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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1882-04-11 · Heft 15 (11.4.1882) · p. Seite 240

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
46 (1882)
Issue
Heft 15 (11.4.1882)
Date
1882-04-11
Page
Seite 240 (sequence 4)
Language
German
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WWW 240 „Also war feindselige Täuschung auch in alter Zeit, Im Geleit einschmeichelnder Reden, ränkesinnend, unheilstiftende Schmähung, Die was glanzvoll ist erniedrigt Und des Nichtigen morschen Ruhm zur Größe streckt." Dennoch ist er überzeugt, daß es „dem tückischen Mann mit Erfolg ein Wort zu schleudern unter die Guten hinein unmöglich ist" (Pyth. 2, 80.). — Zu den Tugenden rechnet unser Sänger auch die Dankbarkeit, die Liebe zu den Eltern, wie er umgekehrt denjenigen Vater für den Glücklichen erklärt, welcher selbst Großes erreicht hat, und seinen Sohn Großes erreichen sieht; treue Freunde, gute Nachbarn zu besitzen, hält er für ein großes Gut. „Das Schweigen ist häufig, die weiseste Wahl dem Menschenkinde" (Nem. 5,19.). Vieles, was den Menschen ziert und wodurch er Erfolg hat, führt unser Sänger auf die Naturgaben zurück. Er sagt: „Was die Natur giebt, das ist das Höchste; Es streben so viele durch erlernte Geschicklichkeit Den Ruhm zu erhaschen." (Ol. 9, Ant. 4.). „Es verbirgt sich schwer angeborene Gemüthsart." (Ol. 13, Ant. 1.). Er räth daher diesen Gaben nachzuwandeln auf geraden Pfaden, sei es die Kraft des Armes, sei es Verstand im Rathe, wenn sie uns von Geburt an verliehen sind (Nem. 1,24). „Angeborener Adel verleiht großes Gewicht; unsicher bleibt, wer nur Gelerntes kann" (Nem. 3, 40.). Interessant ist folgender Ausspruch in Ol. 8, Ep. 3.: „Schüler zu-ziehen wird Leichter dem Kenner. Ein Thor wer Frühe zu lernen verschmäht; Schwankender ist der erfahrungslose Geist." Und so wollen wir dieses Gemälde mit dem Rathe schließen, den Pindar einem hochgestellten Freunde giebt (Pyth. 1, 86.): „Lasse vom Edeln du nicht! Lenke stets dein Tapferes Volk mit dem Steuer des Rechts und schmiede die Zung' auf truglosem Ambos. Denn entfährt ein nicht'ges Wort dir, Achtet die Meinung es groß, Weil von dir. Haushalter für Viele Bist du; viel auch Zeugen von beiderlei Thun umstehn dich. Deines Herzens edlem Zug getreu, Wenn ewig du süßes Gerücht zu hören liebst, Laß den Aufwand nie dich verdrießen zu sehr; Spanne weit vielmehr, ein wackerer Steuermann, Schwellende Segel dem Wind Gleißnerische Ränke verblenden dich, Freund, nicht: Ueber das Leben hinaus folgt der Nachruhm, Welcher entschwundener Männer Art und Weis allem enthüllt Redebegabten und Sängern."-- Wenn man diesen farbenreichen Zügen des sittlichen Geistes im hellenischen Sänger gleiche Details aus dem Hebräismus an die Seite stellen will, so muß man nach anderen alttestamentarischen Schriften, wie die Sprüche und der Prediger Salomonis und Kap. 29 und 31 des Buches Hiob greifen, wohingegen das Psalmbuch Derartiges nur wenig bietet. Das große Material, welches in den gedachten Schriften nach dieser Richtung hin gesammelt ist, läßt uns über die Lebensanschauungen der Israeliten in keinem Zweifel. Das PsalmLuch aber, dessen Gesänge, wie wir oben schon ausgeführt, theils objektive Hymnen Gottes, der Natur und der Geschichte, theils, und zwar in der größeren Zahl, aus den Kämpfen des Volkes gegen äußere Feinde und Dränger und den Wirren der Parteien im Innern und der daraus hervorgegangenen sittlichen Entartungen entsprossen sind, konnte in die Einzelheiten des wirklichen Lebens und dessen mannichfaltige Gestaltungen den beobachtenden Blick nicht werfen. Dahingegen bringt es uns den sittlichen Geist der Volksseele in seinem allgemeinen Charakter trefstichst nahe. Hier müssen wir zunächst aus dem Kreise dessen,- was der Hellene als Tugenden, also als sittliche Vorzüge und Kräfte ansah, die Schönheit, die körperliche Kraft und Gewandtheit, den Ruhm und den Reichthum für den Hebräer ausscheiden. Nicht daß dieser sich für Schönheit, Ruhm und Reichthum nicht interessirt hätte, wie uns z. B. das Hohelied und der 45. Psalm erweisen — aber vom sittlichen Standpunkte aus sagte der Spruchredner: „Trügerisch ist Anmuty, Schönheit eitel, nur ein gottesfürchtig Weib ist lobenswerth" (31, 30); und Secharj. 4, 6.: „Nicht , durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen. Geist, spricht der Ewige der Heerschaaren" und der Psalmist: „Nicht siegt durch Heeresmenge der König, durch große Kraft wird nicht der Held gerettet; trügerisch ist das Roß zum Siege, rettet nicht durch große Stärke" (33, 16.). Vor dem Haschen, nach Reichthum warnt nachdrücklich der Spruchredner: „Ringe nicht nach Reichthum, aus Vernunft unterlaß es; soll auf das dein Auge fliegen, was bald nicht mehr ist? Denn Flügel schafft es sich und fliegt davon, wie der Adler gen Himmel" (23, 45.), und selbst gegen den redlich erworbenen Reichthum erklärt sich der Psalmist (62, 11. Vgl. Pred. 5, 9. ff.). — Das Fundament aller menschlichen Sittlichkeit ist den Psalmisten: das Vertrauen auf Gott, die Hingebung an Gottes Willen, die Nacheiferung Gottes, zusammengefaßt in der „Gottesfurcht." Die Quelle der Erkenntniß hierfür ist ihm „die Lehre Gottes", gestärkt, gekräftigts, erwiesen durch das Anschauen der Natur, die Lehren der Geschichte und die Erfahrungen des wirklichen Lebens, besonders wenn letztere nicht aus zeitweiser Situation,, sondern aus den Ergebnissen einer längeren Zeit, aus dem Gesammtresultat geschöpft werden. Dies ist der Gedanke aller Psalmen; er tönt uns

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