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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-25 · Heft 17 (25.4.1882) · p. Seite 279

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 17 (25.4.1882)
Date
1882-04-25
Page
Seite 279 (sequence 11)
Language
German
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279 bloß Katholiken wohnen, aufdem jüdischen Friedhofe in Läupheim begraben werden. Der Geistliche und die Collegien des Orts, in dem der jugendlich Verstorbene sehr beliebt War, drangen aber in die Familie, daß er in ihrer Mitte begraben würde, was auch geschah.- Was sagen dazu die. Herren Antisemiten? Oesterreich-Ungarn. Wien, 9. April. Der Montagsrevue zufolge hat der Ministerpräsident Gras Taaffe gemessene Weisung ertheilt, Versammlungen mit ausgesprochen antisemitischen Zwecken überhaupt nicht zu gestatten. Die Polizei soll angewiesen werden, Versammlungen, in denen derartige Bestrebungen auch nur nebenher auftreten, sofort aufzulösen. Die Regierung halte sich für verpflichtet, einen jeden Staatsbürger ohne Rücksicht auf seine politischen oder confessionellen Anschauungen in allen seinen Rechten zu schützen. — Am 26. März wurde der Bürgermeister von Ottackring nächst Wien Herr Ignaz Edler von Kuffner unter der allgemeinen Theilnahme des ganzen Ortes und vieler Freunde aus Wien und der Umgegend zur Erde bestattet. Die Grabrede hielt vr. Jellinek und ist dieselbe auch im Druck erschienen. (Wien, Waizner 1882). Sie feiert den Geschiedenen als Bürger, Edler und Israelis In seiner ersten Eigenschaft erwies er sich so befähigt und gesinnungstüchtig, daß ihn seine Mitbürger zum Bürgermeister dieses Vororts von Wien erwählten, als welcher er das städtische Wesen zur schönsten Blüthe brachte, treffliche Anstalten und Einrichtungen herstellte und den Frieden in der Bürgerschaft aufrecht erhielt. „Edler", sagte der Redner, legten ihm Tausende bei, bevor ihm diese Auszeichnung allerhöchsten Ortes verliehen wurde. Als Israelit war er einer der treuesten Bekenner seiner Religion und in seinem ganzen Wesen einfach, allem Luxus abgeneigt, aber mit vollen Händen spendend, wo ihm die Hülfeleistung angezeigt erschien. Die Art und der Charakter dieses Mannes fanden in der Grabrede den vollständigsten Ausdruck Wien, 11. April. - Hier scheint die Reaction gegen antisemitische Wühlereien Energie entwickeln zu wollen. Der Ausschuß des Fortschrittselubs in der Leopoldstadt, in dessen letzter Versammlung sich ein Gast mit Jnvectiven gegen die Juden hervorwagte, jedoch sogleich zurückgewiesen wurde, hat für heute Abend eine Plenarversammlung des Vereins einberufen, um gegen die Agitationen der Antisemiten Verwahrung einzulegen.. Die damit inaugurirte Bewegung wird gewiß große Dimensionen erreichen, da sie von der Regierung unterstützt, wird. Wien, 12. April. (Privatmitth.) Die neuerbaute Synagoge des hiesigen polnisch-israelitischen Vereins in der oberen Tonaustraße 'hat ihre Schicksale. Kaum' daß der Bau fertig und seiner Bestimmung übergeben war, meldeten sich die Gläubiger mit solchem Ungestüm, daß die Synagogen- Verwaltung sich genöthigt sah, die Zahlungen, einzustellen. Das in den jüngsten Tagen in Umlauf gesetzte Gerücht, wonach ein polnischer Kavalier zu Gunsten der erwähnten Synagoge 30,000 Gulden gespendet habe, bestätigt sich nicht. — Das Bethaus wurde exekutiv versteigert und der Verein war, trotz vieler Bemühungen, Uicht in der Lage, in den Wiederbesitz der Synagoge zu gelangen. Wien, 16. April. In einer heute stattgehabten, von etwa 1000 Personen besuchten Volksversammlung, in welcher über .die Stellung der Arbeiter zu der Antisemitenbewegung Beschluß gefaßt werden sollte, wurde mit allen gegen 17 Stimmen eine Resolution angenommen, des Inhalts, daß die Versammlung mit der Antisemitenbewegung nichts gemein habe. ' Frankreich. Paris, 14. April. Wir haben bereits berichtet, daß die Republik St. Domingo in einem Schreiben an den Herrn v. Rothschild das Anerbieten ausgesprochen, russische Flüchtlinge in ihrem Gebiete aufzunehmen und zu versorgen.. Es wurde der Einwand erhoben, daß man sich erst genauer nach den dortigen Verhältnissen erkundigen müsse. In einem Schreiben eines Herrn Betances an die Arch. isr. giebt dieser unter Anderem auch die Namen einiger Israeliten an, welche die Republik Domingo sehr gut kennen. Diese sind: der Baron E. von Almeda, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der Republik Domingo in Frankreich; Israelit. A. Pay, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der Republik Domingo in Holland; Israelit. Leonce Bloch, General-Consul der Republik Domingo in Frankreich; Israelit. Jakob Pereira, Kaufmann, General- Consul der Republik Domingo in St. Thomas; Israelit. Ch. Cotzn, General-Consul wer Republik Domingo in Haiti (Port-au-Prjnce); Israelit. Ch. und Ed. Pereira, Kaufleute in Paris. Jacob.de Lemos, Kaufmann in St. Domingo. David de Castro, Kaufmann in St. Domingo. D. Coön, Kaufmann in St. Domingo. Die Brüder Maduro, Kaufleute in Puerto-Plata. M. Sibaver, Kaufmann in Puerto - Plata. — Die Herren v. Rothschild krtzros haben 200,000 Frcs. für die Emigration russischer Flüchtlinge nach Amerika und die Frau Baronin verwittwete James v. Rothschild.25,000 Francs gespendet. Großbritannien? London, 10. April. Der Mansionhouse-Fonds zur Unterstützung der verfolgten russischen Juden hat jetzt die Höhe von 66,000 L. erreicht. Das Londoner Central-Comitä hat die Bildung eines Specialfonds, von 25,000 L. angeregt, an. welchem sich London, Paris, Berlin, Wien und Frankfurt ' ' . 17* V

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