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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-02 · Heft 18 (2.5.1882) · p. Seite 288

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 18 (2.5.1882)
Date
1882-05-02
Page
Seite 288 (sequence 4)
Language
German
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288 - dieser Resolution aus, weil die Arbeiter ihren Standpunkt bereits in der Versammlung beim „Zobel" kundgegeben haben. Arbeiter Kitschmayer meint, die Antisemiten gehörten in das Irrenhaus und nicht unter die Arbeiter. Die Arbeiter stehen ausschließlich auf dem Standpunkte der ehrlichen Arbeit, die vor Gott eben so viel gelte, als ein andächtiges Gebet. Die Kleingewerbetreibenden knechten den Arbeiter gegebenen Falles ebenso, wie die Fabrikanten und darum wäre es ein Unsinn, ihnen zu folgen. (Beifall.) Arbeiter Pfleger erklärt die judenfeindliche Strömung als etwas ganz Anderes als christliche Moral und betont dann, daß die Arbeiter nur für die Menschenrechte eintreten werden. (Beifall.) - Arbeiter Deutsch fordert zur Organisation auf, da auf Alle, ohne Unterschied der Confession und Nationalität, der Druck gleichmäßig lastet und der Arbeiter überall unterdrückt werde. „Schieben wir den Antisemitismus in das Mittelalter zurück, wo er entstanden." (Beifall.) Arbeiter Mayer spricht seine Verwunderung darüber aus) daß noch keiner der im Saale anwesenden Antisemiten, die ihre Gegenwart doch in ziemlich lärmender Weise bekundeten, es unternommen habe, auch hier sein Programm zu entwickeln. Wenn der Herr Holubek, der in der Versammlung erschienen ist, nicht den Muth besitze, öffentlich hier aufzutreten, so müsse er ihn für einen Feigling erklären.' (Stürmischer Beifall.) „Genossen! Man steckte Leimruthen aus, um Gimpel zu.fangen, doch diese Gimpel erkannten sofort, um was es sich handle und gingen nicht auf den Leim. Die die Ruthen ausgesteckt haben, sind nunmehr die größeren Gimpel geblieben." (Beifall und Heiterkeit.) Er empfiehlt zum Schluffe seiner Rede die vorgeschlagene Resolution zur Annahme. Arbeiter Springer führt aus, daß niemand Anderer als die reaktionäre Majorität des Reichsrathes die antisemitische Bewegung großgezogen , habe. (Rufe: Das ist nicht wahr! Schönerer!) Auf diese Einwendung hin meint Redner: „Sollten etwa die Herren Schönerer und Konsorten die Vertreter des Fortschrittes sein? Nie und nimmermehr! Die Arbeiter müssen liberal und fortschrittlich gesinnt sein." (Lebhafte Ohorufe.) Vorsitzender Boglgruber: Ich erkläre, daß die Arbeiter Oesterreichs nicht liberal und fortschrittlich gesinnt sind. Arbeiter Waldherr erklärt, daß die gegen die Juden erhobenen Beschuldigungen jedes Grundes entbehren, er müsse sagen, daß in Bezug auf Wohlthätigkeil die Juden einzig dastehen. Er erzählte, daß ihm mehrere Fälle bekannt seien, in denen Juden an Christen großartige Akte der Mildthätigkeit in uneigennützigster Weise ausgeübt. haben und führt einige Fälle am ' Arbeiter Ellinger findet es sonderbar, daß der Abg.. Schönerer, der am 13. März am Grabe der Märzgefallenen, dieser Märtyrer der Freiheit, unter denen sich auch Juden befinden, einen Kranz niedergelegt, wenige Tage nachher einer Versammlung_präsidirte, welche nichts Geringeres beabsichtigthabe als eine große . Klasse von Menschen ihrer Rechte zu berauben. (Rufe: Pereat Schönerer!) Hätten die Märzgefallenen gewußt, wer auf ihrem Grabe einen Kranz niedergelegt, sie hatten sich gewiß im Grabe umgekehrt. Mit so verworrenem Zeuge und so hirnverbrannten Ideen den Staat, die Gesellschaft retten zu wollen, sei unsinnig und aussichts-' los. (Stürmischer Beifall.) \ Nachdem noch einige Redner gesprochen, gelangt die Resolutton mit allen gegen sieben Stimmen zur Annahme. Der Vorsitzende forderte hierauf die anwesenden Antisemiten auf, im Falle Einer von ihnen zu sprechen wünsche, das Wort zu ergreifen, da er später Niemandem mehr das Wort ertheilen könne. Die Herren sollen eben keinen Grund zur Klage habendaß ihnen keine Gelegenheit geboten wurde, auch hier ihre Ansichten auszusprechen. Es ertönen Rufe:- „Wir haben schon beim „Dreher" und bei den „Drei Engeln" gesprochen." Es meldet sich Niemand zum Worte. (Gelächter und Rufe: „Feiglinge".) Arbeiter Boglgruber schloß hierauf um 5 Uhr die Versammlung und gab bekannt, daß am nächsten Sonntag Vormittags beim „Dreher" eine Versammlung stattfinden werde, welche „die Forderungen des vierten Standes " zur Tagesordnung haben werde. — Aber auch in dem Vereine selbst, welchen man zu jener antisemitischen Kundgebung mißbrauchen wollte, dem Fortschrittsklub, fand eine entgegengesetzte Scene schon am 11. April statt. Die Tiraden der antisemitischen Gäste in der letzten Versammlung des Fortschritts-Klubs des II. Bezirks hatten den Ausschuß des Vereins veranlaßt, eine neue Versammlung einzuberufen, in welcher der Verein seiner Stellung zur antisemitischen Bewegung in deutlicher Weise Ausdruck geben sollte. Der Verlaus des außerordentlich gut besuchten Vereins- Abends war folgender: Der Vorsitzende, Professor vr. Viktor v. Kraus, begrüßte die Versammlung und begründete die Einberufung derselben. Die Vorgänge des letzten Abends waren geeignet, in weiten Kreisen für einen Moment den Verdacht hervorzurufen, als sei der Verein seiner fortschrittlichen Tendenz untreu geworden. Die letzte Versammlung sollte ein Diskussions-Abend über die Frage werden, wie sich die bereits politisch berechtigten Bürger zu jenen Bürgern zu verhalten haben, die nun erst zur Ausübung ihrer politischen.Rechte berufen werden sollten. Dazu lud nun der Verein die Kleingewerbetreibenden ein, an deren Stelle jedoch ein Theil jener Leute erschrenen, deren Tiraden jede weitere Diskussion abschnitten.

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