Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 46 (1882)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1882)
- Date
- 1882-04-18
- Page
- Seite 260 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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auf den 16. d. M. verschoben werden. Jndeß aber hatte sich die froheste Erregung schon seit Monaten der Gemeinde bemächtigt, und jeder suchte dem verehrten Lehrer, unter dessen Augen ein großer Theil der Gemeindeangehörigen herangewachsen war und der selbst mit den Interessen und dem Wohlergehen der Gemeinde sich auf's innigste verwoben fühlt, Freude zu machen, ihm seinen Ehrentag durch auserwählte Private und gemeinschaftliche Gaben zu schmucken. Von den frühesten Morgenstunden an strömte eine ununterbrochene Reihe Glückwünschender zur Wohnung des Jubilars, die bald in einem so prachtvollen und künstlerisch arrangirten Blumenschmuck Prangte, wie ihn vor Allem Potsdam, die Stadt der Hofgärtnereien, zu bieten vermag. Um 11 Uhr erschienen die Deputationen des Vorstandes und der Repräsentanz, in deren Namen der erste Vorsteher, Herr Luboscher, der vor einem Viertel Jahrhundert den Jubilar mit in sein Amt eingeführt, warme, innige.Worte der Anerkennung und Zusammengehörigkeit mit der Gemeinde sprach und ein kostbares silbernes Tafelbesteck mit schöner, inhaltlich und kalligraphisch ausgezeichneter Adresse überreichte. Der zweite Vorsteher, Herr Abramczyk, fügte sein herzliches Wort hinzu und übergab dem Jubilar als erneutes Band zwischen demselben und seiner Gemeinde eine die Zukunft des Jubilars und der Seinen in hochherziger Weise sicherstellende Urkunde. Einen besonders erfrischenden Eindruck machte die Deputation früherer Barmizwah's und Confirmirten, welche mit treuen Dankesworten des Herrn Alfred Grünthal dem verehrten Lehrer eine ausgezeichnete , goldene Remontoir-Taschenuhr überreichten, um „ihn stündlich an das Gute zu erinnern, das er in den Kreisen der Jugend gestiftet."- Einen rührenden Gegensatz dazu bildete das Erscheinen von sechs Herren, welche-zu den Wählern des vr. Cohn vor nunmehr 25 Jahren gehörten. Sie sprachen durch den Mund des Herrn Lesser Zielenziger ihre Freude über ihre damalige Wahl aus und über das ununterbrochene Herzensbündniß, das sie seitdem mit dem Jubilar vereinigt, und überreichten deß zum Zeichen einen durch Größe und wundervolle künstlerische Ausführung ausgezeichneten Pokal, auf dessen Vorderseite das eingravirte Bild der innern Synagoge prangt und dessen Deckelknauf die segnenden Kohen-Hände bilden. Außerdem traf eine Fülle anderer Ehrengaben ein, und eine stattliche Reihe ausgezeichneter hebräischer und deutscher Werke bekundete das geistige BerstÜndniß der Geber. / Auch die „Litteraria" von Potsdam sandte ein Vorstandsmitglied, Herrn Lehrer Riehl, mit antheilsvöllem Schreiben. Durch über hundert telegraphische und schriftliche Grüße' nahmen die Familienglieder des Jubilars, Freunde, frühere Schüler, zum Theil in fernen Ländern und Erdtheilen zerstreut, an seinem Feste Theil, und Merthe Collegen erfreuten ihn durch hebräische und deutsche Zuschriften und Widmungen. — Möge es ihm vergönnt sein, noch lange segensreich im Schooße seiner Gemeinde zu wirken, und möge er dazu hinreichende Kraft und Gesundheit bald wiedererlangen! . Seesen, 2 April. (Privatmitth.) Aus den „Privatmittheilungen an die Angehörigen der Schüler über die Schuljahre 1880—1862", welche die hiesige Jacobsonschule soeben ausgegeben hat, ersieht man, daß die Eigenthümlichkeit dieser von einem Juden gegründeten Simultanschule sich dauernd erhält. Denn sowohl der Lehrkörper als die Schüler gehören in fast gleicher Zahl der jüdischen, wie der christlichen Religion an. Im Schuljahr 1880/81 gehörten . 116 Schüler , der jüdischen und 101 der christlichen Confession an. Im Schuljahre 1881/82 waren 113 'jüdische und 111 christliche Schüler vorhanden. Die Zahl der Hausschüler war (bei 40 Freistellen und. 23 Halbfreistellen) 149 resp. 144 und die der Stadtschüler 68 resp. 80. Zu Ostern 1881 erlangten 14 Schüler die Berechtigung zum einjährigen Freiwilligendienst, zu Ostern 1882 15 Schüler. Seit Ostern 1870 haben im Ganzen 142 Schüler die vorschriftsmäßige Abgangsprüfung bestanden und zwar 20 mit dem Prädikate sehr gut, 59 gut und 63 genügend. Die Anstalt besitzt auch seit dem 1. Juli 1869 einen Pensionsfond zur Unterstützung der Hinterbliebenen Wittwen und Waisen der Lehrer und Beamten an der Jacobsonschule und zwar bereits mit einem Capital von Mk. 65 348 und in jährlichen Zinsen von Mk. 2819. Diese Resultate sprechen für sich selbst. Mannheim, April. (Privatmitth.) Wie die hiesige Gemeinde schon im vorigen Sommer nach den ersten Schreckenskunden über die Judenverfolgung in Rußland in hochherzigster Weise ansehnliche Unterstützungsgelder gesammelt, so hat sie auch jetzt mit Wärme dem Beispiele Frankfurts sich angeschlossen und bald ein Hilfscomite eingesetzt, das nun bereits die erhebliche Summe von Mk. 24 202 aufgebracht. Auf den Aufruf, den das hiesige ComitS an Gemeinden der Umgegend gerichtet, sind ebenfalls bis jetzt Mk. 2052 eingegangen. Die Summe wird sich jedoch wohl noch erheblich durch Beiträge von auswärtigen Gemeinden in.Baden und der Pfalz vergrößern. Dr. Steckelmacher. Aus Pommern, 6. April. In Fvlge der durch die antisemitischen Excesse am 7. Mai in Schievelbein verübten Sachbeschädigungen sind von der dortigen Stadtverordnetenversammlung den Beschädigten folgende Schadenbeträge zuerkannt: Kürschnermeister Hirsch 60 Mk., Kaufmann Pieck 75 Mk., Wittwe Salomon 26 Mk. 50 Pf., Kaufmann Salinger 2500 Mk., Kaufmann L. M. Mannheim 2900 Mk., Gebrüder Samuel 420 Mk., unverehelichter Julie Elias 80 Mk., Kaufmann Engel 620 Mk., Kaufmann Ph. Mannheim 90 Mk., Kaufmann Sabarth 120 Mk., Kaufmann Julius Simon 36 Mk., Herr, Pinkus Müller hat nachträglich auf den Ersatz seines Schadens verzichtet. Die Möglichkeit ist nicht aus-