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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-11 · Heft 15 (11.4.1882) · p. Seite 250

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 15 (11.4.1882)
Date
1882-04-11
Page
Seite 250 (sequence 14)
Language
German
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IV ‘ WM 250 gewählt wurden, überreicht haben und soll die obrigkeitliche Bestätigung derselben in dieser Eigenschaft binnen Kurzem, erfolgen. Selbstverständlich werde ich nicht unterlassen. Ihnen über die Realisation dieses Vorhabens s. Z. speeielle Mittheilung zu machen. So viel kann ichs aber schon heute bemerken, daß, wie es scheint, auch dies Mal,-die Juden der Ostseeprovinzen bei der projectirten Versammlung nicht betheiligt sein werden. — Moskau, im März. Vor einigen Tagen wurde in einem Telegramm aus Rußland gemeldet, daß 800 Personen, die sich nicht genügend mit Pässen auszuweisen vermocht haben, aus Moskau exilirt worden sind. Ein Korrespondent aus Moska'u erklärt, die wahre Bedeutung dieser Massen- Ausweisung, indem er dieselbe als eine neue Austage der Juden-Verfolgungen darstellt, die in diesem Falle jedoch nicht von einem fanatischen Mob, sondern von den russischen Behörden betrieben werden. Vor fünf Tagen — so schreibt dieser Korrespondent — sind 500 jüdische Familien von hier ausgewiesen' worden. Sie wurden mitten in der Nacht aus den Betten gezerrt, weder Kinder noch Greise, noch Kranke wurden geschont, sie wurden vielmehr allesammt zur Bahnstation gebracht und angewiesen, mit dem nächsten Morgenzuge sofort Moskau zu verlassen. Nicht die geringste Rücksicht oder Humanität ließ man dabei walten und den armen Opfern dieser willkürlichen und grausamen Maßnahmen wurde nicht einmal Zeit gelassen, über ihre Habe zu verfügen. Ter Korrespondent schließt mit der Erklärung, daß er in seiner Darstellung Nichts übertrieben habe, daß vielmehr die Dinge noch viel schlimmer stehen, als sie überhaupt beschrieben werden können. Wenn Grausamkeit dieser Art von den Behörden selbst an harmlosen moffenfiven Personen begangen werden, wer kann sich da noch sicher fühlen in Rußland? Der Vorwand, daß irgend Jemand nicht mit den nöthigen Pässen versehen sei, kann jederzeit erhoben werden. Der rastlose Freund und Protektor der Juden im englischen Parlamente, Baron Henry de Worms, hat die Sache aufgegriffen und an den Unter-Staatssekretär Sir Charles Dilke die Frage gerichtet, ob Ihrer Majestät Konsul in Moskau dem Kabinet über die Affaire berichtet habe und wenn dies nicht der Fall sein sollte, ob Ihrer Majestät Regierung den Konsul beauftragen wolle, der Angelegenheit nachzuforschen, und den Bericht, desselben auf den Tisch des Hauses legen wolle? (Wie uns heute telegrafiert wird, will man in Folge dieser neuerlichen Scheußlichkeit die russischen Werthe von der Londoner Börse ausschließen.) Amerika. New-Hork, 26. Febr. Die gesetzgebende Versammlung von New-Jersey hat einstimmig eine Resolution'angenommen, in welcher sie gegen die Barbareien, in. Rußland protestirt und ihre Sympathie mit den Juden ausspricht. — Ein Herr Brown von Galveston und Mr. Diston von Philadelphia haben bedeutende Ländereien zur Aufnahme jüdischer Colonisten angeboten, was natürlich vom Cornitö mit Dank angenommen worden. — Nach einer Mittheilung sind bisher über 3000 Männer angekommen, deren überschwängliche Hoffnungen auf reiche Unterstützung von Seiten der amerikanischen Regierung zwar, getäuscht wurden, allein das Comit6 hat alles Mögliche gethan, um die Ankömmlinge nach Thunlichkeit zu versorgen. Die Handwerker werden nach jenen Städten geschickt, wo ihrer Arbeit harrt, die starken Männer sendet man als Farmers nach Georgia und Texas, die zu nichts anderem Verwendbaren finden in den'New-Iorker Fabriken gegen Verköstigung und ein Dollar Taglohn Beschäftigung. Paris, 30, März. Auf Veranlassung des Generals Luperon, des ehemaligen Präsidenten der Republik St. Domingo, hat Dr. Betanier an den Herrn v. Rothschild ein Schreiben gerichtet, um die Aufmerksamkeit der. die Auswanderung der russischen Juden leitenden Persönlichkeiten auf diese Insel zu lenken. Es heißt darin: „ Wir werden glücklich sein, Ihre Blicke auf die Republik St. Domingo zu richten, welche gegenwärtig den in anderen Th eilen der Erde verfolgten Israeliten ein Asyl darbietet, und wir würden uns reichlich belohnt fühlen, wenn es uns gelänge, insoweit das Interesse der Wohlgesinnten zu erregen, daß sie oder ihre Freunde sich auf irgend welche Art für ihr Schicksal interessirten. Die Vortheile, welche die Republik böte, die Fruchtbarkeit des Bodens, die Erfolge des Landbaus, der Industrie und Metallurgik, seien durch, den milden Charakter der Bewohner undderen Gastfreundschaft noch vermehrt. Die Freiheit der Kulte bestehe dort so lange schon, daß ein Unterschied zwischen den Religionen und Confessionen in keiner Weise fühlbar werde. Man würde in den fünf Häfen der Insel Comites bilden, um die Einwanderer unmittelbar nach den Gegenden ihrer Niederlassung zu lenken und ihnen sofort lohnende Arbeit anzuweisen. So sei schon mit den Cübanischen Einwanderern geschehen. Man böte den Israeliten in den Bewohnern Brüder, in der Republik ein Vaterland an. — Da bereits Israeliten in St. Domingo ansässig sind, so wird man wohl diese zuvor befragen müssen, ob die Erfahrung, die sie dort gemacht, auch mit diesen Verheißungen übereinstimmen. Bonn, 2. April. (Notizen.) Aus Paris. Der Präfect des Departements la Nifcvre, Levaillant (Israelit), ist zuür Präfecten des Departements von Ober-Savoyen ernannt worden. Herr See ist zum Unterpräfecten von Boulogne ernannt worden. — Herr Jassuda Badarrides, Vorsteher

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