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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-18 · Heft 16 (18.4.1882) · p. Seite 263

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 16 (18.4.1882)
Date
1882-04-18
Page
Seite 263 (sequence 11)
Language
German
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263 schrittspartei ausgefallen. Alle bisherigen sogenannten orthodoxen Mitglieder fielen durch; jedoch hatte die Fortschrittspartei so viel Einsicht und Billigkeit, daß sie einige Gemäßigte wählen ließ, während sie im Stande gewesen wäre , nur Männer aus ihrer Mitte durchzubringen. Schweden. Gothenburg, 6. April. (Privatmitth.) Der hochgeachtete Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde Dr. Moritz Wolfs hat am ersten Tage des jüdischen Osterfestes das 25jährige Jubiläum seiner Thätigkeit in der genannten Gemeinde gefeiert. Am Morgen wurde im Hause des vr. Wolff ein Festlied, von Cantor Baer componirt *), von einem Theile seiner früheren Confirmanden und dem Synagogenchore gesungen. Nach dem Gottesdienste hatte die Gemeinde eine Feierlichkeit zu Ehren ihres geliebten Rabbiners in der mit Blumen reich geschmückten Synagoge angeordnet. Nach der Predigt — in welcher Dr. Wolff seine Thätigkeit berührte, die er vor 25 Jahren in dieser Gemeinde begonnen, und in welcher man ihm stets mit der innigsten Liebe entgegengekommen sei — wurden von einem Damenchor die ersten Berse einer zu dieser Gelegenheit verfaßten und vom Musikdirector Czapek componirten Cantate. gesungen. Darauf traten die Vorsteher der Gemeinde hervor und Kaufmann E. Delbanco las eine Adresse vor, in welcher, in den ehrendsten und anerkennendsten Worten, die Verdienste des Jubilars gefeiert werden. Der vr. Wolff antwortete in warmen und ergreifenden Worten, indem er an die theuern Dahingeschiedenen erinnerte, die ihm in den verffossenen Jahren in der Gemeinde mit Rath und That zur Seite gestanden und unterstützt hatten und rief in einem innigen Gebete Gottes Segen auf den Freundschafts- und Liebesbund herab, welcher ihn so fest an die Gemeinde knüpfte. Mit dem Absingen des letzten Theiles der Cantate schloß die schöne und ergreifende Feier. — Die Gemeinde hat als Gabe ihrem hochgeehrten Rabbiner zwei Schatullen überreicht, die eine enthielt ein Prachtvoll gearbeitetes Silbertablett mit Kaffee- und Theeservis, die andere ein vollständiges silbernes Tischservis mit Passenden Inschriften, ferner einen Bücherschrank mit klassischen Werken. Selbst hat Herr vr. Wolff sein Jubiläum mit einer Schrift gefeiert und diese der Gemeinde dedicirt, auf welche wir zurückkommen werden. Der Titel der Schrift ist: vidrag tili Filosofiens-Historia med sarskildt liänseende tili den Judiska Religionsfilosofien af Dr. M. Wolff. Stockholm. Beitrag zur Geschichte der Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen Religionsphilosophie, von vr. M. Wolff. 1) Derselbe leitete auch den Gesang, und beim Gottesdienste erfreute er die Zuhörer durch eine von ihm componirte Keduscha. Corresp. Rußland. Petersburg, 4. April. (Privatmitth.) Ein mysteriöses Dunkel herrscht über dem bereits hinlänglich bekannt gewordenen Antrag der Commission für die Angelegenheiten der Juden, welcher die Austreibung der Juden vom Lande und nus den Dörfern und, das gänzliche Verbot des Handels mit geistigen Getränken seitens der Juden verlangt. Denn während man denselben schon wörtlich in den Blättern mittheilt, heißt es andererseits, daß die Commission nichts beschließen solle, bevor nicht jüdische Delegirte gehört worden seien. Daß solche jüdische Delegirte nach Petersburg eingefordert worden sind, ist unzweifelhaft. Wiederum meldete ein jüdisches Blatt und ein Flugblatt in Deutschland, daß der obige Antrag vom Minister Jgnatiew dem Kaiser als eine einfache Verordnung vorgelegt und von diesem zurückgewiesen worden. Jetzt wird wieder anders berichtet. Eingeweihte erzählen: Jgnatiew wollte die die Juden betreffenden sechs.Punkte als zeitweilige Maßregeln noch vor den russischen Ostern dem Ministerconseil vorlegen und wenn angenommen, sofort publiciren. Der Vorsitzende des Ministerconseils, Reuttern, verweigerte jedoch die Vorlage an das Ministercomitö, weil die sechs Punkte so vielerlei Interessen des Reichs umfassen, daß die reiflichste Ueberlegüng erforderlich sei. Reuttern verlangte, jede Arbeit des Judencomite's müsse jedem einzelnen Minister zum Studium und selbstständigen Referat übergeben werden. Auf die Einwendung Jgnatiews, diese Procedur verzögere die Erledigung der Judengesetze, antwortete Reuttern mit vielsagendem Schweigen. Diese Relation hat etwas für sich, wenn man die Maßregel bedenkt, welche der Minister des Innern, Jgnatiew, gegen die jüdischen Apotheker in Petersburg ergriffen hat und für welche er die Zustimmung des Ministerraths einholen zu müssen nicht geglaubt hat. Dennoch muß er auch betreffs dieser Maßregel Widersprüchen begegnet sein. Denn das „Amtsblatt" publicirt heute eine lange Erörterung, daß die Negierung im Verfahren gegen die jüdischen Apotheker correct und gesetzlich vorgegangen sei, ja daß sie mit der Bewilligung einer Frist von einem Jahre zum Verkauf der Apotheken noch eine besondere Gnade gewährt habe. — In Warschau sind wieder antisemitische Proclamationen verbreitet worden. —. Bekanntlich war es der kaiserliche Staatspromrator in Kiew, General Strelnikov, der in den Gerichtsverhandlungen über die wegen der Judenexcesse in Kiew Angeklagten in brutalster Weise die schmählichsten Anschuldigungen gegen die Juden schleuderte, wodurch einerseits die angeklagten Excedenten entschuldigt werden sollten, zugleich aber die Leidenschaften des Pöbels gegen die wehrlosen Juden von Neuem angestachelt wurden. In der That lassen sich auf diesen ' 16*

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