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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-05-02 · Heft 18 (2.5.1882) · p. Seite 287

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 18 (2.5.1882)
Date
1882-05-02
Page
Seite 287 (sequence 3)
Language
German
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287 sammlung zu tumultuarischen Scenen. Als der Einberufer der Versammlung, Arbeiter Voglgruber, um 2 Uhr die Tribüne bestieg und die Erklärung abgab, daß er sich-nach den letzten. Vorgängen veranlaßt sah, seine Genossen zu einer Versammlung einzuberufen, um die Stellung der Arbeiter zur Antisemitenbewegung zur Berathung zu bringen, entstand schon ein arger Lärm. Als Arbeiter Voglgruber im Verlaufe seiner Rede sagte: „Wir sind nicht Juden, nicht Christen, wir sind und bleiben nur Menschen", entstand ein fürchterlicher Tumult. Man hört schreien: „Wir sind keine Judenknechte, wir sind Christen!" „Hinaus mit den Antisemiten!" Der Einberufer, schwingt vergeblich, die Glocke und gebietet Ruhe.. Er wird jedoch nicht gehört, seine Stimme verhallt. Nach einigen Minuten trat wieder Ruhe ein und Herr Voglgruber giebt bekannt, daß fünf Ordner mit der Weisung bestellt wurden, jeden Ruhestörer vor die Thüre zu setzen. Als diese Mittheilung von einigen anwesenden Antisemiten höhnisch ausgenommen wurde, walteten die Ordner gleich ihres Amtes und expedirten die Krakehler aus dem Saale. Es wurde sodann das Bureau aus den Arbeitern Voglgruber (Vorsitzender), Compoß (Stellvertreter) und Koslowetz (Schriftführer) gebildet. Als erster der Redner ergreift der Vorsitzende das Wort. Er erklärt, daß die Arbeiter in Wien nicht eine Bewegung unterstützen werden, die nur nach Rußland paßt. Wir müssen die Zumuthung zurückweisen, daß wir uns als die „Infanterie der Antisemiten" verwenden zu lassen geneigt sind. Die Arbeiter sind einzig und allein die Infanteristen des vierten Standes und werden es bleiben. (Beifall.) Wenn sich Leüre im letzten Fünftel des neunzehnten Jahrhunderts nicht entblöden, Judenhetzen zu insceniren, so interessirt dies die Arbeiter gar nicht und sie sind keineswegs damit einverstanden. „Gleiches Recht für Alle", heißt es im Staatsgrundgesetze und wenngleich die Arbeiter gerade nicht sagen können, , daß ihnen immer ihr Recht geworden, so müssen sie doch eine Bewegung verabscheuen, deren letzte Ziele darin bestehen, den Juden alle politischen und bürgerlichen Rechte zu rauben. Die deutsche Arbeiterpartei habe sich ebenfalls gegen die antisemitische Bewegung aufgelehnt und selbst die russischen Nihilisten, denen man alles Schlechte nachsagt, haben jüngst in einem Manifeste feierlich erklärt, daß sie nicht Feinde der Juden sind. Wenn sich trotzdem beschränkte Köpfe finden, die gegen die Juden austreten, so thun sie . dies nur aus Reklamsucht,' sie wollen sich eben auch in den Zeitungen ge druckt lesen. (Stürmischer Beifall.) — Schließlich bittet Redner die Anwesenden, die Ruhe zu wahren, damit von den Arbeitern nicht Gleiches wie von den „christlichen Gewerbetreibenden" gesagt werden soll. Der nächste Redner, Arbeiter Führer, sagt, daß der jüdische Arbeiter und Kleingewerbetreibende ebensowenig Rechte >! besitzt, wie der christliche. Die Antisemiten wollen die Arbeiter Einfach ins Feuer schicken, damit sie die Kastanien herausholen, allein wenn die Antisemiten, die jetzt den Mund so voll nehmen, wirklich für das Volk wirken wollen, so hätten sie schon Gelegenheit genug gehabt, die Frage in Anregung zu bringen, wie dem christlichen Arbeiterstande geholfen werden könne. Die Herren, die an der Spitze dieser verdammenswerthen Bewegung stehen, haben keinen gesunden Menschenverstand (Stürmischer Beifall) und es wird ihnen hoffentlich nie und nimmer gelingen, die Arbeiter in Bewegung zu setzen. Redner bespricht sodann die Verbreitung antisemitischer Flugschriften und erzählt, es.sei durch eine jüngst stattgehabte Gerichtsverhandlung, bei welcher ein Colporteur dieser Schriften zu 5 fl. Geldstrafe verurtheilt worden sei, erwiesen, daß die Abgeordneten Schönerer, Schöffel und Fürnkranz die Kosten der Flugschriften tragen. „Ist es nicht eine Schande, daß wir in Oesterreich Volksvertreter haben, die sich mit Jnscenirung von Judenhetzen befassen?" (Rufe: Schande und Spott! Pfui!) Arbeiter, die sozialistische Flugschriften verbreitet haben, seien mit mehrmonatlichem Kerker bestraft worden; wo bleibe da die Gerechtigkeit? Herr Führer wirft der Presse vor, daß sie jetzt wieder der Arbeiter gedenkt, nachdem sich diese als Gegner der Antisemiten erklärt haben. . Redner ergeht sich sodann in heftigen Ausfällen gegen die den Arbeitern gegenüber befolgte Taktik. Derselbe wird von dem Vorsitzenden mehrere Male zur Ordnung gerufen, spricht jedoch unter ungeheurem Tumult weiter. Der anwesende Polizeikommiffär Müller fordert den Vorsitzenden auf, dem Redner das Wort zu entziehen; die Anwesenden rufen: „Er soll nur weiter sprechen! Redefreiheit! Er hat ja nichts Schlechtes gesagt." Arbeiter Führer will weiter sprechen, der Kommissär erhebt sich von seinem Sitze und droht die Versammlung aufzulösen, falls nicht augenblicklich Ruhe eintrete. Den energischen Bemühungen des Vorsitzenden, der unter dem Protest der Arbeiter dem Redner das Wort entzieht, gelingt es endlich, die Ruhe wieder herzustellen. . Der folgende Redner Barth spricht in ähnlichem Sinne . wie die Vorredner und empfiehlt folgende Resolution zur Annahme: . w „Die am 16. April bei den „Drei Engeln" abgehaltene Volksversammlung erklärt in Übereinstimmung mit dem Arbeiterprogramm, mit der antisemitischen Bewegung nichts gemein zu haben. Die Versammlung ist sich bewußt, daß die Arbeiter nur Einen Gegner haben und dieser ist das Capital; und weil dieses international und konfessionslos ist, so müssen auch die Arbeiter so sein. Im klebrigen erklären die Arbeiter hiermit die Diskussion über diese für das Jahrhundert schmachvolle Bewegung einfür allemal erledigt." , Schriftführer Koslowetz spricht sich gegen die Annahme ■, 18* '

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