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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-25 · Heft 17 (25.4.1882) · p. Seite 275

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 17 (25.4.1882)
Date
1882-04-25
Page
Seite 275 (sequence 7)
Language
German
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t das Haus dieser Frau später, zur Zeit des Wiener Congresses, spielte, ist bekannt.. Juden kamen also nicht blos in die „Gesellschaft", sondern die „Gesellschaft" kam auch zu ihnen. Selbstverständlich waren die Fälle anfänglich vereinzelt, aber sie mehrten sich, da die Inden in Folge der Toleranzgesetze einzelweise aus der vereinsamten Stellung, in der sie sich früher befunden hatten, heraustraten und an Kunst, Wissenschaft und Literatur Antheil nahmen. Bevor dahe^ noch die politische Gleichberechtigung ausgesprochen war, hatte sich die sociale Gleichberechtigung die Wege frei gemacht. Man fand daher schon vor dem Jahre 1848 in allen geselligen, literarischen und Künstlerkreisen in Wien Juden, und in kirchlichen Kreisen hatte man nichts dagegen einzuwenden, wenn jüdische Sänger und Sängerinnen in der Kirche sangen. Im Jahre 1823 commandirte bei der Frohnleichnams-Procession ein Jude, Leidesdorf, als Hauptmann beim Künstler-Corps an den vier Altären in der Leopoldstadt und bei den Exercitien. Was die Journale in Wien betrifft, so sorgte die Censur überhaupt dafür, daß sie nichts Aufregendes enthielten. Als im Jahre 1817 im Leopoldstädter Theater eine Posse: „Der edle Jude, oder: Der Cursspeculant" aufgeführt werden sollte, deren Tendenz gegen die Juden war, wurde es von Seite der Polizei verboten. Eine der ersten Forderungen in den Märztagen des Jahres 1848 war Glaubens- und Gewissensfreiheit Unter den Märzgefallenen befand sich auch der jüdische Studirende Spitzer. Doch viel wichtiger und bedeutsamer ist die Rolle, welche Fischhof während der ganzen Zeit spielte. Bald nach den Märztagen machten Arbeiter in einigen Fabriken Excesse und zertrümmerten die Maschinen > in der Meinung, daß diese sie in ihrem Verdienst schädigen. Von diesem Geschick wurden jedoch jüdische und christliche Fabrikanten betroffen. Die Censur wurde mittlerweile aufgehoben und nun machten sich Judenfeinde Luft und' veröffentlichten Flugblätter und Schriften gegen die Juden; aber sie hatten nicht den von den betreffenden Autoren erhofften Erfolg. Blos Eine Kundgebung erfolgte gegen die Juden. Die Zunft der Schuhmacher in Wien unterbreitete nämlich dem Ministerium des Innern eine Petition, des Inhalts/daß sie wohl nichts gegen die Gleichberechtigung der Juden einzuwenden hätte, jedoch müßte sie bitten, ihre Interessen zu schonen und die Juden vom Schusterhandwerk auszuschließen, da sie sonst arg geschädigt würde. Nutatis mutandis ist das die Ansicht Vieler. Sie sind keine principiellen Gegner der Juden und gönnen ihnen alles mögliche Gutenur sollen sie ihnen keine Concurrenz machen. Die Dinge nahmen ihren Lauf, und schließlich kam der Belagerungszustand. Nur wenigen Blättern wurde vom Fürsten Windischgrätz gestattet zu erscheinen. Zu diesen gehörten „Die Geißel" und „Schild und Schwert". Beide Blätter zeichneten sich weniger durch inneren Gehalt als durch niedrige und schmähliche Denunciationen aus, so daß sie selbst den damaligen Civil- und Militär-Gouverneur von Wien, Freiherr von Melden, anekelten. Er ließ sich am 1. December vernehmen: „Es haben seit einiger Zeit die sich als con- -servativ bezeichnenden Blätter (die oben genannten) gemeint, ihre konservativen Tendenzen dadurch am besten an den Tag zu legen, wenn sie. Angriffen aus einzelne Classen der staatsbürgerlichen Gesellschaft, auf Personen und Corporationen freien Lauf gestatten, deren Denkungsart sie nicht in der Farbe fanden, zu der sie sich bekennen. Ich glaube nicht, daß Journale, in diesem Sinne gehalten, der Sache der Regierung nützen und die Stimmung für sie gewinnen können. Der Redacteur der- Zeitschrift „Schild und Schwert" hat seit dem Erscheinen seines Blattes die Juden zur Zielscheibe seiner Ausfälle gemacht und allen giftigen Geifer über sie ausgeschüttet. Ich ließ ihn mehreremale ermahnen, in seine Schreibart mehr Ruhe und Besonnenheit zu bringen, ich ließ ihm mit der Rücknahme seiner Concesston drohen, allein vergebens, er fuhr, in feiner Schreibart fort, gleichsam Trotz bietend den an ihn ergangenen Warnungen. Da mich nun auch der Herr Minister des Innern, Graf Stadion, auf diese Artikel aufmerksam gemacht und das dringende Begehren ausgesprochen hat, dieser Journalistik mit Strenge Einhalt zu thun, so glaube ich, diesen Wunsch erfüllen zu müssen." Wie wir hinzufügen wollen, war der Redacteur dieses Blattes, welcher schon vor dem Belagerungszustände Brandschriften gegen die Juden veröffentlichte, früher ein untergeordneter Beamter der Nordbahn, der kurz vor den Märztagen entlassen worden war. Doch traf ihn der ihm zugedachte Schlag nicht. Er fand einen Protector, der kein Geringerer war als Fürst Windischgrätz. Sein Blatt konnte weiter erscheinen, doch mußte der Redacteur sich verpflichten, weiter keine Ausfälle gegen Corporationen und Personen zu machen. Trotz der Protection des Fürsten Windischgrätz mußte jedoch das Blatt aus Mangel an Abonnenten, da die Wiener keinen Geschmack an demselben fanden, eingehen. Inzwischen entstanden andere Journale mit entschieden judenfeindlicher Tendenz. Wir erinnern an die „Kirchenzeitung", jahrelang redigirt von Sebastian Brunner und dann von Wiesinger, die sich beiweitem mehr mit Juden als mit der Kirche beschäftigten. Ihnen secundirte „Der Volkssreund"; aber auch diese Blätter gingen aus. Mangel an Theilnahme ein. Run giebt es noch Blätter, die in der Residenz erscheinen, welche den Judenfraß pflegen; aber sie gehören notorisch zu den am wenigsten gelesenen. Sie sind nicht im Sinne und Geiste der Wiener geschrieben, die, an dem confessionellen Hader keinen Gefallen finden. Das Publikum hat genug gesunden Sinn, um die gehässigen und häufig thörichten

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