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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-18 · Heft 16 (18.4.1882) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 16 (18.4.1882)
Date
1882-04-18
Page
Seite 264 (sequence 12)
Language
German
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Einfluß die grausamen Maßregeln zurückführen, welche die Kiewer Behörden gegen die Juden in unerhörter Weise aus- . führten und^noch immer ausführen. Was die übrige Thätigkeit des General Strelnitov betrifft, so geht sie hier uns nichts an. Wir erwähnen nur, daß er derselbe Generalprocurator ist, welcher in diesen Tagen in Odessa auf der Straße getödtet worden ist. . . . , —. Die feindselige Stimmung, die jetzt in Rußland gegen die Deutschen herrscht, und von der altrussischen Partei mit allen Mitteln im Volke verbreitet und genährt wird, möchte doch in Deutschland selbst zum Nachdenken auffordern. Berichten doch die deutschen Zeitungen selbst über die alle Grenzen überschreitende Polemik der russischen Presse gegen die Deutschen, deren Ausrottung auf dem gesammten russischen Gebiete sie verlangt. So berichtet die „Köln. Z." vom 6. d.: „Die nationale Partei macht aber das Ausland und in erster Linie Deutschland für alle inneren Schäden verantwortlich, denn..angeblich haben deutsche Männer das russische Volk bevormundet; Nihilismus, Armuth, Faulheit, vielleicht auch Völlerei, sollen durch das deutsche Element eingeschleppt worden sein." Nun, als die russische Presse ganz Aehnliches auf die Juden schleuderte, dieselben Anschuldigungen gegen sie erhob — da machten sich die meisten deutschen Zeitungen, auch die „Köln. Z.", zum Wiederhall dieser lügnerischen Anklagen und nahmen kaum Anstand, sie als gerechtfertigt anzusehen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß solche fortgesetzte Anschuldigungen nicht ohne Wirkung bleiben: die barbarische Behandlung der Juden ist das Product dieser gehässigen Aufreizungen. Jetzt, wo die russische Presse in völlig gleicher Weise gegen die Deutschen verfährt, sollte es doch wenigstens in Deutschland erkannt werden, welche Wahrhaftigkeit in den Auslassungen der russischen Presse vorhanden ist. , Petersburg, 5. April. In Rostow rüsten sich die Juden in Masse zur Auswanderung nach Nordamerika. In Ljubez sind drei Soldaten wegen Ermordung der aus neun Personen bestehenden Familie eines jüdischen Schankwirths arretirt. Alle drei haben das Verbrechen eingestanden. In Balta sind der „Nowost." zufolge Judenkrawalle ausgebrochen. Petersburg, 8. April. Wie der „Golos" erfährt, sei die gestern erfolgte Truppenentsendung von Odessa, Bender und Nicolajew nach der Stadt und dem Kreise Ananjeff in Folge von Excessen geschehen, welche in Ananjeff und in einigen Ortschaften des Ananjeffschen Kreises vorgekommen. An dem Markttage am Sonntag den 2. April hätten Bauern in der 25 Werft von Ananjeff entfernten Ortschaft Walegogulowo die dortigen jüdischen Buden und Häuser überfallen. Nach Unterdrückung der Excesse habe sich ergeben, daß 30 Buden und über 80 Häuser jüdischer Besitzer demolirt worden. Amerika. New-Hork, 10. März. Herr Belford, Deputirter von Colorado, hat bei dem Repräsentantenhause eine- Protestresolution gegen die russischen Mißhandlungen der Juden eingebracht. Die öffentliche Meinung spricht sich energisch für diese Resolution aus. Welches Schicksal, sie aber auch habe, die Unionsregierung hat hierdurch eine offizielle Kenntniß von der Angelegenheit erhalten. —Amerikanische Blätter beklagen es, daß im Vergleich zu England die amerikanischen Juden sich für die Subskriptionen zu Gunsten der russischen - Flüchtlinge nicht so eifrig erweisen, wie erwartet wurde. — Ein höchst bemerkenswerther Aufruf, unterzeichnet vom Bürgermeister vom New-Aork, einem der hervorragendsten Richter des Staates und den bedeutendsten Industriellen und Banquiers christlicher Religion neben angesehenen Israeliten ist dieser Tage erschienen. Sicherlich gehört dieser Aufruf zu den beachtenswerthesten Erscheinungen unserer Zeit, da er zu Gunsten unglücklicher Juden Christen und Juden vereint, und zwar aus den verschiedensten Glaubensrichtungen eintretend zeigt. Wir theilen denselben wörtlich mit: Die unmenschliche Verfolgung der Juden in Rußland während der letzten neun Monate, die fortgesetzte Ohnmacht der russischen Regierung, die nicht im Stande ist, die schrecklichen Gewalttaten zu verhindern, welche an hülflosen Frauen und Kindern verübt werden, die Ermordung unbewaffneter und harmloser Menschen, welche eine Beute der Wuth des brutalen Haufens geworden, die Verzweiflung der Ueberlebenden, welche ihr Heim verwüstet oder verbrannt, ihr Ver- . mögen ruinirt und ihre Subsistenzmittel zerstört finden, und die Drohungen der Gesetzgeber, die darauf berechnet sind, die wenigen Schranken, die, wenn auch unzulänglich, dazu dienen, die Verfolgten zu beschützen, haben, wie vorhergesehen worden, zur.Folge, daß eine große Menge dieser unglücklichen Menschen ' aus ihrer Heimath vertrieben werden, um in anderen Ländern eine Zuflucht zu suchen. Es überrascht nicht, daß sie, als sie vor der Verfolgung flohen, dieses Land als das sicherste Asyl.aufsuchten. Schon beinahe dreitausend aus den Städten Südrußlands Ausgewanderte, unter denen viele Ackerbauer und Handwerker sich befinden und die alle höhere Befähigungen zeigen als man dem Durchschnitts-Auswanderer zuschreibt, sind in unserem Hafen angelangt, wenigstens.noch zehntausend, mehr werden vor dem Sommer erwartet und beinah tausend sind jetzt unterwegs hierher. Sie werden hier als Fremde in einem fremden Lande ankommen, ganz mittellos und völlig unbekannt mit der Sprache, den Sitten und Gewohnheiten des Landes. ' Die allgemeine Sympathie herrscht in England und Amerika für sie. In England erweist sie sich hauptsächlich

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