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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-11 · Heft 15 (11.4.1882) · p. Seite 241

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 15 (11.4.1882)
Date
1882-04-11
Page
Seite 241 (sequence 5)
Language
German
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241 von allen Seiten des Buches in den mannichfaltigsten Weisen entgegen; dies ist das eigentliche Zionslied, das in der Fremde die Bewunderung, aber auch den Spott der Völker hervorruft. Man öffne das Psalmbuch, wo es sei, und man wird diesen Gedankengang ausgedrückt finden, sei es in Schmerzensschrei des Leidenden, sei es im Hallelujah des Siegers. Der Inhalt der Sittlichkeit nun ist das Recht, die Gerechtigkeit; das Recht enthält ihm aber, das müssen wir hervorheben, zugleich Alles, was wir als Werke der Liebe und Barmherzigkeit zu bezeichnen pflegen. Die Ausgabe des Menschen ist daher nach den Psalmisten: das Recht zu üben und das Recht zu verschaffen Allen, denen es verkümmert wird. Deshalb flehen sie unaufhörlich zu Gott, sie im Neben des Rechts zu erhalten und zu stärken, von begangenen Fehltritten sie zu unterrichten und zurückzuführen, aber auch den Gerechten vor den Augen der Menschen beizustehen, über ihre Widersacher sie siegen zu lassen, die Ungerechten zu strafen, weil hierdurch den Menschen die Erkenntniß des Rechts und des Unrechts gelehrt und eingeschärft werde und sie sich vor solchen Strafgerichten Gottes zur Gottesfurcht und zum Rechte wenden. Mit tiefer Sinnigkeit haben deshalb die Redaktoren des Psalmbuchs den kurzen ersten Psalm an die Spitze der ganzen Sammlung gestellt, gleichsam als Überschrift oder als Resultat aller Psalmen. „Heil dem Manne, der nicht wandelt im Rathe der Frevler, Und im Pfade der Sünder nicht stehet. Und auf dem Sitze der Spötter nicht sitzet; Sondern an des Ewigen Lehre Lust hat, Ueber deß Lehre-sinnt Tag und Nacht. Der ist wie ein Baum, an Wasserbächen gepflanzt, Der seine Frucht giebt zu seiner Zeit Und deß Laub nicht welket: All', was er thut, gedeiht. Nicht so die Frevler: Sondern wie Spreu, die ein Wind verweht. Darum besteh'n nicht Frevler im Gericht, Sünder in der Gerechten Gemeinde. Denn der Ewige kennt den Pfad der Gerechten Aber der Frevler Pfad geht unter." Dies ist die ganze und volle Ueberzeugung des Psalmbuchs. Die Worte: „Rath, Weg, Sitz" zeigen darauf hin, daß hier nicht von einer einzelnen bösen That, sondern von consequenter Lasterhaftigkeit oder Tugend die Rede ist, so wie daß das Walten der göttlichen Gerechtigkeit nicht in einzelnen Vorgängen, sondern im ganzen Verlaufe des Lebens sich kund thut. Mehr ins Einzelne zeichnet das Bild des Frommen und Gerechten der Ps. 15.: „Ewiger, wer darf weilen bei deinem Zelte, Wer darf wohnen auf'deinem heiligen Berge? Wer unsträflich wandelt, Recht verübt, Und Wahrheit spricht in seinem Herzen. Nicht verleumdet er mit seiner Zunge, Thut nicht Böses seinem Nächsten, Bringt nicht Schand' auf seinen Freund. Verächtlich ist in seinen Augen der Verworfne, Aber die Gottesfürchtigen ehret er, > Er schwört zum Schaden sich und ändert's nicht. Er giebt sein Geld nicht hin um Zins, Nimmt nicht Bestechung wider den Unschuldigen. Wer Solches thut, der wankt nicht in Ewigkeit." Nicht unbemerkt darf bleiben, daß mit dem ersten Verse die Frage ausgedrückt wird: Wer ist ein wahrer Verehrer Gottes? und die Antwort deutet weder auf Opfer noch Gebet oder sonstige gottesdienstliche Formen, wozu doch die Einkleidung des ersten Verses Gelegenheit geboten hätte. Man erkennt hieraus die polemische Färbung des Ps., welche den Formfrömmlern die wahre Frömmigkeit^ gegenüberstellt. In ähnlicher Weise heißt es Ps. 24, '3-5: „Wer darf den Berg des Ewigen besteigen, Wer steh'n an seiner heil'gen Stätte? Wer rein an Händen, lautern Herzens ist, Wer nicht zum Falschen seine Seele trägt, Und nicht zum Truge schwört: Der trägt vom Ew'gen Segen hin, Gerechtigkeit vom Gotte seines Heils." Dagegen verbindet Ps. 26, 1. die Reinheit des Herzens und Wandels mit der Frömmigkeit an Altar und Gebet: „Richte mich Ewiger, denn ich wandelte in meiner Unschuld, Und auf den Ewigen vertraute ich: nimmer werd' ich wanken. Prüfe mich, Ewiger, und versuche mich, Läutere meine Nieren und mein Herz. Denn deine Gnade war vor meinen Augen, Und ich wandelte in deiner Wahrheit. Nicht saß ich mit des Truges Männern, Mit Hinterlistigen verkehr'ich nicht. Der Bösen Versammlung hasse ich, Mit Frevlern sitz ich nicht zusammen. / Ich wasch' in Unschuld meine Hände, Und suche deinen Altar, Ew'ger, oft, Um anzustimmen Lobgesang Und deine Wunder alle zu erzählen." Wem verheißen daher die Ps. Leben und Glück? Ps. 34,13. heißt es: . „Wer ist, der Leben wohl begehrt, Tage wünscht, Glück zu schauen? Vor Bösem wahre deine Zunge Und deine Lippen, Trug zu reden, : Vom Bösen weich' und Gutes thue, Frieden such' und jag' ihm nach!" Ueberaus interessant ist es, im 101. Ps. einen könig-

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