Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1882)
- Date
- 1882-04-18
- Page
- Seite 266 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Posen, und wirkte mehrere Jahre in Lemberg und verschiedenen Gemeinden Mähren's und Ungarns als Lehrer. Durch seine hebräische Grammatik und andere kleine Schriftenist er auch. in weiteren Kreisen bekannt. Er hinterläßt eine Frau und ein krankes Kind in drückendster Noth. — Aus Gr. Känizsa^ wird uns geschrieben: Herr Jos. Löwh ist gestern, den 1. April, im Alter von 73 Jahren verschieden. Er gehörte zu den in unserer Zeit immer seltener werdenden Menschen, welche die jüdische Wissenschaft um ihrer selbst willen liebten und pflegten. Ieuilleton. Aus einer Landstadt in der Mark Brandenburg. Rhinow, 28. März. (Rth. Z.) In Kurzem feiert der hierselbst allgemein beliebte Herr Kantor Bree sein 25jähriges Jubiläum als Lehrer unserer Schule. Dieses so. erfreuliche Fest hat leider den Anlaß zu höchst unliebsamer Aufregung in unserer Bürgerschaft und zu Differenzen und Zwistigkeiten, welche noch lange Nachspielen werden, gegeben. Nachdem nämlich behufs Stiftung eines Ehrengeschenkes für den Jubilar ein aus den Herren Pastor Hohenthal, Apotheker Gerlach, Ackerbürger Repke und Bäckermeister Köhler bestehendes Comits zusammengetreten war, war im ausdrücklichen Aufträge des Eomitömitgliedes Herrn Gerlach, der die Beitragsliste zu dem Geschenke kolportirende Kirchendiener Brose u. A. auch zu dem hier ansässigen^Kaufmann Herrn Samson mit der Aufforderung zur Zeichnung gegangen. Herr Samson ist neben seinem Schwiegervater Herrn Salinger der einzige jüdische Bewohner unseres Ortes. Von beiden Herren ist früher ein Beitrag zur kirchlichen Armenkasse ohne Weiteres angenommen worden. Herr Samson zeichnete in die oben erwähnte Liste die Summe von 3 Mark. Er händigte den gezeichneten Beitrag sofort dem Boten aus, empfing jedoch den Beitrag mit folgendem Schreiben zurück: Rhinow, den 26. März 1882. Ew. Wohlgeboren sind, wie es scheint, durch ein Versehen vom Kirchendiener Brose um einen Beitragzu einer Sammlung für das Jubiläum des Herrn Kantor Broe ersucht worden und ■ haben denselben auch bereitwillig gezeichnet, indessen kann - ich nicht umhin, Ihnen bestens dankend denselben zurückzusenden, da die Sammlung nur innerhalb der kirchlichen Gemeinde hat erfolgen sollen und nur im Namen dieser das Geschenk werden soll. Hohenthal, Pfarrer. An Herrn Kaufmann Samson (Wohlgeb.) hier. Am folgenden Tage erließ Herr Samson die nachfolgende Antwort: Rhinow, 27. Uärz 1882. . Herrn Pfarrer Hohenthal, Rhinow. Betreffs der soeben retournirten 3 Mark bedaure, mich mit Ihren Ausführungen nicht zufrieden stellen zu können. Ich muß die Annahme derselben entschieden verweigern, da Sie nicht competent sind, über diese Angelegenheit, ohne Zuziehung der anderen Herren Comitömitglieder, die' den Aufruf mit unterschrieben, zu disponiren. Sie sind also nicht berechtigt, so zu handeln. Ein Versehen ist die Handlungsweise des Kirchendiener Brose wohl nicht zu nennen, derselbe ist ad 1 durch Herrn C. Gerlach (wie solcher mir soeben Persönlich erklärt hat) zu mir gesandt worden, ad 2 ist die Liste bei allen.katholischen Einwohnern, die ebenfalls nicht zur kirchlichen Gemeinde gehören, präsentirt und auch mit Erfolg und ohne daß ein gleiches Verfahren ihnen gegenüber in Anwendunggebracht worden ist. Das Motiv der Theilnahme zur Sammlung ist in dem Umstand zu suchen, daß meine Frau Clara geb. Salinger dje hiesigen Schulen absolvirt hat und auch von Herrn Kantor Br6e mehrere Jahre unterrichtet worden ist. A. Samson. Unverzüglich erhielt Herr Samson auf jenen Brief das folgende Schreiben: Rhinow, den 27. März 1882. Herrn Kaufmann Samson,, hier. Der Unterzeichnete Gemeinde-Kirchenrath hat von dem soeben eingegangenen Briefe Ew. Wohlgeboren Kenntniß genommen und sieht sich veranlaßt, es mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen, daß Ew. Wohlgeboren, als Israelit, sich in christliche, speziell evangelische Einrichtungen zu mischen erlauben und dem Vorsitzenden des Gemeinde- Kirchenrathes Vorhaltungen über das zu machen, was sich für ihn schickt oder nicht schickt, wie ja auch wir es uns nicht erlauben, uns in synagogale Angelegenheiten zu mischen und einem Rabbiner vorzuhalten, was er dem israelitischen Gemeinde-Vorstände gegenüber thun oder nicht thun darf. Die 3 (drei) Mark folgen anbei, nunmehr auf unseren gemeinsamen Beschluß hin, mit Dank zurück. v •' Der Gemeinde-Kirchenrath. Hohenthal, Pfarrer. Klare. Bollmann. Repke. Wir enthalten uns über diese Vorgänge jeden Kommentars. Bemerken wollen wir nur, daß am heutigen Abend eine von der Bürgerschaft außerordentlich zahlreich besuchte Versammlung stattgefunden hat. In dieser ist beschlossen