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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-18 · Heft 16 (18.4.1882) · p. Seite 255

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 16 (18.4.1882)
Date
1882-04-18
Page
Seite 255 (sequence 3)
Language
German
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255 und das Publikum zürn Lachen zu bringen. Wenn auch nicht das letztere, so doch das pikant zu schreiben, ist auch das Motiv Valbert's, und darum dieser Artikel. Nebenbei gilt es, auf Deutschland einige Schlagschatten zu werfen. In der That hätte dieser Feuilletonist der Revue des deux Mondes hier Gelegenheit nehmen können, nicht blos pikant zu sein, sondern auch die Stöcker und Dühring lächerlich zu machen. Aber das thut er nicht und ebenso wenig widerlegt er sie, oder bringt Auszüge aus den Widerlegungen, welche reichlich in Gegenschriften jüdischer und christlicher Autoren enthalten sind. Er giebt sich sogar den Anschein, als ob er die gegen die deutschen Juden erhobenen Beschuldigungen für begründet erachte, und macht den Juden den Vorwurf, daß sie ihren Gegnern in heftiger Weise geantwortet hätten, während sie besser gethan, stillzuschweigen und ihre Gegner mit jener Geduld austoben zu lassen, welche die Juden in früheren Jahrhunderten geübt und mit ihr alle Verfolgungen bestanden hätten. Ist dies nicht eine curiose Behauptung? Giecht es keinen.Unterschied zwischen den früheren Jahrhunderten und der Jetztzeit? Ehemals hatten die Juden auf jede Widerlegung, auf jede Erwiederung nur eine um so heftigere Verfolgung zu. fürchten, und es war ein Theil ihres grausamen Geschickes, alle Angriffe, alle, auch die fabelhaftesten Beschuldigungen stillschweigend über sich ergehen zu lassen, wenn sie .nicht eine noch grausamere Wuth gegen sichentfesseln wollten. Dazu ist die Jetztzeit nicht mehr angethans diese besitzt noch ein höheres Tribunal — die öffentliche Meinung; und wer vor dieser den Anklagen gegenüber schweigt, dem wird dies als ein Zugeständniß und als eine Feigheit ausgelegt. — Alles, was die Antisemiten über den Einstuß und die Macht der Juden in Deutschland gefabelt, übertrieben, und erdacht haben, über ihre Herrschaft in der Presse, im Parlamente, in den Munizipien, an den Universitäten, in der Industrie, , dem Handel und der Finanz, Alles nimmt Valbert für richtig und wahr an. Daß dies nicht blos in den Gegenschriften, sondern auch thatsachlich widerlegt worden, daß z. B. die gesammte deutsche Presse, die liberale eingeschlossen, für die Juden nicht eingetreten ist, also sich dem jüdischen Einstuß nicht im geringsten unterworfen zeigte, daß in den parlamentarischen Versammlungen die. Zahl jüdischer Mitglieder das numerische Verhältnis durchaus nicht überstieg und jedenfalls so gering war, daß von irgend einer Suprematie gar nicht die Rede sein konnte , dies Alles ignorirt Valbert, sicherlich mit dem geheimen Gedanken, daß auf diesem Wege die deutsche Nation als inferioren Geistes sich erweisen würde, wenn sie dem kleinen Häuflein Juden eine solche Stellung eingeräumt hätte. Vor solchem Endziele läßt ein französischer Autor, der noch dazu pikant sein will, gern die abenteuerlichsten Behauptungen gelten und ignorirt'. jede Berichtigung , jede Darstellung der Wirklichkeit. Am liebsten hält er sich daher bei Dr. Dühring aus, und scheut sich selbst nicht, die Blasphemien dieses Autors über den biblischen Gott zu wiederholen. Zuletzt nimmt er noch seine Zuflucht zu dem Roman der George Eliot, „Deronda", um einige pikante jüdische Typen herauszuheben. Unsre Leser wissen, daß wir gleich nach dem Erscheinen dieses Romans nachgewiesen haben, wie verkehrt und unjüdisch alle diese Eliot'scheu Typen sind,, und wie schwach die ganze Composition. Herr Valbert hat diese Einsicht nicht, und heftet den Juden die markanten Züge der Eliot'scheu Phantasterei als wirkliche auf. Veranlassung gab ihm hierzu, daß erst jetzt eine französische Nebersetzung dieses Romans. erschienen ist. Gewiß, Herr Valbert-Cherbuliez hat mit diesem Artikel seine sonstigen Lorbeerblätter-nicht vermehrt. Das revidirtc Statut -es deutsch-israelitischen - Gemeind ebuudes. Wie wir bereits'berichtet'haben, hat der deutsch-israelitische Gemeindebund, da-^ihm die sächsische Regierung die Rechte eintzr, juristischen Person verweigerte', sein Domizil nach Berlik verlegt, und fand zw diesem Zwecke am 21. Febr. eine, außerordentliche General-Versammlung statt, bei welcher 73 Gemeinden durch Delegirte vertreten waren. In 4 auseinanderfolgenden ^Sitzungen nplrde eine nach allen . Seiten hin befriedigende VereinbarunA^erreicht. 'Das Statut kdurde revidirt und" der Ausschuß wieder gewählt unter Cobptation'. des Rechtsanwalts Dr.'- Moßner , Geheimer Sanitätsrath vr. Kristeller, Rechtsanwalts H. Stern. Und des Banquiexs Julius. Schüler.. Zum s geschäftsführenden. Vorsitzenden des Ausschusses wurde KkistelHr,*zum zweiten Vorsitzenden Nachpd in Leipzig und zum dritten Profl Lazarus gewählt. AÜe Correspondenzen muffen fortan an den vr. Samuel KristeÄer (Siegesmundstraße 5.) und Beiträge an Banquier Julius Schüler (Unter den Linden ö.) gerichtet werden. Sicherlich wird man mit dieser Wendung, einer so wichtigen Angelegenheit zufrieden sein-,, um so ' mehr als dem Ausschüsse die bisherigen bewährten Kräfte erhalten ' blieben und nur durch neue Mitglieder verstärkt worden, deren Namen längst von Hütern Klang. Wir heben hier die wichtigsten Paragraphen des Statuts hervor und sprechen die Hoffnung aus, daß sich recht viele Gemeinden und Einzelne dadurch bestimmen lassen, dein Gemeindebunde beizutreten. § 1. Name, Sitz, Zweck. Die im Jahre 1869 begründete Vereinigung. Deutsch-Israelitischer. Gemeinden führt den Namen Deutsch-Israelitischer Gemeindebund und hat ihren Sitz zu Berlin.' Zweck des Bundes ist die Förderung der Verwaltungs-, Bildungs- und Wohlthätigkeitsangelegenheiten der Israelitischen Gemeinden des deutschen Reichs. 15*

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