Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1882)
- Date
- 1882-04-18
- Page
- Seite 265 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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in bedeutenden Gaben seitens der Bürger, die zusammen mit den Geldern, die in anderen europäischen Städten vielleicht gesammelt werden, viel dazu beitragen werden, diejenigen zu unterstützen, die nicht im Stande sind, Rußland zu Verlässen oder sich in anderen Theilen Europas niederlassen wollen, und vielleicht in Etwas die Flüchtlinge in Stand zu setzen, unsere Küsten zu erreichen. In Amerika sollte die warme Theilnahme, welche sich ausgesprochen hat, eine ähnliche Gestalt annehmen, so daß ausreichende Mittel zur Aufnahme, zur vorläufigen Unterhaltung, zur Weiterbeförderung und Kolonisation dieser Fremden erhoben werden, so daß sie nicht die Armenklasse unserer Städte noch vermehren, sondern vielmehr zur Kräftigung und Wohlfahrt unserer kosmopolitischen Nation bei-, tragen. Im Namen der Humanität appelliren wir an die Wohlthätigkeit Aller, die Pflicht zu erfüllen, diesen unglücklichen Männern, Frauen und Kindern, den Opfern religiöser Verfolgung und Unterdrückung, ausreichende Hülfe zu gewähren. Die Subskriptionen werden den Fond für die russischen Flüchtlinge und Colonisation bilden, der unter der Controle eines geeigneten Comites vertheilt werden wird. Beiträge können an jeden der Unterzeichneten gesandt werden 'oder an Jacob'H. ©dfjiff, Treasurer of the Fund No. 31 Nassau street, New-Aork. W. R. Grace, Robert Lenox Kennedy, Jeffe Seligman, John A. Stewart, Solomon Loeb, Jacob D. Vermilyeä, Noah Davis, H. B. Claflin, A. Hallgarten, Wm. H. Mach, David L. Einstein, Emanuel Lehman, Hyman Blum. 1. März 1882. Die Protest-Meetings in den größeren amerikanischen Städten finden immer weiter statt. So versammelte sich in der Musikhalle in Philadelphia am 5. März eine große Volksmasse, in welcher, nachdem mehrere Redner den Gegenstand und den Zweck auseinandergesetzt, einstimmig eine Resolution und ein Aufruf an alle Menschenfreunde zur Unterstützung der Flüchtlinge angenommen wurde. Bonn, 9. April. (Notizen.) Wir werden von Prag um die Berichtigung ersucht, daß der jetzt Brandeis'sche Jllustrirte Volkskalender nicht von Jakob, sondern von dem verst. Wolf Pascheles gegründet worden sei. — Vorstand und Repräsentanten der Gemeinde Bonn haben einstimmig den Dr. F. Cohn, gegenwärtig Prediger zu Oels, zu ihrem Prediger gewählt. — Am 6. April vollendete in Berlin der Schriftsteller Dr. Aaron Bernstein sein 70. Lebensjahr. In Filehne geboren, kam er 1832 nach Berlin und wandte sich hier naturwissenschaftlichen Studien und literarischen Arbeiten zu. Die letzteren' brachten ihn in Verbindung mit den schriftstellerischen Kreisen Berlins, und er wurde Mitarbeiter än den damaligen belletristischen Zeitschriften, auch an der A. Z. d. Jud. Als Frucht seiner naturwissenschaftlichen Arbeiten erschien gegen Ende der dreißiger Jahre eine Abhandlung über die „Rotation der Planeten"., welche in Fachkreisen Aufsehen erregte. Wenige Jahre später gab er anonym eine finanzpolitische Schrift: „Zahlen frappiren" heraus, welche zuerst die ungemeine Befähigung Bernsteines zur Erörterung politischer Tagesfragen bewies. In seiner publicistischen Wirksamkeit liegt denn auch in der Folge die wesentlichste Bedeutung Bernstein's. Nachdem er sich an den religiösen Bewegungen der vierziger Jahre durch die Gründung der jüdischen Reformgemeinde betheiligt hatte, führte .ihn das Jahr 1848 ganz der Publicistik zu. 1849 begründete er mit Franz Duucker die „Urwähler-Zeitung", die in kurzer Zeit große Verbreitung gewann, aber im Jahre 1853 unterdrückt wurde. Er rief darauf, ebenfalls mit Duncker, die „Volks-Zeitung" in's Leben, deren außerordentliche Erfolge in dem ersten Decennium ihres Bestehens wesentlich seinen Leitartikeln über die Tagesfragen und seinen populären naturwissenschaftlichen Aufsätzen zu danken waren. Die letzteren fanden ungemeinen Beifall, als er sie unter dem Titel „Aus dem Reiche der Naturwissenschaft" gesammelt herausgab, wurden sie in fast alle europäischen Sprachen übersetzt. Mit erweitertem Inhalt erschienen sie später in 20 Bänden als „Naturwissenschaftliche Volksbücher". Auch seine belletristischen Arbeiten vernachlässigte er nicht ganz: im Jahre 1860 erschienen zwei Novellen, „Vögele der Maggid" und „Mendel Gibboer". Seine Erinnerungen aus der Zeit der Revolution und Reactiou, die in verschiedenen Schriften in den letzten acht Jahren erschienen sind, rufen dem heutigen Geschlechte die gar zu schnell vergessenen Ereignisse jener Jahre in's Gedächtniß zurück und zeichnen sich aus durch lebhafte klare Darstellung und treffende Charakterisirung der handelnden Personen. Von der unermüdlichen Thätigkeit Bernstein's zeugen mehrere Erfindungen - auf dem physikalischen Gebiete, und noch in jüngster Zeit beschäftigte er sich in seinem kleinen Laboratorium mit Experimenten zur Verbesserung des electrischen Lichts. Bernstein feiert seinen- 71. Geburtstag in voller Gesundheit, im Kreise seiner Familie. — Aus Pest wird uns geschrieben: Vorigen Donnerstag, den 30. März, fand in Kis-Czell die feierliche Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. Die Festrede hielt Herr Dr. E: Neumann aus Pest, ein junger hoffnungsvoller Mann, welcher demnächst als der erste aus der hiesigen Landes-Rabbinerschule wird entlassen werden. Von ihm erschien vor Kurzem eine in ungarischer Sprache verfaßte Schrift über „Ursprung und Entwickelung der muhametanischett Josefs- Sage", welche von Fleiß und Gründlichkeit zeugt. — Am 6. d. M. verschied in Pest E. I. Blücher; derselbe war eine Zeit lang Rabbiner in Kozmin, im Großherzogthum