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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-02 · Heft 18 (2.5.1882) · p. Seite 289

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 18 (2.5.1882)
Date
1882-05-02
Page
Seite 289 (sequence 5)
Language
German
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da sie mit beu Tendenzen des Vereins nicht im Mindesten übereinstimmten/ Der Verein ist vor dem benannten Abend, wie nachher, derselbe geblieben. An Stelle, jeder weitern Ausführung genügt die bündige Erklärung, daß, so lange das gegenwärtige. Präsidium die Ehre hat, an der Spitze des Vereins zu stehen, die fortschrittliche und freisinnige Tendenz des Vereins keine Verletzung erfahren wird, noch wird der Verein je zum Agitationsherde jener verwerflichen Bewegung werden. (Beifalls — Hierauf ergriff Professor Dr. Hubert Fuß das Wort nnd führte eingangs seiner Erörterungen den Beweis, daß es, entgegen den Behauptungen der Föderalisten und Regierungsfreunde, nicht die deutschnationale Partei sei, welche die Bewegung hervorgerufen und gefördert habe. An und für sich sei die.antisemitische Bewegung eine ziellose und nicht ernst zu fassende. Dadurch aber, daß sie unter, der Flagge des Deutschthums zu segeln vorgebe, sei es Pflicht der Vereine deutschnationalen Charakters geworden, gegen diese. Bewegung Stellung zu nehmen. (Beifall.) Auch der Fortschritts-Klub, dessen Tendenzen fortschrittlich und deutschnational sind, welcher durch eine merkwürdige Verkettung der Umstände in die Bewegung gezerrt wurde, erkläre sich entschieden gegen eine Bewegung, die der Freiheit und dem Deutschthum nur schaden könne. (Stürmischer Beifall.) Redner verweist darauf, daß die deutschen Abgeordneten erst jüngst für eine Erweiterung des Wahlrechtes und stets für die Wahrung des interkonfessionellen Charakters der Schule und gegen jede antiliberale Richtung auf diesem Gebiete eingetreten seien. Daß das Deutschthum, dessen ganzes Kulturwesen auf einer freiheitlichen Toleranz beruht, diese Bewegung, welche eine Verkürzung, der staatsbürgerlichen Rechte anstrebt, fördere, sei eine freche Behauptung und Entstellung der Thatsachen. (Lebhafte Zustimmung.) Die Behauptung der Agitatoren, der Jude sei trotz aller Kultur nicht fähig, dem deutschen Volksthum sich zu assimiliren, ist nicht berechtigt. Aber angenommen, sie sei berechtigt,, glaubt man durch Herabdrückung der Juden auf einen inferioren Standpunkt diese Assimilationsfähigkeit zu fördern? (Beifall.) Die Erfahrung lehrt, daß gerade die Juden in den gemischtsprachigen Bezirken stets" die treueste Stütze des Deutschthums gewesen sind. Redner bekämpft die Vermischung nationalen Ringens und konfessioneller Hetzen und verweist auf die Verdienste, die sich die Presse in dem gegenwärtigen schweren Kampfe, in welchem das Deutschthum begriffen sei, erworben hat. (Beifall.) Redner schließt mit den Worten: „Nicht nur Der entehrt sich, der eine solche Hetze in Scene setzt, sondern jeder Deutsche, der dazu schweigt!" (Stürmischer Beifall.) Sodann beantragt Redner unter lebhafter Zustimmung folgende Resolution: „In der Ueberzeugung, daß die Antisemiten-Bewegung die wahren Interessen des deutschen Stammes in Oesterreich nur zu schädigen vermag, spricht sich der Fortschritts-Klub des II. Bezirks auch gegen die jüngst in Wien anfgetauchte Bewegung aus, welche nur geeignet ist, die Diskussion einer Reihe schwieriger socialer, insbesondere gewerblicher Fragen unmöglich zu machen, deren Lösung ebensosehr den Geist gegenseitigen Wohlwollens als die ganze Kraft und den sütlichen Ernst aller gesellschaftlichen Faktoren erfordert." Die Resolution wird unter lebhafter Zustimmung einstimmig angenommen. Ferner wurde in der Versammlung des demokratischen Vereins des II. Bezirks folgende Resolution durch Akklamation, zum Beschlüsse erhoben: „Der Demokratische Verein im neunten Bezirke spricht sein tiefes Bedauern über die in jüngster Zeit sich hervordrängende antisemitische Propaganda aus, welche letztere er als eine das Jahrhundert der Aufklärung schändende, nicht genug zu verurtheilende Hetzerei Einzelner erklärt." Der Äusspruch des Kaisers von Oesterreich. Wie wir von sehr gut unterrichteter Seite aus Wien erfahren, ließder Kaiser von Oesterreich, nachdem die erste Antisemiten-Versammlung „bei Dreher" abgehalten worden, den Ministerpräsidenten Graf Taaffe sofort zu sich berufen, und sprach zu ihm ungefähr Folgendes: „Ich dulde keine Judenhetzen in meinem Reiche; jede Antisemitenbewegung muß sofort in ihrem Keime erstickt werden. Sie werden jede Versammlung, die den Stempel des Antisemitismus an sich trägt, also gleich auflösen lassen. Die Juden sind tapfere Männer und setzen ihr Leben mit Freuden ein für Kaiser und Vaterland. Sehen Sie einmal nach der Crivoscie, mit welchem Heldeumuthe die jüdischen Krieger kämpfen. Ich dulde keine Judenhetzen in meinem Reiche." Diese Worte bedürfen wohl-keines Commentars, um ihre Bedeutung hervorzuheben. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 18. April. Unsere Leser werden uns. gern nach den wechselvollen Erscheinungen in den Tagesereignissen einmal wieder auf das literarische Gebiet folgen, auf welchem der Geist seine unermüdliche Arbeit vollbringt, zumeist unabhängig von den Vorgängen auf der Weltbühne, wenn auch, wo.es erforderlich ist, auf dieselben eingehend. Zunächst dürfen wir uns wohl gestatten, auf die eben fertig gestellte neue Auflage unsrer Schrift aufmerksam zu machen: mV nsy Der Rat des Heils. Eine Mitgabe für das ganze Leben an den israelitischen Confirmanden (Bar Mizwah) und die israelitische. Confirmändin oder beim Austritt aus der Schule von Dr. Ludwig Philippsyn. Mit einem Stahlstich. Zweite

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