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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-18 · Heft 16 (18.4.1882) · p. Seite 261

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 16 (18.4.1882)
Date
1882-04-18
Page
Seite 261 (sequence 9)
Language
German
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261 geschlossen, auch mit den beiden Herren Jacobus, von denen der eine die Stadt schon verklagt hat, noch einen Vergleich abzuschließen, und würde sich dann die Gesammtentschädigungssumme auf ca. 9000 Mk. belaufen, welche vorläufig aus dem, der Stadt aus dem Neumärkischen Städte-Unterstützungsfonds gewährten, bereits zum Schulhausbau bestimmten Be-, trage von 17,000 Mk. entnommen werden soll. Leobschütz (Oberschlesien), den 2. April. (Privatmitth.) Der am 1. April ausgegebene .Jahresbericht des hiesigen Königl. katholischen Gymnasiums enthält u. A. auch die im vergangenen Schuljahr durchgenommenen Pensa in der jüdischen Religion, welcher Unterricht hier, wie bekannt, seit fünf Jahren obligatorisch eingeführt und vom Prediger Grundewald ertheilt wird. In Cötus I. (Prima und Secunda umfassend): a. Religion: Psalmen mit Auswahl. Die wichtigsten Kapitel aus dem Buche Jesaias. ö. Jüdische Geschichte: Von der Herrschaft der Maccabäer bis zur Zerstörung Jerusalems. (Nach Dr. Kayserling's Lehrbuch). In Cötus H. (Tertia und Quarta umfassend): a. Religion: Von der Sünde und der Buße. Der Gottesdienst. Die Fest- und Fasttage.- (Nach Herxeimer's Lehrbuch), b. Bibl. Geschichte: Die beiden Bücher der Könige. (Nach Dr. Badt's bibl. Geschichte). In Cötus HI. (Quinta und Sexta umfassend): a. Religion: Die zehn Gebote und die drei Glaubenslehren, d. Bibl. Geschichte: Das erste und zweite Buch Samuels. Der Bericht enthält ferner unter der Rubrik: „Ordnung des Gottesdienstes" folgende bemerkenswerte Mittheilung: „ Für die jüdischen Schüler ist am Sabbath ein besonderer Schülergottesdienst um 2 Uhr Nachmittags, angesetzt, da sie an dem Vormittagsgottesdienste der Gemeinde Theil zu nehmen verhindert sind." Von den 517 Schülern, die im verflossenen Schuljahr das hiesige Gymnasium besuchten, gehörten 60 der jüdischen Confession an. Oesterreich-Ungarn. Wien, 5. April. Wie von hier berichtet wird, find daselbst die Herren Ellinger und Olifant auf der Durchreise nach Rußland angelangl) um als Vertreter des englischen Unterstützungs - Comitos mit den - Vertretern der Alliance israelite in Wien Berathungen wegen der Organisation einer Unterstützung der russischen Juden zu pflegen. Die erwähnten Herren verfügen als bisheriges Resultat der englischeü Sammlungen über Millionen Gulden. Gestern fand eine zweite Antisemitenversammlung unter dem Vorsitz des Reichsrathsabgeordneten Schönerer statt. Nach etwa zwanzig Minuten wurde dieselbe vom Polizeicommissar unter der Angabe aufgelöst, daß die Tagesordnung nicht eingehalten wäre; damit wurde die Annahme der vorbereiteten Resolution verhindert, welche die Wiederherstellung des Status der Juden, wie er vor 1848 war, forderte. Wien, 7. April. (Privatmitth.) Vor einigen Tagen hat hier unter dem Titel einer „Versammlung christlicher Kleingewerbetreibender" eine Antisemiten- Versammlung stattgefunden. Kaum hatte der erste Redner begonnen, sein eigentliches Thema zu behandeln und über die Juden zu schimpfen, so hob der anwesende Vertreter der Regierung die Versammlung auf. Diese bestand im Ganzen aus etwa 300 Personen, worunter, wie üblich, ein großer Theil Neugieriger war. Als Vorsitzender fungirte der Millionär Schönerer, dessen Vater sich bei dem Baue der Westbahn bereicherte. Er selbst zeichnet sich durch eine Art von Bismarckcultus aus, durch die er sich aller Orten lächerlich gemacht hat. Es wird sich bald zeigen, daß die Regierung diesem Treiben ein Ende machen wird. Ich bedauere nur, daß den Wienern diese Schmach angethan wurde; doch sind sie ganz unschuldig und hoffen wir, daß diese Episode bald vergessen sein wirdA) Wie die Journale berichten, hat das englische Parlamentsmitglied Baron Worms, welcher eine Intervention der englischen Cabinete zu Gunsten der russischen Juden herbeiführen will, sich auf ein Rescript der Kaiserin Maria Theresia berufen, die in Folge der Intervention des Königs Georg III. das Decret vom 22. Dezember 1744, bezüglich der Ausweisung der Juden aus Böhmen, zurücknähm. Wie jedoch G. Wolf in der Schrift: „Vertreibung der Juden aus Böhmen" nachwies, berücksichtigte die Kaiserin nicht die auswärtigen Interventionen, und befindet sich auch im hiesigen geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchive kein Beleg dafür. Wohl aber sah sich die Kaiserin im Jahre 1748 gezwungen, das fragliche Decret zurückzunehmen, da von allen Seiten in Böhmen die Klagen ertönten, sie könnten die Steuern nicht zahlen, wenn die Juden nicht zurückkehren und daß sich überhaupt alle Verhältnisse seit der Abwesenheit der Juden verschlimmerten. In der That beginnt die eigenhändig geschriebene Resolution der Kaiserin mit folgenden Worten: „Nur allein weillan die Länder so inständig es verlangen und ihre äußersten Kräfte anspannen" u. s. w.? Aus Ungarn, im April. (Privatmitth.) Ich weiß sehr wohl, daß Sie es längst für überflüssig ansahen, in der A. Z. d. Jud. die vielen Einzelfälle von Auszeichnungen, Standeserhöhungen, Orden rc. zu berichten, welche Israeliten zu Theil geworden. Sah es doch aus, als ob man vom Standpunkte des Judenthums ein allzugroßes Gewicht auf 1) Hierbei möchten wir fragen: was veranlaßt z. B. die „Boss. Ztg." in Berlin, nicht bloß einen ausführlichen Bericht über diese Versammlung und die darin ausgestoßenen Schmähungen zu bringen, sondern auch den unsinnigen Tenor der Resolution, die nicht einmal zur Verlesung kam, bringt?/. Man merkt die Absicht und wird verstimmt! Redaktion. ■ .16

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