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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-11 · Heft 15 (11.4.1882) · p. Seite 242

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 15 (11.4.1882)
Date
1882-04-11
Page
Seite 242 (sequence 6)
Language
German
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242 lichen Sänger seine Vorsätze für die Regierung des Landes aussprechen zu sehen.' Denn daß es ein solcher ist, der hier die Saiten rührt, leuchtet aus dem Inhalte selbst hervor: „Von Lieb' und Recht will ich singen; Dir, Ewiger, will ich lobsingen. Achten will ich auf untadeligen Weg. Ich will in meines Herzens Unschuld wandeln in dem Inneren meines Hauses. Ruchloses will ich nicht mir vor die Augen stellen, Abfall üben hasse ich, nicht, hafte es an mir. Verkehrtes Herz soll von mir weichen. Böses will ich nicht kennen. Wer seinen Nächsten insgeheim verleumdet, ihn will ich tilgen, Wer stolzer Augen, hochfahrenden Herzens, ihn mag ich nicht. Auf die Treuen im Lande seien meine Augen, Daß sie bei mir wohnen. Wer auf untadeligen Wegen wandelt, er soll mir dienen. Nicht wohn' in meines Hauses Innern wer Trug verübt, Wer Lügen redet, soll gedeihen nicht vor meinen Augen. Jeglichen Morgens will ich alle Frevler des Landes tilgen, Ausrottend aus des Ew'gen Stadt alle Uebelthäter." Bei dem letzten Verse hat man sich zu erinnern, daß der König täglich zum Gerichte saß. Der sittliche Prozeß im Menscheil ist daher den Ps. die Unterdrückung alles Uebermuthes und alles Stolzes im Menschenherzen und die Beschwichtigung jeder leidenschaftlichen Bewegung, So Ps. 131, wo es V. 2. heißt: „Fürwahr, geebnet und beschwichtigt Hab' ich meine .Seele, gleich dem Kinde an der Mutter, gleich dem Kinde in mir meine Seele." Unerschöpflich sind deshalb die Psalmisten in der Brandmarkung des Unrechts , der Lüge und Täuschung, der Ränkesucht, welche tückisch auf das Verderben Anderer sinnt, Derer, die „segnen mit ihrem Munde und in ihrem Herzen stuchen sie" (62, 5.), insbesondere der ungerechten und bestechlichen Richter. Dagegen fordern sie immer wieder zum Schutze der Schwachen,Ler Wittwen und Waisen auf und verheißen dem WohlthätigelHichen, göttlichen Segen. Der Sänger des 41. Ps. ruft aus: „Heil dem, der des Elenden Fürsorger ist: Am Tage des Unglücks rettet ihn der Ewige. Der Ewige wahret und erhält ihn, Er wird beglückt im Lande: Du giebst ihn nie der Feinde Rachgier preis. Der Ewige stützt ihn auf dem Siechbett, All' sein Krankenlager wendest du." Wie anmuthig ist das Lob der brüderlichen Eintracht, welcher der 133. Ps. gewidmet ist: „Siehe-. wie schön und wie lieblich Wenn Brüder friedlich mit einander wohnen!" u. s. w. Und da der Psalmist das Ideal, dem er im Leben, in Gesinnung und That nachzustrebe-n habe, und zu welchem er sich emporzuringen trachten solle, in Gott erblickt, so schließen wir mit dem Bilde, das er im 146. Psalm entwirft: „Der Himmel schuf und Erde, Das Meer und Alles, was darinnen, Der Wahrheit wahret ewiglich; Der Recht schafft den Gedrückten, .Brod giebt den Hungrigen, - Der Ewige löset die Gefesselten; Der Ewige macht Blinde sehend, n Der Ewige richtet auf Gebeugte, Der Ewige liebt Gerechte; Der Ewige wahrt die Fremdlinge, Hilft Waisen auf und Wittwen, Aber den Weg der Frevler führt er abwärts." — — Wir stehen hier am Ende unsrer vergleichenden Skizze. Möge es ihr gelungen fein; dem Leser den hellenischen und den hebräischen Sänger in der Gleichartigkeit und in den Verschiedenheiten ihrer Anschauungen und Ausdrucksweise vorgeführt zu haben. Sicher ist es von Nutzen, dem Sohne der Gegenwart bisweilen einen Trunk aus den Quellen längst vergangener Zeiten zu bieten. Es kommt ihm da zu Gemüthe, daß das Schöne, Edle und Wahre schon in grauer Vorzeit seine Wurzeln geschlagen, aus dem Geiste und Herzen des Menschen emporsproßte, und sich von Geschlecht zu Geschlecht weiter entfaltete. Er erlangt da auch die köstliche Erkenntniß, daß mitten im unaufhörlichen Wandel, in den Schwankungen und'Wirren der Zeiten sich dennoch ein Sicheres und Bestimmtes wie eine unzweifelhafte und ewige Wahrheit im Menschengeschlechte kuudgab, sich im Laufe der Zeiten erhielt und entwickelte, und dadurch zu einem Erbbesitz der Menschenbrust geworden ist. Mögen die Forschungen und Hypothesen des Tages diesem Erzeugniß der Menschheit sich nähern oder von ihm entfernen: es giebt nichts Bleibendes außer ihm, und es umfaßt — Gott und die Sittlichkeit! Fügen wir nur noch eine Schlußbetrachtung über die Ergebnisse unsrer Vergleichung hinzu. (Schluß folgt.) Russische ©riefe. III. Es ist eine alte bekannte Behauptung, daß wir zuweilen gerade das, was in unserer nächsten Nähe vorgeht, weit weniger beachten, als dasjenige, was uns aus weitester Ferne sichtbar wird. Den Beweis für die Wahrheit dieser Behauptung liefert auch ein großer Theil der jüdischen ausländischen Presse; denn diese Organe kennen zum Theil die Zustände unserer Brüder in den Bereinigten Staaten, in Nördafrika und in Australien weit besser, als die der Juden Rußlands, welche nach außen hin noch immer eine terra ineognita sind. Und wie könnte es auch anders sein? Die besten Auskünfte kann ja immer nur die betreffende Person über' sich

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