutzte, welche aus unzulänglichen und gefärbten Quellen geflossen waren. Ein Correspondent englischer Zeitungen besuchte aber die Schauplätze jener barbarischen Mißhandlungen und sammelte an Ort und Stelle authentische Nachrichtens Seine desfallsigen Berichte waren in dem llendsh World veröffentlicht, und aus ihnen sind die Schilderungen in dem eben erschienenen Hefteentnommen: Die russischen Judenverfolgungen? Fünfzehn Briefe aus Südrußland. Der Reinertrag, ist zur Unterstützung Hx. russischen Juden bestimmt. (Frankfurt a. M. 1822, I. Kauffmann), Die Lectüre dieser Briefe wird jedes menschlich fühlende, Herz erzittern machen, und ebenso Zorngluth wie Schamröthe, daß solche Greuel im 19. Jahrhundert mitten im Frieden der bürgerlichen Gesellschaft in einem Lande möglich sind, das eine staatliche Organisation mit Rechtspflege, Polizei und Militär besitzt. — Als eines Pendants hierzu erwähnen wir einer vor Kurzem erschienenen Broschüre: Ueber die wahren Ursachen der Judenverfolgungen im Mittelalter von Joch. Holzamer. (Frankturt a. M. 1882, im Selbstverläge.) Wir sind just kein Freund davon, immer wieder in die dunkeln Schachte der mittelalterlichen Judenverfolgungen hinabzusteigen und diese Katakomben der Unmenschlichkeit, der Gewaltthätigkeit und Gesetzlosigkeit zu schildern. Allein diesmal kommt eine solche Darstellung doch zur rechten Zeit, um damit die jüngsten Ereignisse zu vergleichen, was freilich die Ueberzeuguug mit sich bringt, daß diese neuesten Erzeugnisse der Brutalität jenen des Mittelalters völlig ähnlich sind. Wenn im Mittelalter, nachdem die Juden vom Pöbel ausgeplündett und zum Theil hingemordert waren, die, Fürsten und Behörden die traurigen Überreste jener austrieben: so fehlt es ja hieran in den jüngsten Tagen auch nicht.- Der Vers, benutzt fleißig die Quellen. Seine Meinung ist, wie mehrere neuere Schriftsteller schon ausgesprochen, nach dem Vorgänge Roscher's, daß die wahre Ursache jener mittelalterlichen Verfolgungen im Concurrenzneide gelegen und der religiöse Fanatismus nur Vorwand gewesen. Er sucht dies dadurch zu beweisen, daß die Verfolgung vorzugsweise in den Städten stattgefunden und zwar nach dem Aufblühen der Zünfte. Letzteres beweist wenig , da , die Juden ja nur in Städten wohnten und gerade von den Zünften ausgeschlossen und auf den Trödel und den Geldhandel beschränkt worden. Auch sind mehrere der wüthendsten Urheber erwiesene Fanatiker gewesen. Endlich,; wenn auch viele Aufhetzer den religiösen Fanatismus zum Vorwände gebrauchten und sich der Fabeln von den entweihten Hostien, dem Christenblute u. f. w. bedienten, so erweist dies, daß .sie dieses Vorwandes bedurften, um den religiösen Fanatismus der Massen auszuregen. Wir müssen also dem letzteren seinin ausgedehnten Platz zur Erregung jener schmählichen Scenen neben der Raub-, PlüNderungs- und Mordsucht und dem Concurrenzneide einräumen. Der Vers. ist vom Geiste der Gerechtigkeit und der Humanität erfüllt, und spricht sich in diesem Sinne energisch aus. Wenn er seine Arbeit - mit den- Worten anhebt: „Gleiches Recht für Alle lautet die moderne Uebersetzung des echt christlichen Satzes: Was Du nicht willst, das Dir man thue, das thue auch einem Anderen nicht", so müssen wir ihm bemerken, daß dieser Satz bereits v or dem Christenthume von Hillel ausgesprochen worden (Sabbath 31 a.), also nicht bloß echt christlich, sondern auch echt jü-

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